Jugendfußball: Für Aufsehen sorgte in dieser Woche ein Facebook-Post, in dem die Jugendarbeit des SC Konstanz-Wollmatingen scharf kritisiert wurde. Der Eintrag im sozialen Medium löste eine brisante Diskussion aus, mit knapp 130 Kommentaren. Ein heikles Thema, aber nicht nur für den Konstanzer Club – vielmehr geht es um eine Angelegenheit, welche vielen Jugendabteilungen häufig große Probleme bereitet.

Der Vorwurf kam von Patricia Bölli. Ihr Sohn spielt, seit er fünf Jahre alt ist, für den SC Konstanz-Wollmatingen. Auf Facebook schrieb sie nun, dass mehrere B-Jugend-Spieler des SC, die schon seit der E-Jugend für den Verein auflaufen, den Club verlassen müssen – aufgrund eines zu großen Spielerangebots. Neue Spieler würden aber trotzdem noch aufgenommen werden.

Vorwürfe an den Verein

Im Gespräch mit dem SÜDKURIER zeigt sie sich enttäuscht: „Wir sind sehr frustriert, so geht man mit Jugendlichen nicht um. Mein Sohn ist mit Herzblut beim Fußball dabei, war immer im Training und wird jetzt einfach weggeschickt. Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis“, so die Mutter. „Verganges Jahr wurde ihm schon gesagt, er solle sich einen anderen Verein suchen. Allerdings wurde uns da versprochen, dass er in der B-Jugend wieder bei Konstanz-Wollmatingen spielen darf. Und jetzt wird ihm wieder gesagt, er muss sich einen anderen Verein suchen. Das kann nicht die Politik des Vereins sein, er geht überhaupt nicht auf die Problematik ein. Die ganze Familie war voll im Verein integriert“, moniert sie.

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Sportclub zeigt Verständnis

Uwe Walentin, Jugendleiter des Sportclubs, zeigt sich verständnisvoll für den Unmut von Patricia Bölli: „Da blutet natürlich jedem Elternteil das Herz. Ich verstehe das komplett“, sagt er und fügt an: „Es gibt für uns als Verein nichts Schlimmeres, als einen Spieler wegschicken zu müssen. Das tut uns unglaublich weh.“ Dennoch stellt er klar, dass es keine Alternative gab und erklärt seinen Standpunkt: „Wir haben auf dem Papier für die neue Saison 49 Spieler in der B-Jugend. Für drei Teams ist der Kader zu klein, für zwei aber zu groß. Daher müssen wir mit zwei Mannschaften antreten und kriegen vier bis fünf Spieler nicht unter. Das tut uns auch leid, aber die Spieleranzahl ist bei unserer B-Jugend in diesem Jahr einfach sehr unglücklich“, bedauert der Sportliche Leiter.

Uwe Walentin, Jugendleiter des SC Konstanz-Wollmatingen, zeigt Verständnis für den Unmut von Patricia Bölli. Bild: Stei
Uwe Walentin, Jugendleiter des SC Konstanz-Wollmatingen, zeigt Verständnis für den Unmut von Patricia Bölli. | Bild: Stei, Karin

Bitter sei in diesem Fall natürlich, dass es zwei Spieler getroffen habe, die von klein auf beim Club sind und sich mit dem Verein identifizieren. „Die Trainer haben nach unseren Sichtungstrainings entschieden, wer keinen Kaderplatz bekommt“, erklärt Walentin. Die betroffenen Nachwuchskicker dürfen nun also nicht mehr am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen und müssen sich auf Vereinssuche begeben, wie er bestätigt. Neuverpflichtungen in der B-Jugend stimmt er ebenfalls zu: „Wir haben gewisse Ambitionen, da schicken wir natürlich gute Spieler nicht weg“, erläutert er. Die betroffenen Kicker müssen sich nun also einen Verein suchen. Beim SC Konstanz-Wollmatingen haben sie zumindest vorerst keine Zukunft.

Das sagen andere Jugendleiter und Trainer aus der Region

Einige Spieler aus der B-Jugend des SC Konstanz-Wollmatingen müssen den Verein verlassen. Wir haben Jugendleiter und Trainer nach ihrer Meinung gefragt: