Fußball: „Unglaublich, das hätte ich nie gedacht, dass das so eine Erfolgsgeschichte werden könnte“ – es war der letzte Satz von Gino Radice in einem Gespräch, in dem der Fußballtrainer einen entspannten, emotionalen und sehr zufriedenen Eindruck machte.

14 Jahre lang als Chef an der Seitenlinie

In der Saison 2005/06 hatte Gino Radice die Frauenmannschaft des Hegauer FV – damals in der Oberliga – übernommen. 14 Jahre lang stand er als Chef an der Seitenlinie – mit kleineren Tiefen, aber vor allem vielen Höhepunkten. „Das erste Mal im DFB-Pokal als Oberligist gegen den Karlsruher SC oder das DFB-Pokalspiel gegen den FFC Frankfurt vor mehr als 1000 Zuschauern“, erinnert er sich an zwei seiner größten Highlights und fügt an: „Aber auch genauso die erste Meisterschaft war der Wahnsinn. Das war damals eigentlich unerreichbar für uns. Wir als kleiner Hegauer FV waren am Ende vor der TSG Hoffenheim II, das war eine riesige Sache“, blickt der bestens gelaunte Coach zurück. Nur eines blieb ihm in den 14 Jahren verwehrt: „Wir haben im DFB-Pokal immer gehofft, auf Bayern München zu treffen, das hat nicht geklappt“, erzählt er verschmitzt.

Der zwölfte Pokalsieg der letzte Höhepunkt

Den letzten Höhepunkt feierte er mit seiner Mannschaft just am Montag – in seiner letzten Partie als Coach der Hegauer Frauen. Zum zwölften Mal gewannen die Regionalliga-Fußballerinnen den Verbandspokal und erreichten damit neben dem Klassenerhalt auch das zweite Saisonziel. „Das war für mich sehr emotional. Da ist natürlich auch so manches Tränchen vergossen worden“, sagt Radice gerührt. In T-Shirts mit der Aufschrift „Danke für 14 Jahre“ posierten seine Spielerinnen auf dem Siegerbild.

Radice zieht den Schlussstrich

Nach 14 Jahren beim HFV ist für den Mittfünfziger nun Schluss. „Ich habe Michael Rösch, den Sportlichen Leiter des Hegauer FV, im Laufe der Rückrunde informiert, dass ich als Trainer aufhöre. Der Mannschaft habe ich es erst vor kurzem gesagt. Ich wollte, dass der Fokus voll auf dem Klassenerhalt ist“, erzählt der 1963 in Engen geborene Familienvater und fügt hinzu: „Das war für mich nicht einfach. Mit Michael habe ich auch privat ein mehr als gutes Verhältnis.“ Dennoch entschloss sich Radice, einen Schlussstrich zu ziehen. „Ich habe die vergangenen Jahre schon öfter mal überlegt, wann der richtige Zeitpunkt ist. Der Kopf hat entschieden, nicht der Bauch. Ich glaube, für die Mädels ist es gut, mal ein anderes Training und eine andere Ansprache zu erleben.“ Als Fan will er den Kontakt zur Mannschaft halten. „Meine Tochter Luisa spielt ja weiterhin im Team. Wenn ich Zeit habe, schaue ich die Spiele auf jeden Fall an.“

Eine Männermannschaft die neue Herausforderung

Zeit wird er nicht immer haben. Der Fußball-Fanatiker (im positiven Sinne) hat, seit er 18 ist hat er noch keine Pause vom Fußball gemacht, eine neue Herausforderung gefunden – in der neuen Saison als Cheftrainer der Herrenmannschaft der FSG Zizenhausen/Hindelwangen/Hoppetenzell (Kreisliga A). „Ich bin sehr gespannt auf die neue Aufgabe und freue mich schon drauf. Ich hatte sehr gute Gespräche mit dem Verein und habe mir gegen Ende der Rückrunde schon Spiele angeschaut.“

Radice muss sich umgewöhnen

Herren- und Frauenfußball vergleichen, das möchte er nicht: „Das geht meiner Meinung nach einfach nicht.“ Dennoch wird sich der neue Männercoach Radice umgewöhnen müssen: „Ich hoffe, dass mir kein ‚Hey Mädels!‘ herausrutscht“, sagt er und schmunzelt dabei. Bevor aber die neue Herausforderung beginnt, ist erst mal Urlaub angesagt. „Sie werden lachen“, erzählt er, „ich habe die vergangenen Jahre keinen Urlaub gemacht.“ Nach neun Jahren fahren die Radices wieder mal ans Meer nach Italien.