Fußball-Bezirksliga: Das gab es seit Jahren nicht. Am letzten Spieltag treffen am Samstag (15.30 Uhr) mit dem FC Gutmadingen und FV Marbach die zwei absoluten Überflieger der Bezirksliga im direkten Duell um die Meisterschaft aufeinander. Besser lässt sich ein Drehbuch nicht schreiben. Beide Mannschaften haben bisher 69 Punkte auf dem Konto und 20 Zähler Vorsprung auf den Tabellendritten. Gutmadingen hat das um zwölf Treffer bessere Torverhältnis und wäre bereits mit einem Unentschieden Meister. Die Partie ist auch das Duell Erfahrung gegen jugendliche Heißsporne. Es zeichnet sich ein absoluter Knüller vor großer Kulisse ab.

„Da im Umfeld noch weitere wichtige Spiele in anderen Ligen stattfinden, rechne ich eher nicht mit 1000 Zuschauern. Realistischer sind eher 500 Besucher“, sagt Volkhard Ohnmacht, Vorstand Spielbetrieb beim FC Gutmadingen. Von den rund 800 Gutmadinger Einwohnern werden wohl sehr viele kommen, um ihr Team zu unterstützen. „Wir sind auf alles vorbereitet, haben rund 200 Parkplätze und deutlich mehr Getränke und Würste als üblich bestellt. Es wird einen zweiten Wurststand geben“, so Ohnmacht.

Der Platz wurde am Donnerstag nochmals gemäht, um beste Voraussetzungen zu schaffen. Ohnmacht sieht den besonderen Reiz in der „einmaligen Finalkonstellation“. Überlegungen, die Partie auf den Freitagabend oder Sonntagnachmittag zu verlegen, gab es im Gutmadinger Vorstand kurzzeitig. „Wir wissen, dass seit Jahren alle Partien am letzten Spieltag zeitgleich angepfiffen werden müssen. Daher haben wir auf einen Antrag verzichtet. Vielleicht wäre dem stattgegeben worden, da keine dritte Mannschaft betroffen ist“, ergänzt Ohnmacht.

Steffen Breinlinger ist zuversichtlich

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Gutmadingens Trainer Steffen Breinlinger sieht das finale Spiel „als Belohnung für eine tolle Saison, die beide Teams gespielt haben“. Er ist im Vorfeld bemüht, kühlen Kopf zu bewahren. „Die Anspannung steigt von Stunde zu Stunde, ist aber noch im normalen Bereich.“ Durch die Rückkehr der Spieler Lukas Riedmüller und Ahmet Keysan hat Breinlinger noch mehr Auswahl bei der Startformation. „Meine Spieler haben über die gesamte Saison viel für den Fußball investiert. Die Entscheidung, die Startaufstellung zu nominieren, wird nicht einfach. Für mich spielt es keine Rolle, wer von Platz eins oder zwei in die Partie geht. Die Chancen stehen 50:50.“

Michael Henseleit: Freche Antworten auf freche Fragen

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Auch Michael Henseleit, Trainer des FV Marbach, zerbricht sich seit Tagen den Kopf, wer die ersten elf Spieler sein werden. „Noch sind einige Akteure im Kurzurlaub, aber beim Abschlusstraining ist das Team komplett. Die Nominierung wird ganz schwer, zumal wir einen 18er Kader haben, in dem es alle Akteure verdient hätten.“ Henseleit kennt die Stärken des Gegners und hat diese in den vergangenen Tagen nochmals analysiert. „Ich spreche bewusst nicht von Schwächen, denn die haben beide Teams kaum. Wir reisen als Tabellenzweiter an und haben nichts zu verlieren.“ Etwas anders sei es beim Gastgeber, der Rang eins verteidigen muss. Für Henseleit haben beide Teams eine grandiose Saison gespielt, sodass die Partie fußballerisch einiges verspreche.

Zwei Fan-Busse aus Marbach

Zwei Fan-Busse haben die Marbacher für den kurzen Abstecher nach Gutmadingen organisiert. „Viele aus Marbach werden zudem mit dem eigenen Fahrzeug anreisen, sodass wir von 100 bis 120 Marbachern ausgehen, die unsere Mannschaft begleiten“, sagt Vorsitzender Matthias Konegen und ergänzt: „Unsere Mannschaft hat nichts zu verlieren. Wir werden gut vorbereitet anreisen und wollen unsere Chance nutzen. Es gibt in solch einem Spiel keinen Favoriten. Wir sind guter Dinge.“

Vorfreude überwiegt Anspannung

Für Gutmadingens Stürmer Manuel Huber, 22-facher Torschütze in der laufenden Saison, steht fest: „So eine Konstellation in einem Meisterschaftsspiel gibt es wohl nur einmal im Leben.“ Bei Huber und seinen Mitspielern überwiegt die Vorfreude. „Natürlich ist die Anspannung zu spüren. Gerade im Umfeld gibt es seit Wochen kein anderes Thema, wenn du dich im Ort sehen lässt.“ Dieses öffentliche Interesse sporne die Mannschaft an und steigere die Motivation. Von der Marbacher Elf hält Huber indes viel. „Das ist eine sympathische Truppe, auch abseits des Platzes. Viele Spieler beider Teams kennen sich untereinander. Zudem sind die Marbacher alle gut ausgebildet und technisch versiert.“

Richtig „Bock auf das Spiel“ hat Marbachs Angreifer Florian Ehmann, der bisher zwölf Mal in der Saison für seine Farben traf. „Unsere Mannschaft ist heiß, aber nicht nervös.“ Auch für Ehmann ist klar: „Wir haben nichts zu verlieren.“ Beim Gegner schätzt der Marbacher Stürmer die körperliche Robustheit. „Die Gutmadinger sind alle größer gewachsen und erfahrener. Wir werden uns aber nicht vestecken. Aufpassen müssen wir bei den gefährlichen Standards der Gutmadinger.“ Auch er hat längst das gesteigerte Interesse bei der Bevölkerung von Marbach ausgemacht. „Der ganze Ort ist heiß und fiebert dem Spiel entgegen.“

Auch der Verlierer hat noch eine Chance

Gegen 17.20 Uhr wird am Samstag feststehen, wer der neue Meister in der Bezirksliga ist und direkt in die Landesliga aufsteigt. Dem Verlierer bleiben zwei zusätzliche Aufstiegsspiele gegen den Hegauer FV, Vizemeister der Bezirksliga Bodensee. Sowohl Breinlinger als auch Henseleit würden gern darauf verzichten, müsste doch der Trainingsbetrieb um weitere zwei Wochen verlängert werden. Nach der tollen Saison hätten beide am Samstag den Aufstieg verdient. Feiern wird aber nur einer.

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