Abdullah Karaboga, Präsident des Türkischen SV Konstanz, versteht die Welt nicht mehr. Da bemüht er sich nun schon seit Jahren, Ruhe in seinen Verein zu bringen, und dann das: Am Samstag fand die Clubheim-Wirtin des TSV im Briefkasten die Kopie eines SÜDKURIER-Artikels vom 7. November, der handschriftlich mit allerlei türkenfeindlichen Parolen versehen war. Der Artikel bezog sich auf den Spielabbruch der Bezirksliga-Begegnung SC Konstanz-Wollmatingen gegen FC Anadolu Radolfzell am 3. November.

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Karaboga war damals als Zuschauer selbst auf dem Platz und ahnte schon: „Da gibt es nur Verlierer!“ Aber dass nun auch sein Club in diese Sache hineingezogen wird, stößt bei ihm und seinen Vorstandskollegen auf Unverständnis.

Diese Kopie eines SÜDKURIER-Artikels mit fremdenfeindlichen Parolen wurde am vergangenen Samstag im Briefkasten des Türkischen SV Konstanz gefunden.
Diese Kopie eines SÜDKURIER-Artikels mit fremdenfeindlichen Parolen wurde am vergangenen Samstag im Briefkasten des Türkischen SV Konstanz gefunden. | Bild: privat

Seit dem Spielabbruch in der Bezirksliga-Begegnung gegen den SV Deggenhausertal in der Saison 2014/15 ist nichts Gravierendes mehr beim Türkischen SV Konstanz vorgefallen. Der Club nahm im Vorjahr lieber den Abstieg in Kauf, als auf spielstarke, aber in Sachen Disziplin eher schwierige Spieler zu bauen. Und nun muss sich der Verein, obwohl er nicht einmal mehr in der gleichen Liga spielt, mit den Folgen dieses Bezirksliga-Spieles vom November 2018 auseinandersetzen.

Die Polizei wurde eingeschaltet

Zunächst sollte das anonyme Schreiben kommentarlos in den Müll wandern, um dieser Hetze keine Bühne zu bieten und nicht wieder Teil einer unangenehmen Geschichte rund um den Fußball in der Region zu sein. Dann aber entschieden sich Karaboga und seine Vorstandskollegen, diese Sache der Polizei zu übergeben und eine Anzeige gegen Unbekannt zu stellen. Von einer Spontantat eines politisch Verwirrten kann wohl kaum die Rede sein. Der SÜDKURIER-Artikel wurde mehrere Monate archiviert, die Parolen wurden teils gedruckt – das spricht für eine lang geplante Aktion.

Nicht der erste Vorfall dieser Art

„Da muss sich jemand richtig Mühe gemacht haben!“, glaubt Karaboga und ergänzt: „Ich mache das jetzt seit fünf Jahren, und das war bereits die vierte Aktion dieser Art.“ Im Jahr 2017 etwa wurde mit einem Backstein eine Scheibe im Clubheim eingeschlagen. Unter dem Stein fand sich ebenfalls ein Schreiben mit fremdenfeindlichen Parolen.

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Den Türkischen SV Konstanz gibt es nun seit 1980, und damit ist er einer der ältesten Vereine mit türkischen Wurzeln im Bezirk Bodensee. Zweifelsfrei gab es auch Auftritte der negativen Art in der fast 40-jährigen Vereinschronik, auf der anderen Seite beklagen sich Spieler des TSV immer wieder über rassistisch gefärbte Zuschauerkommentare bei Auswärtsspielen.