Er ist eine der anspruchsvollsten Disziplinen in der Leichtathletik und nicht ohne Grund bei den Zehnkämpfern schon fast gefürchtet: der Stabhochsprung. „Geradeaus laufen kann ja jeder!“, klingt es oft ein wenig spöttisch bei den „Königinnen und Königen der Lüfte“. Und betrachtet man diese komplexe Disziplin genauer, so ist es fast schon eine Mischung aus Turnen und Leichtathletik.

Denn auf der einen Seite gilt es innerhalb von Sekundenbruchteilen einen sehr komplexen Ablauf möglichst fehlerfrei abzuspulen, auf der anderen Seite geht es darum, mit Hilfe eines biegsamen Glasfiberstabens (es wird auch GFK und Karbon verwendet) das eigene Körpergewicht auf eine Höhe von über 4 Metern bei den Frauen und über 5 Meter bei den Männern zu katapultieren, ganz nach den Gesetzen der Physik eine horizontale Geschwindigkeit in Höhe umzusetzen.

Alle zwei Jahre trifft sich die regionale Elite, aber auch ein Großteil der deutschen Spitze, beim nationalen Engener Stabhochsprungmeeting, das am Sonntag nun schon zum achten Male stattfand.

Und Lokalmatadorin Luzia Herzig, mit übersprungenen 3,95 Meter immerhin Schweizer U20-Meisterin 2017, demonstriert im Folgenden, worum es beim Stabhochsprung geht. 

 

Phase 1 

Zunächst geht es darum, den Stab am idealen Griffpunkt, der in der Feinschliffarbeit im Training festgelegt und am Stab markiert wird, zu greifen. Die zweite Hand greift eine Unterarmlänge unterhalb.

Danach geht es in den mentalen Teil der Vorbereitung, „in den Tunnel“ zu kommen, denn wenn man einmal zum Anlauf startet, dann muss jede Bewegung sitzen, dann ist zum Nachdenken keine Zeit mehr.

 

Phase 2 

Der Anlauf – nun geht es darum, mit etwa 20 Schritten ein möglichst hohes Tempo zu erreichen und den Stab, der beim Start noch senkrecht getragen wird, dabei ohne Tempoverlust in die Waagerechte zu bringen.

 

Phase 3 

Die Einstichphase. Nun gilt es, das Ende des Stabes präzise in den Einstichkasten unterhalb der Latte zu platzieren und dabei die Arme über den Kopf zu bringen.

Luzia Herzig ist eine Könnerin ihres Fachs und zeigt uns die Kniffe des Stabhochsprungs.
Luzia Herzig ist eine Könnerin ihres Fachs und zeigt uns die Kniffe des Stabhochsprungs.

 

Phase 4 

Die Absprungphase. Im Moment des Absprungs muss der Absprungpunkt möglichst präzise unter der Griffhand sein, um möglichst viel der Anlaufenergie nun auf den Stab übertragen zu können.

 

Phase 5 

Das Aufrollen. In der Anfangsphase der Aufwärtsbewegung wird der Körper eingerollt und in eine „Kopf unten-Position“ gebracht, um in der dann folgenden Bewegung durch dynamische Streckung mehr Dynamik nach oben entwickeln zu können.

 

Phase 6 

Der Drehumstütz. Der Spinger/ die Springerin dreht sich um die eigene Körperachse. Der Körper selbst wird dabei aus eine L-artigen Position in eine J- und dann eine I-Position, also eine Streckung gebracht.

 

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Phase 7 

Abstoß und Überquerung der Latte. Nun geht es darum, sich vom Stab abzustoßen und zugleich die Latte zu überqueren. Bei Sprunghöhen, die unterhalb der Stablänge liegen, geht es dabei auch darum, den Stab so abzustoßen, dass er nicht die Latte mitreißt.

 

Video: Jürgen Rössler

 

 

Phase 8 

Die Landung. Bei einem korrekten Sprungverlauf landet man auf dem Rücken auf der Matte. Der ganze Ablauf vom Start bis zur Landung dauert nur etwa sechs Sekunden.

 

 

Am Sonntag stellte Luzia Herzig ihre persönliche Bestleitung auf und knackte dabei genau die 4 Meter-Grenze. Schon während des Fluges wurde ihr ihre Leistung bewusst und sie konnte jubeln.

Mit neuem Stadionrekord von 4,45 Meter siegte in einem starken Feld Anjuli Knäsche von der SG TSV Kronshagen/Kieler TB.

 

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Bei den Herren dominierte wieder einmal der Olympiateilnehmer von Rio und Titelverteidiger Tobias Scherbarth, der zum Sieg nur zwei Sprünge benötigte und danach auch noch 5,42 Meter überquerte.