Fußball-Landesliga: Die Stammgäste im Singener Hohentwielstadion blicken schon seit einigen Wochen eher irritiert auf den Rasen. Die ganz eingefleischten Fans verfolgen das Treiben des FC Singen 04 auch bei Auswärtsspielen und mussten dabei am Sonntag in Frickingen gleich sechs Gegentreffer zur Kenntnis nehmen. Doch nicht nur die sechs F.A.L.-Tore stimmen nachdenklich, der ganze Trend ist beim sich stets ambitioniert gebenden Traditionsclub besorgniserregend: Nur ein Sieg im Laufe der Rückrunde, lediglich sieben Punkte in den zwölf Rückrundenspielen bedeuten ein bedrohliches Absinken in Richtung Abstiegszone. Hinzu kommen fünf Gelb-Rote Karten – Ligarekord. Zum Vergleich: Die DJK Donaueschingen beendete alle Spiele zu elft und ist Tabellenführer.

Nur Stadion derzeit oberligatauglich

Rückblick: Vor fünf Jahren wurde das renovierte und zur reinen Fußballarena umgebaute Hohentwielstadion eingeweiht. Dabei wurde in der Feierstimmung viel von der Oberliga geredet. So betonte FCS-Präsident Dr. Hans-Joachim König angesichts der oberligatauglichen Anlage: „Wir wollen mit sportlichen Leistungen der Anlage gerecht werden!“ Zur Eröffnung war übrigens der Nachbar, der 1. FC Rielasingen-Arlen, zu Gast, das Spiel endete 2:2. Heute steht der einstige Gegner dicht vor dem Aufstieg in die Oberliga, während beim FC Singen 04 alles außer der Sportstätte fern von Oberligafußball ist.

FC Singen tut sich schwer bei Ursachenforschung

Bei der Ursachensuche tut man sich schwer. Mit Blick auf die ausbleibenden Erfolgserlebnisse analysierte der Vorsitzende Volker Mussgnug beim letzten Heimspiel in der Stadionzeitung: „Dies nagt am Selbstbewusstsein der jungen und noch unerfahrenen Spieler, die sich zwar redlich bemühen, aber die individuelle Klasse in Reihen der Gegner oft anerkennen müssen.“ Erstaunlich: Da stehen mit Christian Jeske und Wolfgang Narr Spieler mit üppiger Regionalligaerfahrung auf dem Platz, wurden Offensivspieler wie Fabian Möhrle und Alessandro Fiore Tapia wohl nicht ohne Grund und Potenzial in Nachwuchsleistungszentren von Bundesligisten ausgebildet – und dann soll man die individuelle Klasse beim Gegner anerkennen? Und am „redlichen Bemühen“ hatte vor kurzem auch Trainer Wolfgang Stopla seine Zweifel, als er eine Arbeitermentalität im eher technisch beschlagenen Kader einforderte – bisher ohne Erfolg. „Wir können unsere Leistung nicht abrufen!“, stellt Stolpa nach dem 1:6 fest und diagnostiziert, dass es momentan wohl zu viele offene Fragen innerhalb der Mannschaft gäbe.

Trainerfrage wird zwangsläufig diskutiert

Fast zwangsläufig wird im FCS-Umfeld die Trainerfrage diskutiert. Wolfgang Stolpa kam mit der Referenz, den Nachbarn FC 03 Radolfzell zum stabilen Verbandsligisten geformt zu haben, musste aber gleich die Hypothek hinnehmen, den Verbandsligaabstieg nicht verhindern zu können. An Stolpas Kompetenz gibt es nichts zu zweifeln, auch sein Stab an Co-Trainern (jeder davon war schon mindestens in der Landesliga selbst als Coach auf der Trainerbank) bringt reichlich Erfahrung mit. Aber vielleicht ist es wie beim Puzzle, wo eben manche Teile schlicht nicht zusammenpassen. Zweifelsfrei halten sich die aktuellen Abstiegssorgen auch rechnerisch in Grenzen, aber eben auch die mittelfristigen Ziele, wie die Rückkehr in die Verbandsliga, sind eher fern. Von Oberliga spricht man im Hegau aber dennoch – allerdings ein paar Kilometer südlich von Singen.