Fußball: Die Berufung der SG Dettingen-Dingelsdorf gegen die Wertung des Landesligaspiels (am 16. März 2:3 in Villingen verloren) wurde abgelehnt, das erstinstanzliche Urteil bestätigt. Der
FC 08 Villingen II behält die Punkte und bleibt Tabellenführer.

Die Frage, ab wann Stammspieler

Villingen setzte den in der Winterpause verpflichteten Müslüm Yelken im ersten Oberligaspiel 2019 ein und danach in der Landesliga gegen Dettingen-Dingelsdorf. Paragraf 11b, Absatz 1 der Spielordnung besagt, dass ein Spieler nach dem dritten Spieltag als Stammspieler gilt, wenn er in mehr als der Hälfte der Spiele der höheren Mannschaft eingesetzt wurde. Und ein Stammspieler darf erst nach einer Pause in einer unteren Mannschaft eingesetzt werden. Da Neuzugänge in der Winterpause nie auf die Hälfte der Saisonspiele kommen, wurde der 11b um Absatz 6 ergänzt: „Wird einem Spieler Spielrecht erst nach dem 1. 11. eines Spieljahres erteilt, so werden nur die ausgetragenen Verbandsspiele der höheren Mannschaft in Anrechnung gebracht, die nach Erteilung des Spielrechts stattgefunden haben.“ Von einer neuen Drei-Spiele-Frist ist nicht ausdrücklich die Rede, weshalb die SG Dettingen-Dingelsdorf seit Jahren bei Einsätzen in der zweiten Mannschaft vom ersten Spiel nach der Winterpause rechnet – übrigens nahezu alle Landesligisten machen das.

FC Villingen bekam Grünes Licht

Der FC 08 Villingen hatte sich vorab bei einem Verbandsfunktionär erkundigt, ob ein Einsatz des Spielers möglich wäre und Grünes Licht bekommen. Wie zu erfahren war, kam die Info von Jens Weimer (Konstanz), auf dessen Tisch als Sportrichter der erstinstanzliche Einspruch landete, sodass eine Neubewertung kaum mehr möglich war. Die SG vermutete daher ein eher „diplomatisches“ Urteil, zumal der vergangene Spieltag die SG nahe an den Klassenerhalt brachte, der FC 08 signalisierte, auch vor ein ziviles Gericht zu ziehen.

Verständnis fürs Urteil hält sich in Grenzen

Beim Vorsitzenden der SG, Uwe Baumann, hält sich das Verständnis in Grenzen: „In der Begründung wurde eingeräumt, dass die Formulierung nicht eindeutig ist und die Gebühren wurden uns ja auch erlassen – da sieht man doch, dass sich die Richter selbst nicht sicher waren.“

Südbadischer Fußballverband in Zugzwang

Während das Urteil auf Unverständnis in der Fußballszene trifft, hier mit Blick auf den Verbandstag im Juli in Denzlingen der SBFV in Sachen umstrittene Stammspielerregelung im Zugzwang ist, bewertet der Konstanzer Rechtsanwalt Dr. Christian Krähe, Präsident der Deutschen Vereinigung für Sportrecht, aus einem neutralen Blickwinkel und sieht den entscheidenden Ansatz in der Formulierung „in Anrechnung gebracht“, weshalb der umstrittene Absatz 6 eben in Verbindung mit dem gesamten Paragrafen 11b zu lesen sei. Er kommt daher zum Fazit: „Ich halte also im Ergebnis die Entscheidungen der Verbandsgerichtsbarkeit für richtig“, er räumt aber ein: „Da es im vorliegenden Fall zu unterschiedlichen Auslegungsergebnissen gekommen ist, wäre es in der Tat empfehlenswert, diese Unklarheiten durch eine genauere Textfassung zu beseitigen.“