Fußball-Landesliga: Die Stammspielerregelung sorgt in der Landesliga erneut für Gesprächsstoff. Wiederum ist der FC 08 Villingen II beteiligt. Diesmal betrifft es die Partie der Villinger bei der SG Dettingen-Dingelsdorf am 16. März und dabei den Einsatz von Winter-Neuzugang Müslüm Yelken. Bereits in der Vorrunde hatte die Nullacht-Reserve aufgrund der Stammspielerregelung nach dem 2:1-Heimsieg gegen den FC Schonach drei Punkte abgezogen bekommen.

Villinger gewann die Partie gegen Dettingen-Dingelsdorf auf dem Rasen mit 3:2. Der Gegner legte nach dem Spiel Protest ein. Dieser wurde jedoch vom Verbandssportrichter Jens Weimer (Konstanz) abgewiesen. Der Bodensee-Verein ging daraufhin in Berufung. Nun liegt der Fall bei Gerhard Berger, dem Vorsitzenden des Verbandsrechtsausschusses im Südbadischen Fußballverband. Berger und seine beiden Beisitzer werden entscheiden, ob es beim Sieg für die Villinger bleibt oder ob die Partie für Dettingen-Dingelsdorf gewertet wird.

Doch wie kam es zu diesem Fall? Müslüm Yelken erhielt Anfang März die Spielerlaubnis des Verbandes. Daraufhin spielte er am 9. März in der Oberliga-Mannschaft (gegen Spielberg). Eine Woche später wurde Yelken beim Gastspiel der Villinger Landesliga-Elf in Dettingen eingesetzt. Für die Dettinger verstieß dies gegen die Spielordnung des Südbadischen Fußballverbandes (SBFV), genauer gegen die Stammspielerregelung. Die Villinger entgegnen dem, dass sie sich im Vorfeld erkundigt hätten, ob Yelken einsatzberechtigt sei: „Sportrichter Weiner hat uns bestätigt, dass Müslüm spielen kann. Zudem haben wir das Ganze von einem Anwalt prüfen lassen“, sagt FC 08-Sportvorstand Arash Yahyaijan.

Sollte der Verbandsrechtsausschuss nun anders als Weimer entscheiden, kündigt Yahyaijan an, „dass wir dann vors Zivilgericht gehen werden“. Die Spielwertung in der Vorrunde gegen Schonach habe man akzeptiert und den Fehler eingestanden. Ein Drei-Punkteabzug in diesem Fall wäre für die Villinger des Schlechten zu viel. „Es wäre doch Schwachsinn, wenn wir wieder betroffen sind, obwohl wir uns beim Verband erkundigt haben. Was soll man denn sonst noch machen?“

Uwe Baumann, der sportliche Leiter der SG Dettingen-Dingelsdorf, ist gespannt, wie der SBFV in zweiter Instanz entscheidet: „Wir würden auch akzeptieren, wenn das Urteil gegen uns ausfällt. Dann wollen wir jedoch eine Begründung. Es kann nicht sein, dass der Sprachgebrauch in der Spielordnung Interpretationen zulässt.“

Sowohl für Yahyaijan als auch für Baumann ist nachvollziehbar, dass sich der gegnerische Verein in diesem Fall zur Wehr setzt. Einig sind sich auch beide Seiten, dass beim Verbandstag am 27. Juli in Denzlingen Klarheit geschaffen werden soll, was die umstrittene Stammspielerregelung betrifft.

Als Stammspieler gilt in einer Oberliga-Mannschaft laut SBFV-Statuten, wer nach dem dritten Punktspiel der höheren Mannschaft über die Hälfte der Partien in der höheren Mannschaft bestritten hat. Bei Wintertransfers gibt es jedoch im Südbadischen Fußballverband im Paragraph 11, Absatz 6, eine spezielle Formulierung. Diese besagt: Wird einem Spieler das Spielrecht nach dem 1. November eines Spieljahres erteilt, so werden nur die ausgetragenen Verbandsspiele der höheren Mannschaft angerechnet, die nach Erteilung des Spielrechts stattgefunden haben.

Die SG Dettingen-Dingelsdorf beruft sich nun darauf, dass Yelken zwischen Erteilung des Spielrechts (Anfang März) und dem Einsatz im Landesliga-Spiel die einzige Oberliga-Partie der Nullachter am 9. März bestritten hat. Dies bedeutet, er hätte 100 Prozent der Spiele in besagtem Zeitraum absolviert und ist somit für die Dettinger laut Paragraph 11 Stammspieler. Die Villinger wiederum verweisen darauf, dass Yelken mit einem Einsatz nicht unter die besagte Stammspielerregelung falle, was ihnen durch Sportrichter Weimer auch im Vorfeld bestätigt worden sei. Man darf gespannt sein, wie Gerhard Berger diese beiden Interpretationen auslegt.