Frau Forster, wurden Sie von der Nominierung für die Paralympics überrascht oder hatten Sie die Teilnahme schon fest eingeplant?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich schon damit gerechnet. Ich habe schließlich daraufhin gearbeitet und extra ein Urlaubsemester genommen. Als die Nominierung bekannt gegeben wurde, ist mir aber schon ein Stein vom Herzen gefallen. Das war eine riesige Erleichterung für mich.

Das sind nach Sotschi bereits ihre zweiten Paralympics. Gehen Sie nach Ihren Erfahrungen 2014 anders an diese Spiele heran?

Ein bisschen anders ist es schon. Als ich für Sotschi nominiert wurde, war das Neuland für mich nach dem Motto "Cool, ich bin dabei, schauen wir mal, was dabei herauskommt". Jetzt ist die Erwartungshaltung natürlich viel größer als damals, die eigene und auch im Umfeld.

Bedeutet das auch Druck für Sie?

Ja, schon ein bisschen. Mit dem kann ich aber umgehen. Ich versuche den Druck positiv umzuwandeln, um dann auf der Piste mein Bestes zu geben.

2014 haben Sie als Neuling drei Medaillen, zweimal Silber und einmal Bronze, gewonnen. Ist das für Sie zu toppen?

Dass ich bei meinem Paralympics-Debüt gleich drei Medaillen holen würde, hatte niemand auf der Rechnung. Das zu wiederholen, ist ein hoch gestecktes Ziel. Wenn aber alles passt, kann ich das wieder erreichen – oder sogar toppen.

Ihre schärfste Widersacherin ist eine deutsche Teamkollegin: Anna Schaffelhuber aus München, die in Sotschi fünf Mal Gold geholt hat. Eine übermächtige Gegnerin oder gibt es für Sie in Pyeongchang einen Weg an ihr vorbei?

Anna ist natürlich auch in Südkorea die große Favoritin. Aber ich habe sie im Weltcup im Slalom bereits geschlagen. Möglich ist es also, ich hoffe halt, dass ich in Pyeongchang meine Weltcup-Leistungen bestätigen kann. Dann ist alles drin.

Also auch Gold?

Eine Goldmedaille bei den Paralympics ist ein riesiger Traum für mich. Aber es gibt ja nicht nur Anna Schaffelhuber, auch andere Nationen haben aufgeholt. Unser Sport wird immer professioneller, was natürlich zu einem größeren Konkurrenzkampf führt. Ich fühle mich aber gut und werde alles geben, dass Gold kein Traum bleibt.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Anna Schaffelhuber? Ist es schwierig, wenn die größte Rivalin im eigenen Team ist?

Wir versuchen, die Rivalität ausschließlich auf der Piste auszuleben. Und das funktioniert ganz gut. Wir sind den ganzen Winter zusammen auf der Piste und trainieren gemeinsam. Das verbindet. Trotz aller Konkurrenz sind wir Freundinnen.

Fragen: Markus Waibel

Zur Person

Anna-Lena Forster wurde 1995 in Singen geboren. Ihr rechtes Bein fehlt, der linke Oberschenkel ist verkürzt. Mit sechs Jahren begann sie mit dem alpinen Wintersport. Bei den Winter-Paralympics 2014 in Sotschi gewann Forster mit dem Monoski Silber im Slalom und in der Super-Kombination und eine Bronzemedaille im Riesenslalom. In Pyeongchang gehört die Stahringerin zum 19-köpfigen Aufgebot des deutschen Paralympics-Team. Forster studiert Psychologie in Freiburg. (mex)