Seit Ende der Saison 1989/90 spielen die Vizemeister der Bezirksligen Freiburg und Hochrhein einen dritten Landesliga-Aufsteiger aus. Das Duell zwischen der SG Nordweil/Wagenstadt und dem FC Erzingen ist die 30. Auflage dieser Spiele. Im Rückblick ergibt sich viel Kurioses und Interessantes. Und es kommen Vereine in Erinnerung – Eintracht Stetten, FV Brombach, FV Lörrach, SF/DJK Freiburg, Rhodia Freiburg, SC Gundelfingen, FC Prechtal – die es in dieser Form längst nicht mehr gibt.

  • Premiere: Die erste Relegation trugen im Juni 1990 der FC Erzingen und der SC Gutach-Bleibach aus. Die Mannschaft aus dem Elztal setzte sich in Erzingen mit 2:0 und zu Hause dann mit 3:0 durch. Ein Jahr später war erneut der in jenen Jahren von Udo Gabele trainierte FC Erzingen dabei, hatte es dieses Mal mit den Sportfreunden Oberried zu tun. Die Gastgeber aus dem Dreisamtal gewannen das Hinspiel mit 4:2 und siegten 3:1 im Klettgau.
  • Schwarze Serie: Nach sieben Jahren des Scheiterns endete die schwarze Serie der Hochrhein-Vizemeister. 1992 unterlag der FV Brombach dem FC Rimsingen, 1993 verlor der SV Schopfheim gegen den FC Prechtal, 1994 setzte sich der FC Bötzingen gegen den SV Weil II durch, 1995 und 1996 scheiterte der TuS Efringen-Kirchen erst am SV Kappel und ein Jahr später an den SF/DJK Freiburg. Erst 1997 brach der Bann, als der FV Lörrach den FV Sasbach besiegte. Im Jahr darauf stieg der FC Tiengen 08 nach erfolgreichen Spielen gegen den SV Waldkirch auf.
  • 10 Jahre Durststrecke: Diese beiden Erfolge waren nur Strohfeuer des Bezirks Hochrhein. Nacheinander scheiterten der SV Weil (1999 gegen SC Gundelfingen), FC Wehr (2000 gegen SV Ballrechten-Dottingen), SV Stühlingen (2001 gegen Rhodia Freiburg), FV Lörrach (2002 gegen FC Sexau), FC Rheinfelden (2003 gegen SC Reute), VfB Waldshut (2004 gegen SV Ballrechten-Dottingen), SV BW Murg (2005 gegen FC Sexau), Eintracht Stetten (2006 gegen FSV RW Stegen), SV Eggingen (2007 gegen TV Köndringen) und der FC Erzingen (2008 gegen FV Sasbach).
  • Kurios: Eintracht Stetten spielte 2009 gegen den FC Denzlingen II, unterlag im Hinspiel mit 1:3. Als es im Rückspiel nach 90 Minuten 2:0 für die Gastgeber stand, bat der Schiedsrichter zur Verlängerung und später zum Elfmeterschießen, das die Denzlinger Reserve gewann. Einen Tag später legte Eintracht Stetten einen Einspruch gegen die Spielwertung ein. Die erstmals gültige Europapokal-Regel war vom Schiedsrichter missachtet worden. Allerdings unabsichtlich, denn er war schlichtweg falsch informiert. Der damalige Spielleiter des Verbands hatte die Regeländerung aus dem Vorjahr schlicht vergessen und einfach die veralteten Statuten von 2008 an den Unparteiischen versendet. Nach 90 Minuten wäre Eintracht Stetten dank des Auswärtstores bereits als Sieger festgestanden. Am Ende durften beide Mannschaften aufsteigen.
Erdrückt: Sven Oertel bekam nach seinem zweiten Treffer in Untermünstertal für den FC Wehr kaum mehr Luft.
Erdrückt: Sven Oertel bekam nach seinem zweiten Treffer in Untermünstertal für den FC Wehr kaum mehr Luft. | Bild: Scheibengruber, Matthias
Aufstieg 2010: Der FC Wehr setzte sich vor neun Jahren in der Relegation gegen die Spvgg. Untermünstertal durch.
Aufstieg 2010: Der FC Wehr setzte sich vor neun Jahren in der Relegation gegen die Spvgg. Untermünstertal durch. | Bild: Scheibengruber, Matthias
  • Wunder vom Münstertal: Der FC Wehr startete 2010 mit einem 1:1 gegen die Spvgg. Untermünstertal, war im Rückspiel vor 800 Zuschauer krasser Außenseiter. Doch die Elf von Lothar Silfang wehrte sich, stieg nach zwei Toren von Sven Oertel als vierter Hochrhein-Vizemeister auf. 2011 setzten sich die Untermünstertaler dann gegen den FC RW Weilheim durch und nach dem dritten Scheitern des TuS Efringen-Kirchen, der 2012 den SF Oberried unterlag, setzte sich der FC Wittlingen 2013 gegen den SV Au-Wittnau durch.
Aufsteiger Nr. 1, 2014: Der SV Au-Wittnau setzte sich in zwei Spielen gegen den FSV Rheinfelden durch, feierte auf der Richterwiese.
Aufsteiger Nr. 1, 2014: Der SV Au-Wittnau setzte sich in zwei Spielen gegen den FSV Rheinfelden durch, feierte auf der Richterwiese. | Bild: Scheibengruber, Matthias
Aufsteiger Nr. 2, 2014: Nach einer Pressekonferenz im Anschluss an das 1:3 gegen den SV Au-Wittnau durfte auch der unterlegene FSV Rheinfelden den Aufstieg bejubeln.
Aufsteiger Nr. 2, 2014: Nach einer Pressekonferenz im Anschluss an das 1:3 gegen den SV Au-Wittnau durfte auch der unterlegene FSV Rheinfelden den Aufstieg bejubeln. | Bild: Scheibengruber, Matthias
Langes Gesicht: Dominic Günther (rechts, im Gespräch mit dem damaligen FSV-Trainer Giuseppe Stabile) war bitter enttäuscht über den Beschluss des Verbands, dass der FC Schönau als Drittplatzierter im Jahr 2014 keine Chance auf den Aufstieg hatte, obwohl Meister SV Weil II nicht aufsteigen konnte.
Langes Gesicht: Dominic Günther (rechts, im Gespräch mit dem damaligen FSV-Trainer Giuseppe Stabile) war bitter enttäuscht über den Beschluss des Verbands, dass der FC Schönau als Drittplatzierter im Jahr 2014 keine Chance auf den Aufstieg hatte, obwohl Meister SV Weil II nicht aufsteigen konnte. | Bild: Scheibengruber, Matthias
  • Konfusion: Der SV Weil II wurde 2014 Meister der Bezirksliga, hatte aber kein Aufstiegsrecht, weil ausgerechnet in diesem Jahr dessen „Erste“ aus der Verbandsliga absteigen musste. Also dachte sich der FC Schönau als Tabellendritter: „Vizemeister FSV Rheinfelden steigt direkt auf und wir spielen gegen den SV Au-Wittnau.“ Falsch gedacht. Der Verband ließ den FSV Rheinfelden gegen den SV Au-Wittnau mit 1:1 und 1:3 scheitern und teilte unmittelbar nach dem Rückspiel mit, dass der FSV dennoch aufsteigt – für den SV Weil II. Der FC Schönau schaute in die Röhre, scheiterte auch mit einem Einspruch.
  • Kein Gegner: Im Jahr danach war die Lage noch undurchsichtiger und erneut war der FC Schönau involviert. Meister TuS Efringen-Kirchen stieg direkt auf, der SV Weil II als Vizemeister hatte erneut kein Aufstiegsrecht, also durfte im Sommer 2015 der FC Schönau als Tabellendritter nachrücken. Seine Relegation fand aber nicht statt, weil es keinen Gegner gab. Im Bezirk Freiburg hatte die SG Wasser/Kollmarsreute den Titel vor der SG Prechtal/Oberprechtal geholt. Allerdings sind laut Statuten bei den Männern keine Spielgemeinschaften im überregionalen Fußball erlaubt. Also rückte der Tabellendritte SV Biengen als direkter Aufsteiger nach, für den FC Schönau war kein Gegner mehr übrig. Die Elf aus dem Buchenbrand durfte kampflos aufsteigen. In der Folge wurden im Raum Freiburg übrigens zahlreiche neue Vereine gegründet.
Frust und Lust: Hinten feiert die SG Wasser-Kollmarsreute, die im Jahr zuvor daran gescheitert war, noch kein eingetragener Verein zu sein, den Aufstieg. Vorn betrauern Süleyman Karacan (Nr. 19) und Paul Mendy (Nr. 23) das Scheitern des FC Tiengen 08 in der Relegation 2016.
Frust und Lust: Hinten feiert die SG Wasser-Kollmarsreute, die im Jahr zuvor daran gescheitert war, noch kein eingetragener Verein zu sein, den Aufstieg. Vorn betrauern Süleyman Karacan (Nr. 19) und Paul Mendy (Nr. 23) das Scheitern des FC Tiengen 08 in der Relegation 2016. | Bild: Scheibengruber, Matthias
  • Rekord-Teilnehmer: Der FC Erzingen hat mit seiner vierten Teilnahme nun die Rekordteilnahme an der Relegation geschafft. Nachdem sich zuletzt die SG Wasser/Kollmarsreute (2016, nun als Verein, gegen den FC Tiengen 08), der SV Ballrechten-Dottingen (2017 gegen den FC Schönau) und die Spvgg. Untermünstertal (2018 gegen den SV 08 Laufenburg) durchsetzten, peilt der Verein aus dem Klettgau nun im 30. Austragungsjahr den immerhin siebten Relegations-Aufstieg eines Hochrhein-Vereins an.
  • Rekord-Aufsteiger: Der SV RW Ballrechten-Dottingen hat bei allen drei Relegations-Teilnahmen den Aufstieg in die Landesliga geschafft. Nach dem Sieg gegen den FC Wehr im Jahr 2000 blieb das Team aus dem nördlichen Markgräflerland bis 2003 oben und stieg 2004 umgehend durch den Erfolg gegen den VfB Waldshut wieder auf. Dieses Mal allerdings nur für eine Spielzeit. Nach dem dritten Aufstieg, 2017 gegen den FC Schönau, spielen die Rot-Weißen künftig ihre dritte Landesliga-Saison.