Am letzten Spieltag erst hat der TSV Mimmenhausen den Klassenerhalt in der 2. Volleyball-Bundesliga perfekt gemacht. Spielertrainer Christian Pampel, zum „Wertvollsten Spieler“ der Liga gewählt, über einen bemerkenswerten Aufsteiger und dessen Zukunft.

Als international erfolgreicher Volleyballer haben Sie Meisterschaften in Europa und Asien, mit der Nationalmannschaft große Erfolge gefeiert. Kann man den Klassenerhalt in der 2. Liga damit vergleichen?

Darüber kann man sich genauso freuen. Denn die Aufgabe, die zu Saisonbeginn einem gestellt worden ist, ist gelöst worden. Das ist wie bei einem Kartenspiel. Du bekommst Karten ausgeteilt, und mit denen musst du etwas erreichen. Und dann denkst du zuerst: Hui, das wird schwierig! Und dann überlegt man sich was, macht und tut, arbeitet, versucht und kämpft und dann kommen noch Querschläge zwischenrein, und wenn man es dann trotz aller Schwierigkeiten geschafft hat – dann ist das doch egal, ob das in Italien oder Deutschland, oder eben in der 2. Liga geglückt ist. Deswegen freue ich mich über das, was wir als Mannschaft geschafft haben, genauso sehr wie über meine Erfolge als Einzelspieler. Vielleicht sogar mehr noch als über die eine oder andere Meisterschaft, die von uns erwartet worden ist.

Der Erfolg ist Ihnen mit Spielern geglückt, die nicht von vornherein als zweitligatauglich eingestuft werden konnten.

Die Spieler haben Zweitliganiveau bewiesen. Wir haben, da denkt der Verein, glaube ich, wie ich, unsere goldene Ecke gefunden, und die versuchen wir jetzt zu verteidigen. Im Amateurbereich, 2. Liga, da versuchen wir etwas aufzubauen, für länger als nur einen Augenblick.

Das macht also doppelt stolz, mit reinrassigen Amateuren in einem teilweise sehr professionellen Umfeld den Klassenerhalt zu packen.

Ja, absolut. Wenn man sich anschaut, dass einige Konkurrenten echte Profivereine sind.

Wer sind die denn?

Unterhaching, zum Beispiel, hat einige Profis in der Bundesliga-Reservemannschaft. Gotha hat Profis, Eltmann so oder so. Die steigen ja in die Bundesliga auf. Schwaig ist auch international bestückt. Hammelburg hat noch nachgekauft. Da passt es, dass wir mit den Spielern hier unten am Bodensee, das sind gute Spieler, echt etwas machen konnten. Was ich besonders gut finde, ist, wenn man sich den Saisonverlauf anschaut, war ich die erste Saisonhälfte sehr dominant auf dem Spielfeld. Nach hinten hinaus ist das deutlich abgekippt. Jonas Hoffmann, zum Beispiel, hat sehr viel Last und Verantwortung abgenommen. Alexander Ott hat nach seiner Verletzung wieder zurückgefunden. Nicht nur bei ihnen waren Entwicklungsschritte zu beobachten. Das ist ja, was ich anfangs der Saison immer wieder gesagt habe: Sekundär war wichtig, die Liga zu halten. Primär ging es darum, die Mimmenhauser Spieler weiter zu entwickeln. Und da kann ich sagen, als Mannschaft und individuell haben wir uns wirklich verbessert. Das macht als Trainer natürlich besonders stolz und zufrieden.

Dennoch froh, dass die Saison jetzt zu Ende ist?

(lacht) Von mir aus hätte die Saison auch zwei Wochen kürzer sein können. Aber nicht nur ich, auch die Spieler brauchen jetzt echt eine Pause. Die zweite Liga dauert ja länger als die dritte. Und die Umstände – mit einem 3:1 im letzten Spiel wären wir Sechster geworden, verlieren wir aber in Rüsselsheim und haben ein wenig Pech, steigen wir sogar ab -, haben das Ganze noch angespannter und vom ersten Spiel an fordernd gemacht. Das lässt einen während der Saison ja gar nicht mehr los.

Dazu kommt, dass Sie im Vergleich zur Konkurrenz viele Nachteile hatten. Die Mannschaft hat sich nach dem Aufstieg nicht verstärken können, dazu kam noch ein unglaubliches Verletzungspech.

Das hat mir Kopfschmerzen gebracht (lacht). Wir wussten ja von Anfang an, dass Ott eine OP braucht, aber da dachten wir, wir haben ja noch zwei Annahmespieler und Außenangreifer. Dann fiel Michael Kasprzak verletzt aus. Da gab es die Überlegung, sich auf dem Markt umzuschauen. Aber das Problem war, jemanden zu finden. Da gibt es zwar ein paar Profis, die sich speziell für so eine Anfrage bereithalten. Aber die kosten richtig Geld. Denen Geld zu bezahlen, unseren guten Spielern aber keines, hätte zu einem riesigen Problem werden können. Deswegen haben wir uns dagegen entschieden. Und ich hatte ja trotz allem immer das Gefühl, wir sind auf dem richtigen Weg, dass wir das aus eigener Kraft schaffen können. Das macht mich als Trainer schon ein wenig stolz.

Welchen Vorteil hatte dann der TSV im Vergleich zur Konkurrenz?

Unter anderem, das hat man in der riesigen Menge an Fünfsatzsiegen (von elf Tiebreaks, sieben gewonnen, Anm. d. Red.) gesehen, sind wir als Mannschaft nicht schlecht gewesen. Zwar nicht konstant, haben aber nie aufgegeben. Trotz der Schwächephasen. Wir haben uns nie beeindrucken lassen. Einfach immer weiter gemacht. Wir sind zusammengewachsen. Da hat keiner die Schuld beim anderen gesucht. Gerade die Diwersy-Brüder, die eine unglaubliche Harmonie reingebracht haben, wenn es nicht so lief alle angestachelt haben.

Woran muss der TSV im Hinblick auf die nächste Saison arbeiten?

Weiterarbeiten, den Erfahrungsschatz dieser Saison nutzen.

Sie haben aber viel zu wenig Trainingszeiten im Vergleich zur Konkurrenz. Hat da der Klassenerhalt für Nach- oder Umdenken gesorgt?

Ich sage das ja immer wieder: Du spielst, was du trainierst. Wer mehr trainiert, wird besser, und wer besser trainiert, spielt besser. Das ist ein lineares Verhältnis. Aber da müssen wir uns den Gegebenheiten anpassen. Hallenzeiten fallen nicht vom Apfelbaum.

Tobias Diwersy und Kolja Hüther verlassen die Mannschaft.

Ja, und hinter Thomas Wolters steht noch ein ganz großes Fragezeichen. Lenny Diwersy kommt von Berlin zurück, macht seine Mastersarbeit am See. Alle anderen Spieler bleiben. Das haben wir schon früh geklärt, sodass wir planen können.

Und Sie? Sie werden 40 Jahre alt, stellen Sie sich auf eine weitere komplette Saison als Diagonalangreifer ein?

Ich werde das machen, was die Mannschaft braucht. Das hängt auch davon ab, was wir noch an Neuzugängen haben werden.

Gibt es schon welche?

Wir haben eine mündliche Zusage von einem Mittelblocker. Wir sind noch auf der Suche nach einem zweiten Diagonalangreifer, oder einem weiteren Außen-Annahme.

Die Weichen sind gestellt für die zweite Zweitliga-Saison.

Die sind gestellt, das meiste ist ja schon geklärt. Vergangenes Jahr mussten wir einen riesigen Berg abarbeiten. Da war ja noch vieles Neuland. Aber das hat sich ja gut eingespielt, die Saison lief ja nicht nur sportlich super. Echt fantastisch, was da an Arbeit im Hintergrund geleistet worden ist. Dass alles so reibungslos funktioniert hat, dafür bin ich unglaublich dankbar. Ich musste mich fast nur ums Sportliche kümmern.

Fragen Hermann Hummler