Leichtathletik: Dauerregen, extrem böiger Wind und Kälte: Widriger hätten die Voraussetzungen kaum sein können für Johanna Siebler (LC Überlingen) beim Norm-Wettkampf in Halle (Saale), die sich in der U 20 den ersten Teil der EM-Qualifikation in Schweden sichern wollte. Das große Ziel hieß 5400 Punkte. Es wurden aber 5571.

Extrembedingungen in Halle

„Es waren wirklich Extrembedingungen“, erinnert sich die 18-Jährige. „Dennoch kam ich erstaunlich gut in den Wettkampf.“ Über 100 Meter Hürden legte sie mit 14,28 Sekunden eine beachtliche Leistung hin. Vor allem im Hochsprung erwartete die Deisendorferin Siebler eine Steigerung, da sie sehr viel in dieser Disziplin gearbeitet hat. Allerdings war die nasse Bahn ein großer Nachteil. Insofern waren die 1,60 Meter ein respektables Ergebnis. Auch Kugelstoßen hat sie viel trainiert, doch der rutschige Stoßring bot eine zusätzliche Schwierigkeit. Dabei zeigte sie Nerven wie Drahtseile, erst im dritten Versuch schaffte sie 14,11 Meter und blieb auf Norm-Kurs. Beim 200-Meter-Lauf half der starke Rückenwind auf der Zielgeraden und eine starke Konkurrentin zu 25,45 Sekunden. Mit diesen Leistungen lag sie nach dem ersten Tag auf Kurs einer persönliche Bestleistung.

Nervenstarke Johanna im Weitsprung

Am zweiten Tag kam die Sonne zwar heraus, doch die Windböen wurden noch stärker und das Thermometer zeigte nur zehn Grad. Im Weitsprung war Johanna Siebler nervenstark, legte im letzten Durchgang noch einen Satz auf 5,72 Meter hin und blieb im Rennen.

Speerwerfen als Windlotterie

Das Speerwerfen wurde zu einer Windlotterie. Die 44,10 Meter waren zwar klar die beste Weite des Teilnehmerfeldes, zur Bestmarke fehlte etwa ein Meter. „Ich habe den Abwurf nicht hinbekommen“, sagte Siebler nach dem Wettkampf. Vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf hatte sie nur 90 Punkte Vorsprung auf Lokalmatadorin Lucie Kienast, die auch um die EM-Norm kämpfte und die klar bessere Läuferin ist. „Ich wollte den Wettkampf unbedingt gewinnen und ging hoch motiviert in den Lauf“, so Siebler, die maximal sechs Sekunden einbüßen durfte – und das mit 2:26,47 min schaffte.

Wettbewerb gewonnen und die EM-Norm

Sie gewann in Halle nicht nur mit 36 Zählern Vorsprung, sondern mit 5571 Punkten locker die EM-Norm, stellte eine neue persönliche Bestmarke auf, verbesserte den uralten Badischen Rekord von 1993 von Clarissa Altdörfer und knackte die Norm für den U-23-Bundeskader, der im Herbst nominiert wird. Damit benötigt Johanna Siebler beim EM-Qualifiaktions-Wettkampf in Bernhausen einen Platz unter den ersten drei, um das EM-Ticket zu sichern. „Ich bin absolut zufrieden und weiß, dass ich noch einiges an Potenzial habe“, so die 18-Jährige.

„Großartig, dass Johanna solch eine Leistung abrief“

Beeindruckt von der Leistung war Trainer und Vater Bernd Siebler: „Ich habe unter solchen Witterungsverhältnissen noch nie einen Wettkampf gemacht. Umso großartiger ist es, dass Johanna solch eine Leistung abrief. Es ist fantastisch, den Badischen Rekord zu brechen. Ich bin sicher, dass 5700 Punkte nicht unrealistisch sind, was die Norm für den Perspektivkader für Olympia bedeuten würde.“

Die Leistungen im Überblick

100 Meter Hürden: 14,28 Sekunden, 939 Punkte

Hochsprung: 1,60 Meter, 736 Punkte

Kugelstoßen: 14,11 Meter, 801 Punkte

200 Meter: 25,45 Sekunden, 846 Punkte

Weitsprung: 5,72 Meter, 765 Punkte

Speerwurf: 44,10 Meter, 746 Punkte

800 Meter: 2:26,47 Minuten, 738 Punkte

5571 Punkte (persönliche Bestzeit, Badischer Rekord, EM-Norm, Norm für den Bundeskader U23).