Handball, Aufstiegsrelegation zur 2. Bundesliga: HSG Konstanz – HC Rostock. (Samstag, 20 Uhr, Schänzlehalle). – 60 Minuten bleiben bis zur letzten Entscheidung. Eine Stunde entscheidet über die Arbeit eines Jahres. Die Dramen werden gleichzeitig für grenzenlose Freude und bittere Tränen sorgen. Ein Zeitraum, der für kein Fußballspiel genügt, kaum eine Fahrt von Konstanz nach Zürich, wo der HC Empor am Spieltag nach dem Flug landen wird.

Chancen 50:50

Einen Vorteil nimmt nach einem dramatischen Hinspiel an der Ostsee kein Team wirklich mit in das „emotionsgeladene ultimative Endspiel“ (Paul Kaletsch). Nach dem hart erkämpften 31:31-Remis nach zwischenzeitlichem Sechs-Tore-Rückstand kann sich die HSG zwar über 31 Auswärtstore freuen, angesichts der geringen Wahrscheinlichkeit eines Unentschiedens sagt Daniel Eblen jedoch: „Die Chancen stehen 50:50.“ Immerhin kann sich seine Mannschaft wieder auf einen beindruckenden Rückhalt verlassen.

Fans als Zünglein an der Waage

„Die Unterstützung der Fans“, dankt der Cheftrainer der HSG den eigenen Anhängern, „lässt keine Wünsche offen. Das war immer optimal. Gerade in schweren Phasen waren sie umso mehr da.“ Diese zusätzliche Energie von außen kann nach einer langen Saison das Zünglein an der Waage werden. „Wir müssen die Stimmung als Düsenantrieb nutzen“, meint Paul Kaletsch mit einem Lächeln. Kleinigkeiten dürften dabei das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlagen lassen. „Auch die Kräfte können entscheidend sein“, meint Eblen.

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Zwei unterschiedliche Halbzeiten

Wie unterschiedlich die Tagesform selbst innerhalb von 60 Minuten sein kann, demonstrierten die Konstanzer in Rostock. „Die erste Halbzeit“, zeigte sich Kapitän Tom Wolf sehr selbstkritisch, „war eine Katastrophe von uns.“ Drei Zeitstrafen, fünf technische Fehler und ein verworfener Siebenmeter – alles in den ersten elf Spielminuten. Die völlig andere Leistung in der zweiten Hälfte hingegen war wieder das, was die HSG auszeichnet. Kampf, Wille, leidenschaftliche Abwehrarbeit und vorne viel Tempo und Raffinesse. Neben Paul Kaletsch wurden dabei vor allem die jungen Flügelspieler Samuel Wendel, Matthias Hild und Joschua Braun zu prägenden Akteuren. Die zwei komplett unterschiedlichen Gesichter kann man sich am Bodensee bis heute nicht richtig erklären, eine Wiederholung der ersten Hälfte soll aber mit allen Mitteln ausgeschlossen werden. Eblen: „Es spielt Meister gegen Meister. Entsprechend ist die Qualität und es kommt auf Nuancen an.“

Guter Start ist wichtig

Doch das Ziel vor Augen, das Finale vor der Brust – und das in eigener Halle – treibt Spieler und Trainer noch einmal an. Verleiht diese Aussicht gar Flügel? „Auf jeden Fall“, meinen der Coach und seine Schützlinge. „Man spürt schon“, erklärt Eblen, „dass der Gegner und wir sehr beansprucht sind. Jetzt wird sich aber alles entscheiden.“ Verständlicherweise strebt man auf beiden Seiten einen guten Start in die finale Partie an, so, wie er Konstanz gegen Eisenach gelungen war. Mit wenigen Fehlern, stabiler Deckung und Vorteilen bei den „Kleinigkeiten“, die am Ende so wichtig sein werden. In einem Spiel, das ein ganz besonderes, gegen einen Gegner, der ein ganz besonderer ist. Mit zehn Meistertiteln und sieben Pokalsiegen ist Empor Rostock der erfolgreichste Handballverein der DDR und gehört mit 17 nationalen Titeln auf nationaler Ebene zu den erfolgreichsten Clubs Deutschlands. 1982 konnte der Traditionsverein gar den Vereins-Europameistertitel und den Europapokal der Pokalsieger gewinnen. Aktuell hat die Mannschaft des Ex-Flensburges Till Wiechers wie die Konstanzer den Traum von der 2. Bundesliga.

Tickets und Benefiz-Aktion

Tickets sind online über www.hsgkonstanz.de/tickets und an der ab 17 Uhr geöffneten Abendkasse erhältlich.

Wie schon gegen Eisenach wird die HSG für die Forschung am Rett-Syndrom, an dem die kleine Chiara Lyan aus Kreuzlingen erkrankt ist, und den an Krebs erkranken Jungen Lukas aus Litzelstetten Spenden sammeln. „Bitte nutzen Sie die Möglichkeit, Gutes zu tun“, richtet sich HSG-Präsident Otto Eblen an alle Besucher und kündigt eine besondere Aktion an: „Wir alle sollten uns verpflichten, im Falle eines Sieges für diesen Zweck einen Euro zu spenden. Ich glaube, es wäre ein gutes Zeichen von Dankbarkeit.“ Die Spendenboxen mit den roten Hinweisschildern sind an den Durchgängen zur Tribüne platziert.

„Kämpft bis zum Umfallen!“

Wir haben nachgefragt bei Ex-HSG-Spielern, die dabei waren, als in der Zweitligasaison 2016/17 der Klassenerhalt geschafft wurde.

  • Gregor Thomann.
    Gregor Thomann. | Bild: Peter Pisa
    Gregor Thomann (steigt mit HBW Balingen-Weilstetten in die Bundesliga auf): „Ich habe das Spiel in Rostock im Livestream gesehen und gleich zu Freunden gesagt, die HSG hat Spieler, die sich auch von einem Rückstand nicht beeindrucken lassen. Bin mir sicher, dass sie es vor heimischer Kulisse schaffen!“
  • Mathias Riedel.
    Mathias Riedel. | Bild: Peter Pisa
    Mathias Riedel (mit HSG Freiburg in Südbadenliga aktiv): „Ich komme am Samstag nach Konstanz und werde die Jungs mit den Fans anpeitschen. Kämpft bis zum Umfallen, ich glaube an Euch!“
  • Konstantin Poltrum.
    Konstantin Poltrum. | Bild: Peter Pisa
    Konstantin Poltrum (HSC Coburg 2000/2. Liga): „Die Jungs sollen das Ding rocken, das Spiel gewinnen und aufsteigen. Dann spielen wir nächste Saison wieder gegeneinander. Mit der euphorischen Stimmung in der eigenen Halle sehe ich sie im Vorteil.“
  • Stefan Hanemann.
    Stefan Hanemann. | Bild: Peter Pisa
    Stefan Hanemann (kann mit den Eulen Ludwigshafen am letzten Bundesliga-Spieltag noch Klassenerhalt schaffen): „Die Jungs haben in Rostock Moral gezeigt. Mit den Fans im Rücken werden sie es schaffen.“
  • Sebastian Bösing.
    Sebastian Bösing. | Bild: Peter Pisa
    Sebastian Bösing (mit TuS Dansenberg in der 3. Liga einmal Sieger gegen die HSG): „Ich drücke die Daumen, dem Verein, vor allem aber auch Paul Kaletsch und Fabian Schlaich. (lacht) Jungs, rasiert die Rostocker so wie wir Euch in Dansenberg rasiert haben.“
  • Patrick Glatt.
    Patrick Glatt. | Bild: privat
    Patrick Glatt (Karriere beendet) „Die Ausgangslage ist nach der Aufholjagd und dem Unentschieden in Rostock phänomenal. Zuhause wird eine volle Halle die Jungs zum Sieg pushen. So werden sie das schaffen. Eine Stimmung wie gegen Eisenach habe ich selten erlebt, mit diesen Fans wird es gegen Rostock klappen.“
  • Simon Flockerzie.
    Simon Flockerzie. | Bild: Peter Pisa
    Simon Flockerzie (gelegentlich Co-Kommentator bei den Livestream-Übertragungen von HSG-Spielen): „Bin im Urlaub in Südtirol und nervös. Aber ich glaube ganz fest dran!“
  • Matthias Stocker.
    Matthias Stocker. | Bild: Peter Pisa
    Matthias Stocker (Trainer HSG Konstanz II/Oberliga): „Der Heimvorteil ist ein großer Vorteil, da legt man schneller die Nervosität ab. Im Hinspiel haben die Jungs den Rostockern den Vorsprung ja durch eigene Fehlher geschenkt. Ich wünsche und glaube, dass diesmal auch unsere Torhüter ein Faktor sein können.“
  • Michael Oehler.
    Michael Oehler. | Bild: Peter Pisa
    Michael Oehler (spielt bei der SG BBM Bietigheim in der Bundesliga): „Ich rechne mit einem hart umkämpften Duell wie im Hinspiel. Ich hoffe, die Jungs kommen besser mit der offensiven Abwehr als in der ersten Halbzeit im Hinspiel klar und dass sie sich so einen Vorsprung und Selbstvertrauen erarbeiten können. Damit sich nicht wieder so ein Thriller entwickelt. Die Jungs sollen die Stimmung genießen, das war ja schon gegen Eisenach ein geiles Ding. Mit diesen Fans im Rücken wird es mit dem Sieg klappen. Ich kenne es ja selbst noch: Das pusht enorm und gibt dir vier bis fünf Prozent extra. Das sollen die Jungs einfach genießen, ohne sich zu großen Druck zu machen. Sie sollen an die Aufstiegsfeier von 2016 denken, wie geil das war. Das ist absolute Motivation.“