Konstanz Sprechen wie zu Luthers Zeiten: So hörte sich der Reformator an

Es gibt archäologische und schriftliche Quellen aus dem Mittelalter. Allerdings gibt es keine Tonaufnahmen aus dieser Zeit. Wie also Sprache und Dialekt aus dem frühen 16. Jahrhundert klangen, lässt sich lediglich vermuten. Der Literaturwissenschaftler Helmut Weidhase erklärt und gibt Hörbeispiele, wie das geklungen haben könnte.

"Martin Luther hatte eine helle, klare, schon als Kurrendesänger in Eisenach bewunderte Stimme", erklärt der Literaturwissenschaftler Helmut Weidhase, der auf mittelalterliche Literatur spezialisiert ist. Er ergänzt: "Nach dem Stimmbruch war sie wohl in etwa das, was in einem Männerchor als zweiter Tenor oder erster Bass eingesetzt würde." Luthers Sprech-Dialekt kann jedoch nicht eindeutig festgestellt werden. "Wenn man oft liest, er wäre in Eisleben und Mansfeld in niedersächsischem Sprachgebiet aufgewachsen, der vergisst, dass daheim eher thüringisch-fränkische Mundart den Redeklang bestimmte", erklärt Weidhase. So stammte Hans Luther, der Vater, aus Möhra im Meiningischen, die Mutter war Eisenacherin.

Die Sprache

Die Lautverschiebung hatte sich noch nicht voll durchgesetzt. Man sagte: Appel, Topp, Kopp. Die Druckersprache, vor allem geprägt durch Nürnberg, Basel und Augsburg, hatte allerdings längst den sprachlichen Ausgleich geschaffen. In Luthers Schriften ist noch eine mitteldeutsche Lautung zu erkennen: Der Umlaut findet oft nicht statt. So schreibt Luther im Brief an seinen Sohn Hans: "hubschen, schonen Garten" , "schone Opfel". Vor allem bei Doppelvokalen ist der Umlaut geblieben: Naumburg, Nauheim, Nauen - im Süden nicht, dort dominieren Neuburg, Neuenstein, Neustadt.

Generell ist jedoch kaum rekonstruierbar, wie die Menschen um Luther gesprochen haben. Lediglich eine Annäherung an die sächsisch-meißnische Kanzleisprache ist möglich, die Luther als lautliches und orthographisches Muster übernahm.

Hörbeispiele

Martin Luther hat Fabeln sehr geliebt und auch einige davon selbst verfasst. Er stellte sie den biblischen Psaltern gegenüber. Wie Psalter die Erlösbarkeit der Menschen aufzeigen, beweisen die Fabeln deren Unerlösbarkeit. So hätte es eventuell geklungen, hätte Luther seine Fabel vom Löwen und dem Esel vorgelesen:
Das Zölibat gehörte nicht zur reformierten Kirche Martin Luthers. So war er mit Katharina von Bora verheiratet, mit der er sechs Kinder hatte. An seinen erstgeborenen Sohn Johannes hat er folgenden Brief verfasst:

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