Fußball-Landesliga: Erneut ist der FC 08 Villingen II von einem Einspruch betroffen, der sich auf den Paragraf 11 der Spielordnung des Südbadischen Fußballverbandes bezieht. Der § 11b der Spielordnung sollte eigentlich regeln, wer unter welchen Bedingungen in einer zweiten oder dritten Mannschaft auflaufen darf. Als Stammspieler gilt, wer nach dem dritten Spieltag der höheren Mannschaft über die Hälfte der Spiele in der höheren Mannschaft bestritten hat. Bereits der Sieg in der Hinrunde gegen den FC Schonach wurde der Villinger Oberligaresere aberkannt, da es in Südbaden – im Gegensatz zu anderen Verbänden – keine Ausnahmeregelung für U-23-Spieler gibt (obwohl dies bei Kurzeinsätzen von Nachwuchsspielern in oberen Ligen durchaus sinnvoll wäre, um Spielpraxis sammeln zu können).

Es geht um die Partie gegen Dettingen-Dingelsdorf

Nun geht es um das Landesligaspiel des FC 08 Villingen II am 16. März gegen die SG Dettingen-Dingelsdorf, das die SG knapp mit 2:3 verlor. Beim FC 08 Villingen II spielte Müslüm Yelken mit, der am 7. März 2019 seine Freigabe erhielt und am 9. März sein Oberligadebüt im Villinger Dress gegen den SV Spielberg gab. In diesem Fall lohnt ein Blick auf den §11b/Absatz 6, in dem geregelt wird, dass bei Spielern, die nach dem 1. November der laufenden Runde verpflichtet werden, die Zahl der Spiele seit der Erteilung der Spielberechtigung als Grundlage genommen wird. Dass es nun eine neue Frist wie beim Saisonauftakt von drei Spielen gäbe, davon ist hier gar nicht die Rede, was nahelegt, dass diese Spiele eben direkt zur Stammspielerregelung zählen. Da die Begegnung der Villinger gegen Spielberg das einzige Villinger Oberligaspiel vor der Landesligabegegnung der zweiten Mannschaft mit der SG Dettingen-Dingelsdorf war, würde diese Lesart bedeuten, dass Yelken 100 Prozent der Spiele im fraglichen Zeitraum gemacht hat und damit eindeutig als Stammspieler zu betrachten ist.

FC 08 Villingen vergewisserte sich

Beim FC 08 Villingen aber ging man davon aus, dass auch hier wieder gilt, dass nach dem dritten Oberligaspiel, das nach der Freigabe des Spielers durchgeführt wurde, erst die Stammspielerregelung gelte. Zudem hatte man sich, wie 08-Geschäftsführer Mario Ketterer betont, im Vorfeld beim Verband erkundigt, ob Yelken schon als Stammspieler gelte. In erster Instanz wurde der Einspruch der SG Dettingen-Dingelsdorf vom zuständigen Sportrichter Jens Weimer abgewiesen. In der Begründung wird das Wort Stammspieler erläutert, das nach nur einem Spiel noch nicht wirklich Sinn mache – das hätte man gegebenfalls in der Spielordnung auch machen können, um bei den Vereinen Irritationen und Kosten zu vermeiden. Zudem erscheint offen, ob „sprachlicher Gebrauch“ einen juristischen Sachverhalt darstellt.

Kein Hinweis darauf, wer Auskunft gab

Interessant dabei: Ketterer äußert sich nicht darüber, wer vom Verband die Auskunft gegeben hatte. Gerüchte zu Folge soll dies Weimer selbst gewesen sein. Somit hätte er in dieser Sache gar nicht Recht sprechen dürfen, denn hier dürfte dann ja wohl Befangenheit vorliegen, eine neue Prüfung des Sachverhaltes aus neutraler Sicht dürfte kaum mehr möglich sein, denn es geht ja auch nach der Auskunft um die eigene Glaubwürdigkeit.

Ein anderer juristischer Ansatz zeigt auf, dass von Saisonbeginn bis zum Ende der Spielzeit die Möglichkeiten zum Austausch zwischen zwei Mannschaften immer mehr begrenzt werde. Daher würde es keinen Sinn machen, dass man hier wieder eine Situation wie zu Saisonbeginn schaffen sollte.

Die Einschränkung macht durchaus Sinn

Die Einschränkung zu Verpflichtungen nach dem 1. November macht durchaus Sinn, denn früher kamen „Wintertransfers“ selten auf mehr als 50 Prozent der Spieleinsätze, wurden daher unabhängig von ihrer Qualität nie Stammspieler und konnten daher stets in mehreren Mannschaften eines Vereins eingesetzt werden. Eine ganze Reihe von Landesligatrainer, so war stichprobenartig zu erfahren, verzichten nach einem Spiel eines Neuzugangs in der „Ersten“ auf Einsätze in der „Zweiten“, um eben nicht mit dem §11b, Absatz 6, in Konflikt zu kommen.

Warum nicht über Online-Spielberichtsbogen?

Bei Vereinsfunktionären wird in diesem Zusammenhang auch immer wieder kritisiert, dass solche Fälle nicht über den Online-Spielberichtsbogen erfasst werden. Programmiertechnisch dürfte sich der Aufwand in Grenzen halten, dies entsprechend umzusetzen. Allerdings: Da nahezu jeder Verband eine andere Stammspieler-Regelung hat, müsste dies für jeden Verband des DFB individuell angepasst werden. Oder aber, man schafft bundesweit eine einheitliche und übersichtliche Stammspieler-Regelung.

Aus der Spielordnung des SBFV

§ 11 b Spielberechtigung nach einem Einsatz in einer Spielklasse unterhalb der Regionalliga

1. Hat ein Spieler nach dem dritten Verbandsspiel der höheren Mannschaft zum jeweiligen Zeitpunkt an mehr als der Hälfte der bisher insgesamt ausgetragenen Verbandsspiele (ohne Verbandspokalspiele) im laufenden Spieljahr mitgewirkt, ist er Stammspieler der höheren Mannschaft.

(…)

6. Wird einem Spieler Spielrecht erst nach dem 1. 11. eines Spieljahres erteilt, so werden nur die ausgetragenen Verbandsspiele der höheren Mannschaft in Anrechnung gebracht, die nach Erteilung des Spielrechts stattgefunden haben.