Fußball: Während in der Clubheim-Küche das Rindsgulasch unwiderstehlich duftend vor sich hin simmert und Koch Klaus Bossart sich nach der langen Vorbereitung ganz entspannt ein gepflegtes Schwarzwald-Pils gönnt, ist auf dem Fußballplatz nebenan Hochbetrieb. Brot und Spiele lautet das Motto bei der SG Dettingen-Dingelsdorf. Bevor die Fußballer allerdings in den Genuss von „Gulasch à la Klaus“ kommen, müssen sie zuerst Taktik, Technik und Tempo trainieren, um fit für die Rückrunde in der Fußball-Landesliga zu sein. Anschwitzen ist angesagt – nach den Zwiebeln nun auch für die Spieler.

Klaus Bossart kümmert sich um das leibliche Wohl der SG-Fußballer. Während der Saison steht der Pensionär jeden Donnerstag beim Abschlusstraining und manchmal auch samstags in der Vorbereitungsphase in der engen Küche des Clubheims und sorgt dafür, dass die „Jungs was Leckeres auf den Teller bekommen“. Ein Ehrenamt, das direkt den Spielern zugute kommt. „Wenn der Verein schon keine Prämien zahlen kann, müssen wir den Spielern halt was anderes bieten“, sagt Bossart.

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Wie bei Muttern muss es schmecken

Hausmannskost, gerne deftig und herzhaft, das ist sein Ding. „Wir haben viele Studenten im Team. Und die freuen sich riesig, wenn sie was bekommen, was wie bei der Mama daheim schmeckt“, erklärt der 64-Jährige. Dass der gemütliche Dettinger kein Freund der Low-Carb-Bewegung oder entbehrungsreicher Diäten ist, kann er schwerlich verleugnen. „Fleisch ist halt mein Gemüse. Ich fühle mich wohl mit meinem Gewicht“, sagt Bossart und streicht sich fast liebevoll über den Bauch. „Und wenn ich den Jungs Sojaschnitzel oder Tofu servieren würde, müsste ich es wohl selber essen“, glaubt Bossart und schmunzelt. Wenn allerdings ein Spieler Sonderwünsche hat, weil er zum Beispiel aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch essen darf, geht der begeisterte Hobbykoch natürlich darauf ein. Hauptsache, alle sind zufrieden und die Teller sind am Ende leer.

Harte Arbeit für den Hobbykoch

Klaus Bossart (links) in Aktion, unterstützt von Küchengehilfe und SÜDKURIER-Sportredakteur Markus Waibel.
Klaus Bossart (links) in Aktion, unterstützt von Küchengehilfe und SÜDKURIER-Sportredakteur Markus Waibel. | Bild: Peter Pisa

An jenem Samstag während der Vorbereitungsphase war Klaus Bossart schon früh im Einsatz, während manch einer der Spieler noch in den Federn lag. Zwiebeln schneiden, Kartoffeln schälen, Fleisch würfeln – hungrige Fußballer in Mannschaftsstärke zu bekochen ist harte Arbeit. Auch für einen erfahrenen Hobbykoch wie Bossart. Fast alle Kicker, die dann gegen 12 Uhr verschwitzt vom Trainingsplatz kommen, schauen vor dem Duschen noch schnell in der Küche vorbei. Topfgucker mit Schraubstollen. „Was gibt’s nachher zum Essen, Klaus?“, fragt Abwehrspieler Tim Büttner und freut sich riesig („Geil! Gulasch!“), als Klaus Bossart den Speiseplan verrät.

Video: Peter Pisa

Frisch geduscht, sitzen die Landesligafußballer kurz darauf vor dampfenden Tellern. Die Fehler im Training, das anvisierte Saisonziel, der erste Gegner in der Rückrunde – all das ist jetzt erst mal Nebensache für die hungrigen Spieler der Ess-Geh Dettingen-Dingelsdorf, die unter Bossarts zufriedenen Blicken zulangen, als gäbe es Pokale oder Extrapunkte für die fleißigsten Esser.

(Vereins-)Liebe geht durch den Magen

Man sieht’s ihnen an: Den Fußballern der SG Dettingen-Dingelsdorf schmeckt, was Klaus Bossart kocht.
Man sieht’s ihnen an: Den Fußballern der SG Dettingen-Dingelsdorf schmeckt, was Klaus Bossart kocht. | Bild: Peter Pisa

„Es ist eine tolle Sache, dass der Klaus für uns kocht. Und es schmeckt auch immer super“, lobt Sebastian Scheideck den Ehrenamtler mit der Kochschürze, gönnt sich einen Löffel Gulasch und fährt dann fort: „So etwas gibt es in der Landesliga wohl eher selten. Die Motivation, ins Training zu kommen, ist noch viel größer, wenn der Klaus kocht“, sagt der Kapitän der SG Dettingen-Dingelsdorf. Liebe geht halt durch den Magen – auch die zu einem Fußballverein.

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