Volleyball, 3. Bundesliga-Finalspiel

VfB Friedrichshafen

Berlin RV

3:1

Der VfB Friedrichshafen ist wieder zurück im Geschäft, nachdem er am Mittwochabend das dritte von maximal fünf Spielen um die Deutsche Meisterschaft 25:23, 25:16, 22:25 und 25:23 gewonnen hat. Mit dem Rücken zur Wand, da Friedrichshafen die ersten beiden Duelle gegen den Titelverteidiger verloren hatte, fanden die Spieler zurück zu alter Stärke, bewies Trainer Vital Heynen mit seiner Aufstellung Mut. Nicht mit Kapitän Simon Tischer und Bartlomiej Boladz trat der Belgier an. Er vertraute Tomas Kocian (Zuspiel), Daniel Malescha (Diagonal), Athanasios Protopsaltis, Daniel Sossenheimer (beide Annahme und Außenangriff), Jakob Günthör und Phil Collin in der Mitte sowie Libero Markus Steuerwald.

Aber die schienen vor enttäuschender Kulisse – nur 1991 Fans waren in der ZF-Arena – nahtlos an die vorangegangenen Partien anzuknüpfen. Erst mit dem 5:6 gelang Malescha der erste direkte Punktgewinn, zuvor hatte die VfB-Angreifer mehr als einen Versuch benötigt. „Oh wie schön, so was hat man lange nicht gesehen“, besangen die Zuschauer die erste Friedrichshafener Führung (7:6). Und die Blau-Weißen ließen sich beim 7;8, 16:14, 19:19 und 23:21 nicht beirren, steigerten sich enorm, gewannen vor allem die meisten längeren Ballwechsel. „Da war viel Energie drin“, freute sich Tischer über „viel Kampfgeist und eine ganz andere Körpersprache“. Kocian und Malescha trugen dabei die Hauptlast. „Wir haben in Berlin auch mal gewechselt“, sagt der Diagonalangreifer, der „seit Wochen sehr gut drauf ist“ (Heynen). Dort hatte der Doppelwechsel nicht zum Sieg verholfen, am Mittwochabend „funktionierte er gut“ (Malescha). Obwohl der VfB im dritten Durchgang die Berliner zurück ins Spiel gebracht hatte.

Die Gäste witterten unerwartet Morgenluft, und es wurde hitzig auf dem Spielfeld. Unter anderem trug Pierre Pujol, französischer Zuspieler des BRV, mit seinen Mätzchen dazu bei. Nur durchs weitmaschige Netz von Tischer getrennt, standen sich die beiden Zuspieler Nase an Nase in hitziger Diskussion gegenüber.

Ein Schmetterball von Kyle Russel goss Öl ins Feuer: Den sah der 1. Schiedsrichter zunächst im Aus. Nach heftigen Berliner Protesten entschied er sich um – für einen VfB-Tusch und Punkt für den BRV (22:18). Plötzlich wurde eine eigentlich entschiedene Partie eng, aus vier Punkten Vorsprung ratz-fatz nur noch einer (23:22). Würden die Berliner die Partie im letzten Moment drehen?

Nein. Weil der VfB nicht nur in dieser höchst prekären Situation „eine gute Einstellung gefunden“ (Heynen), Berlin „mal gut und mal schlecht“ (Trainer Stelian Moculescu) gespielt hat, „wir endlich die meisten langen Ballwechsel gewannen“ (Tischer), vermasselte Friedrichshafen dem BRV die vorzeitige Meisterfeier.

„Berlin hat die vergangenen drei Partien besser gespielt als in den Wochen zuvor“, lobt Tischer einen Gegner, der den VfB mit unerwarteter Power und Präzision überraschte. „Aber wir haben heute gezeigt“, dass wir auch diese Berliner Mannschaft schlagen können.“ Und so ist nicht nur der Friedrichshafener Kapitän überzeugt, am Sonntag ab 15 Uhr einen nachdenklich gewordenen Titelverteidiger erneut zu besiegen. Gelingt das, wird erst am Mittwoch darauf die Meisterschaft entschieden. Zu Hause am Bodensee, in einer hoffentlich ausverkauften ZF-Arena winkt der erste Meistertitel nach der Ära Stelian Moculescu.