Herr Eblen, aus Erfahrungen lernt man. Verraten Sie den Trick, bei der Aufstiegsfeier trocken nach Hause zu kommen?

(lacht) Bei der Meisterfeier habe ich noch richtig kassiert und die Bierduschen haben mich mehrmals getroffen. Bei der Aufstiegsfeier bin ich darum herum gekommen. Ich habe einfach meinen kleinen Sohn auf den Arm genommen. Vielleicht eine unfaire Aktion von mir. (grinst)

Die Saison war sehr intensiv. Konnten Sie sie schon etwas verarbeiten?

Nicht so wirklich. Abseits des Handballes hat man andere Sachen im Kopf. Wenn der Fokus wieder Richtung Handball geht, realisiert man wahrscheinlich erst so richtig, was passiert ist und was auf einen zukommen wird. Das benötigt sicher noch etwas Zeit.

Weil der Aufstieg mit seiner Berg- und Talfahrt und der Relegation noch emotionaler, noch intensiver als 2016 war?

Die Relegation hat sehr viel Energie benötigt. 2016 wurden wir unter der Woche Meister. Damals ist nicht alles so auf eine Klippe zugesteuert wie nun. Das war hopp oder topp, das hat so viel Kraft gekostet, weil es nur eine Konstellation gab: Alles oder nichts. So ist am Ende noch mehr von uns abgefallen. In seinem Trainerdasein entwickelt man sich. Zu Beginn war ich ein äußert emotionaler Typ. Bald analysierte ich, was mir dadurch durch die Hände geglitten ist. Die Emotionen überlasse ich ein bisschen dem Team. Man ist immer auch Vorbild. Seitdem freue ich mich eher heimlich im Keller.

Hatten Sie Zeit, in den Keller zu gehen?

(lacht) Auf jeden Fall. Die Anstrengung ist sofort abgefallen, in Verbindung mit der Freude, dass es geklappt hat. Das ist schon eine tolle Geschichte und ein tolles Gefühl. Daheim mit der Familie war die Freude groß, aber man hat auch gemerkt, wie intensiv die Saison war. Wir sind froh, dass wir es geschafft haben.

Wie fällt Ihr Fazit aus?

Man sieht, mit wie viel Teamgeist, Emotionen und Zusammenhalt die Jungs spielen. Das ist nichts, was dir draußen irgendwo in Säcke fällt, das benötigt manchmal etwas Anlauf, muss man sich zulegen, auf neue Situationen einstellen und verändern. Die neue Aufgabe 3. Liga war am Anfang schwierig. Die Umstellung hat etwas gedauert, in der Relegation kam wieder völlig Neues auf uns zu. Man muss aber auch einfach sagen, dass Eisenach ein Brett war. Wir hingegen haben in diesen Duellen leider nie am Optimum gespielt. Wir sind keine Mannschaft, die Spiele am Reißbrett gewinnen kann. Wir brauchen die Emotionen und die Abwehr.

Warum ist es gegen Eisenach und in der ersten Halbzeit in Rostock nicht gelungen, die Leistung abzurufen?

Die geschilderten Punkte mussten umgestellt und neu entwickelt werden. Dies hat gegen starke Eisenacher gedauert. Wobei man sagen muss, dass es auch bei 100 Prozent trotzdem schwer geworden wäre. Die erste Halbzeit in Rostock ist selbst jetzt noch schwer zu erklären. Es hat von vorne bis hinten wenig zusammengepasst. Aber im Gegensatz zu den Jahren zuvor haben wir in der Halbzeit den Schalter umlegen können. Dass wir aus dieser Situation herausgekommen sind, war extrem wichtig. Es ist sehr erfreulich, wie sich die Jungs in diesem Punkt entwickelt haben. Das war ganz wichtig. Für die, die in der ersten Halbzeit Mist gespielt hatten, und jene, die die Felle schon davon schwimmen sahen. Mit der Aufholjagd sind wir mit ganz viel Energie ins Finale vor unseren Fans gestartet.

Haben Sie eine solche Entwicklung für möglich gehalten?

Als Mannschaft, die vom Kollektiv lebt, kann man sich am Saisonbeginn schwer tun. Es kam Kritik von einigen Lautsprechern auf. Das war nicht so einfach und hat den Jungs sicher nicht geholfen. Wir sind zusammengerückt, haben erkannt, wer es gut mit uns meint und sind zusammengestanden. Wir haben das gemacht, was wir können: Jeden Tag an uns arbeiten. Der große Rückhalt unserer Fans war dabei ein Punkt, daheim und auswärts. Die Stimmung war unglaublich, so etwas wie bei den beiden Finalspielen in Konstanz habe ich noch nicht erlebt. Das Feedback auf der Straße und in persönlichen Nachrichten war so positiv, dass man sich riesig gefreut hat. Es wurde klar, dass richtig eingeschätzt wird, was wir leisten.

Als Lohn gehört die HSG Konstanz zu den besten 36 deutschen Teams.

Nur noch 36 in den beiden Bundesligen, mit Gummersbach, Essen, Hamburg, Bietigheim, Coburg und weiteren viele ambitionierte Ex-Erstligisten – darauf haben wir richtig Lust. Für uns ist es toll, gegen diese Mannschaften antreten zu dürfen. Darauf freuen wir uns.

Der HSG steht eine schwere Saison in der 2. Bundesliga bevor.

Wir haben noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Man muss zwar nur noch drei Teams hinter sich lassen, wenn man jedoch betrachtet, mit wem wir uns messen, ist klar, uns erwartet eine große Herausforderung. Tief durchatmen und sagen: Alles klar, das Ziel ist der Klassenerhalt. Dafür werden wir alles tun. Einfordern lässt er sich nicht.

Fragen: Andreas Joas