Als alles vorbei war, als sich in den Gesichtern der Konstanzer Handballer gleichermaßen die Anstrengung des intensiven 60-minütigen Kampfes und die Enttäuschung über das Resultat widerspiegelte, da musste Daniel Eblen im kleinen Presseraum der Eisenacher Werner-Aßmann-Halle ans Mikrofon, um seine Sicht der Dinge mitzuteilen.

"Wir sind von Beginn an hinterher gelaufen"

Zwei Erkenntnisse bewegten den Trainer der HSG Konstanz. Erstens: Der schwache Start mit einem schnellen 0:3. „Ich sage nicht, dass die ersten fünf Minuten entscheidend waren, aber wir sind eben von Beginn an hinterher gelaufen.“ Zweitens: die unglücklich verlaufenen letzten 90 Sekunden. „Wenn unser Siebenmeter reingeht, sind wir auf vier Tore dran. Und der letzte Eisenacher Versuch aus 13 Metern darf einfach nicht durchkommen.“ In zwei Sätzen hatte Eblen wesentliche Umstände zusammengefasst, die zur Fünf-Tore-Niederlage führten. Aber genau so ist Handball – ein Spiel kann 50, 52, 54 Minuten ein Hin und Her auf Augenhöhe sein, und dann führen einige wenige Aktionen und Situationen zu einem Ergebnis, das eine ganz andere Sprache spricht.

Eisenachs Trainer hatte genau das im Vorfeld angesprochen. Sead Hasanefendic, der inzwischen 70-jährige Handball-Gelehrte aus Novi Sad, der viele Klubs und viele Nationalmannschaften geführt hat, war mit dem Resultat zufrieden – weil alles, was hätte schiefgehen können, nicht eingetreten war. Sein Ausblick war der folgende gewesen: „In Relegationsspielen kommt es besonders darauf an: Wie läuft die Anfangsphase, wie kommen wir ins Spiel? Unterlaufen uns technische Fehler, die der Kontrahent zu Tempogegenstößen nutzt? Versenken wir die Bälle? Gelingen unseren Torhütern Paraden?“

Die Antworten nach dem Spiel: Eisenach kam prächtig in die Partie, hatte schnell einen Drei-, bald einen Fünf-Tore-Vorsprung. Weil nicht die Thüringer, sondern die Konstanzer Fehler produzierten. Weil ThSV-Torhüter Stanislaw Gorobtschuk einige Male glänzte. Weil der unwiderstehliche Daniel Luther in der ersten Hälfte aus acht Würfen sieben Tore machte – übrigens auf ganz andere Weise, als von den Konstanzern erwartet. Daniel Eblen: „In den Videos, die wir uns angeschaut haben, hat er fast immer flach geworfen und heute alle hoch.“

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Konstanzer Handballer unter Druck

Der Umkehrschluss: Die Konstanzer Handballer standen sofort unter Druck, ihnen unterliefen Fehlwürfe und Ballverluste, und Torhüter Simon Tölke, zuletzt mit überragenden Werten, fand auch nicht zur gewohnten Form. „Es war allerdings auch schwer für ihn“, brach Eblen eine Lanze für seinen Keeper, „die Eisenacher sind ja oft eins zu eins durchgegangen und haben vom Kreis aus geworfen.“

Eines freilich muss man den Jungs um die Kapitäne Tim Jud und Tom Wolf zugutehalten. Aufgeben kam nicht infrage, weshalb die zweite Halbzeit auch zu einer völlig ausgeglichenen Angelegenheit wurde, eigentlich sogar mit Vorteilen für die Handballer vom Bodensee. In 6:4-Überzahl brachten Matthias Hild und Tom Wolf innerhalb von zweieinhalb Minuten die HSG vom 15:10-Halbzeitstand auf 15:13 heran. Über 18:14 und 20:16 für den Ost-Meister gestalteten die Konstanzer die Partie immer offener. Nach 44 Minuten hieß es nur noch 20:18, danach 21:19, 22:20. Der Anschlusstreffer schien in dieser Phase nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Doch es kam anders. Fabian Schlaich und Tom Wolf scheiterten an Gorobtschuk, Wolf und Paul Kaletsch unterliefen Fehlpässe, schon führte Eisenach wieder deutlich mit 25:20. Der Rest war ein dramatischer Schlagabtausch, in dem die HSG noch mal auf drei Tore verkürzte (27:24) – ehe die von Eblen angesprochenen Schlussminuten danebengingen. Beim Stand von 29:25 gab es den fünften Siebenmeter für Konstanz, alle vier zuvor hatte Kaletsch souverän verwandelt. Doch jetzt musste er passen, „weil der Paul einen Schlag abgekriegt hatte und keine Luft bekam“ (Eblen). So nahm sich Tom Wolf den Ball – und setzte ihn per Aufsetzer an die Latte. Zwei Sekunden vor Schluss bretterte Yoav Lumbroso den Ball aus zehn, elf Metern an Wolf und Torwart Tölke vorbei unter die Latte – hey, der Israeli ist gerade mal 1,72 Meter groß und warf praktisch aus dem Stand. Keine Frage, da hätten Wolfs und/oder Tölkes Arme oben sein müssen.

30:25 für den ThSV Eisenach also. Am Samstag (20 Uhr) steigt in Konstanz das Rückspiel. 2986 Zuschauer wie in Eisenach werden es nicht sein, aber die Schänzlehalle wird, wie Daniel Eblen bei der Pressekonferenz für Erheiterung sorgte, „auf jeden Fall bumsvoll sein“. Vor 1800 Fans, darunter dann etwa 200 aus Thüringen, wollen die HSG-Spieler den Spieß noch umdrehen. Das ist möglich – wenn die Konstanzer denn gut reinkommen ins Spiel…

HSG Konstanz: Tölke (4 Paraden), M. Wolf (7 Paraden) – Stotz, Schlaich (2), Hild (3), T. Wolf (4), Wiederstein (2), Kaletsch (7/4), Krüger (2), Maier-Hasselmann, Braun (4), Jud (1), Keupp, Wendel, Volz, S. Löffler. – Zuschauer: 2986.