Sagen wir’s gleich mal im Comedian-Jargon: Die ersten 40 Sekunden waren die Gäste gut im Spiel, dann erzielte Paul Kaletsch das 1:0 für den Meister – und von da an ging’s bis zum Pausenpfiff kontinuierlich „de Bach na“, wie der Schwabe angesichts einer mittleren sportlichen Katastrophe gerne mal sagt. 4:0 nach fünf Minuten, 5:2 nach zehn, 9:5 nach 15, 14:7 nach 20, 17:8 nach 25 und 20:8 nach 30 Minuten – der Vorsprung der Konstanzer wuchs ständig.

Dafür gab es gute Gründe. Erstens: HSG-Torwart Simon Tölke wehrte acht Würfe ab, was bis zur Halbzeit eine bärenstarke Quote von 50 Prozent bedeutet. Zweitens: Tölkes Vorderleute legten eine konzentrierte Abwehrarbeit an den Tag. Drittens: Die Mannen von Trainer Daniel Eblen zeigten Qualitäten im Tempogegenstoß und erzielten im Eiltempo sechs Treffer – es hätten auch gut und gerne noch vier, fünf mehr sein können, wenn der Ball nicht gegen Latte oder Pfosten geprallt wäre oder den Gelbblauen im Übereifer nicht auch technische Fehler unterlaufen wären. Viertens: Der Abwehrverbund der Schwaben war immer wieder löchrig wie ein Schweizer Käse, was von den Konstanzer Rückraumschützen als wohlwollende Einladung betrachtet wurde. Fünftens: Oppenweilers Torhüter Stefan Koppmeier hatte nicht seinen besten Tag und parierte gerade mal drei Würfe.

Fabian Wiederstein (HSG)
Fabian Wiederstein (HSG) | Bild: Peter Pisa

Zur Halbzeit war die Partie also bereits entschieden. Das gab Daniel Eblen die Möglichkeit, im zweiten Durchgang einige Wechsel vorzunehmen. Tom Samuel Löffler und Fabian Schlaich bekamen im Angriff ihre Spielzeit – und: Allesamt trugen sie sich am Abend des offenen Tores in die Torschützenliste ein.

Für Fabian Schlaich ein Fakt mit Folgen: Der Linksaußen erzielte, als in die Mitte geschlichener Kreisläufer, das 30. Tor der HSG, und wer den Treffer Nummer 30 in einem Pflichtspiel erzielt, muss eine Kiste Bier fürs Team berappen!

Fabian Schlaich links (HSG) gegen Felix Raff (HC).
Fabian Schlaich links (HSG) gegen Felix Raff (HC). | Bild: Peter Pisa

Als Schlaich den Bier-Treffer zum 30:13 bejubeln konnte, waren 43 Minuten gespielt und das HSG-Spiel lief weiter wie aus einem Guss. Als Coach Eblen dann aber nach dem 31:13 durch Stotz im Angriff auf Kaletsch, Wiederstein und Jud verzichtete, gab es kurzzeitig einen Riss – und siehe da: Den zuvor arg gerupften Handballern aus Oppenweiler/Backnang gelangen sechs Tore hintereinander, womit sie den Fünf-Minuten-Zeitabstand zwischen der 45. und 50 Minute mit 6:0 gewannen. Wenigstens ein Trostpflästerchen, das die Gäste aber verständlicherweise trotzdem nicht in Euphorie ausbrechen ließ…

HSG Torhüter Simon Tölke gegen Tom Kuhnle.
HSG Torhüter Simon Tölke gegen Tom Kuhnle. | Bild: Peter Pisa

Eine Viertelstunde vor Ende stand es also 31:19, doch danach zogen die Meister vom Bodensee wieder an und auf 39:22 davon. Nette Randnotiz: Auch Torhüter Maximilian Wolf darf den Kollegen eine Kiste Gerstensaft offerieren, zum Dank (oder zur Strafe?) für den zum 36:20 ins leere Gegner-Tor geworfenen Ball. Trainer Daniel Eblen war „im Großen und Ganzen zufrieden. Wir haben eine starke Abwehr gespielt und sind über die schnellen Angriffe zügig ins Spiel gekommen.“

Direkt im Anschluss an den üppig ausgefallenen Sieg gab es für den Drittligameister HSG Konstanz die verdiente Meisterehrung durch den Deutschen Handballbund. Nächsten Samstag geht es zum letzten Ligaspiel noch nach Saarlouis, ehe dann die mit Spannung erwarteten Aufstiegsspiele gegen den Ost-Drittliga-Meister ThSV Eisenach anstehen – Hinspiel am Samstag, 11. Mai, 19.30 Uhr, in Eisenach, Rückspiel am Samstag, 18. Mai, 20.00 Uhr, in der Schänzlehalle.

Handball 3.Liga HSG Konstanz – HC Oppenweiher/Backnang. Tim Jud (HSG) beim Wurf.
Handball 3.Liga HSG Konstanz – HC Oppenweiher/Backnang. Tim Jud (HSG) beim Wurf. | Bild: Peter Pisa

HSG Konstanz: Tölke (14 Paraden), M. Wolf (5 Paraden/1 Tor) – Stotz (1), Schlaich (5), Hild (5), T. Wolf (1), Wiederstein (6), Kaletsch (6/1), Krüger (3), Braun (1), Jud (5), Wendel (4), S. Löffler (1).