Klimawandel, Globalisierung, wachsende Mobilität: All diese Faktoren vernetzen die Welt immer mehr - nicht nur die der Menschen: Immer mehr Tierarten, die eigentlich nicht in Südbaden heimisch sind, gelangen durch LKWs, Containerschiffe und das Gepäck von Touristen in unsere Gegend. Nicht immer bleibt das folgenlos. Jüngstes Beispiel ist die Quaggamuschel, eine Muschelart, die eigentlich nur im Schwarzen Meer vorkommt. Sie breitet sich verstärkt im Bodensee aus und sorgt unter anderem bei den Trinkwasserversorgern für Probleme mit ihren technischen Anlagen im See. Welche weiteren Tierarten sich in der Vergangenheit hier etabliert haben, zeigt unser Überblick:

Signalkrebs

Der Einwanderer aus den nordwestlichen Bundesstaaten der USA ist seit einigen Jahren ein echtes Problem in unserer Region. Im Bodensee wurde er erstmalig 2011 am Südost-Ufer von Lindau gesichtet, am Hochrhein und in der Donau bei Geisingen breitet er sich ebenfalls zunehmend aus. Der Krebs, der 20 Zentimeter lang werden kann und damit größer ist als die heimischen Arten, ist Überträger der Krebspest. Weil er selbst jedoch resistent gegen die Krankheit ist, bedroht er den Bestand der heimischen Arten. Angler versuchen deshalb, den Signalkrebs vermehrt zu fischen - zum Verzehr eignet sich der Eindringling sehr gut, sein Fleisch gilt als schmackhaft.

Gewässerwart Bruno Imbery hält am 29. August 2017 einen Signalkrebs am Schlierbach in die Kamera. Hier hat sich der Krebs bereits rasant vermehrt und bedroht heimische Krebsarten.
Gewässerwart Bruno Imbery hält am 29. August 2017 einen Signalkrebs am Schlierbach in die Kamera. Hier hat sich der Krebs bereits rasant vermehrt und bedroht heimische Krebsarten. | Bild: André Hönig

Großer Höckerflohkrebs

Mitte der 1990er-Jahre wurde der Höckerflohkrebs, der eigentlich von der Balkanhalbinsel stammt, zum ersten Mal im Rhein und später auch im Hochrhein nachgewiesen. 2003 fand man ihn im Überlinger See. Mittlerweile ist er überall rund um den Bodensee verbreitet. Der rund zwei Zentimeter kleine Einwanderer hat es in sich: Weil er ein Allesfresser ist und auch nicht vor anderen kleinen Krebsarten Halt macht, verdrängt er heimische Arten und wird sogar für die Ausrottung bestimmter Spezien verantwortlich gemacht.

Der große Höckerflohkrebs stammt eigentlich von der Balkanhalbinsel. Er ist ein Allesfresser und bedroht heimische Krebsarten.
Der große Höckerflohkrebs stammt eigentlich von der Balkanhalbinsel. Er ist ein Allesfresser und bedroht heimische Krebsarten. | Bild: Felix Kästle (dpa)

Grobgerippte Körbchenmuschel

Auch diese Muschelart ist, genau wie die erst seit wenigen Jahren am Bodensee nachgewiesene Quagga-Muschel, eigentlich woanders zuhause: Von Südost Asien und Nordamerika gelangte sie in den 1980er-Jahren nach Portugal und Südfrankreich. Dann breitete sie sich seit 1987 über den Rhein nach und nach in allen deutschen Wasserstraßen aus. Auch im Bodensee wurde sie 2003 erstmalig entdeckt. Sie lebt vorwiegend in sandigen Flachwasserbereichen.  Weil sie sich an Hartsubstrate heftet (zum Beispiel Schiffe) breitet sie sich extrem schnell aus und besiedelt mittlerweile viele Seen und Flüsse in ganz Europa.

Die grobgerippte Körbchenmuschel, auch asiatische Körbchenmuschel genannt, hat sich mittlerweile in ganz Europa ausgebreitet. Die Folgen für die Ökosysteme sind unbekannt.
Die grobgerippte Körbchenmuschel, auch asiatische Körbchenmuschel genannt, hat sich mittlerweile in ganz Europa ausgebreitet. Die Folgen für die Ökosysteme sind unbekannt. | Bild: Patrick Pleul/dpa

Nilgans

Die Nilgans wird bereits seit dem 18. Jahrhundert in Europa als Ziergeflügel gehalten. Sie kommt eigentlich aus Afrika. In den 1970er-Jahren brachen in den Niederlanden einige der Tiere aus und gründeten eine freilebende Population, die sich auch in Deutschland stark ausgebreitet hat. Während die Tiere zunächst in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz auftauchten, besiedeln sie mittlerweile auch die Hochrhein-Region um Grenzach-Wyhlen. Die Gänse gelten als aggressiv und wenig scheu, weshalb sie immer mehr Bereiche besiedeln. Nilgänse haben zudem eine hohe Vermehrungsrate.

Nilgänse stehen am 04.07.2016 auf einer Wiese im Schlosspark in Stuttgart.
Nilgänse stehen auf einer Wiese im Schlosspark in Stuttgart. Auch in Grenzach-Wyhlen gibt es mittlerweile eine größere Population. | Bild: Franziska Kraufmann/dpa

Rostgans

Ähnlich wie die Nilgans, zählt auch die Rostgans zu den sogenannten "Gefangenschaftsflüchtlingen", das heißt: Ein paar Rostgänse sind vermutlich aus menschlicher Obhut geflohen oder wurden ausgesetzt. Daraufhin vermehrten sich die Tiere und leben seither in großen Populationen, die sich immer mehr verbreiten. Zunächst waren die gefiederten Neuankömmlinge am Klingauer Stausee in der Schweiz entdeckt worden, später in der Nähe von Waldshut. Dort gaben die Behörden sie zum Abschuss frei. In der Folgezeit wanderten 1000 bis 2000 Rostgänse an den Untersee. Die Rostgans vermehrt sich sehr stark. Bewohner der Insel Reichenau, wo die Tiere zum Ärger der Gemüsebauern immer wieder Setzlinge aus der Erde ziehen,  berichten auch, dass sich die Tiere gegenüber Menschen aggressiv verhalten.

Eine Rostgans hält im Strandbad in Bodman ein Stück Weißbrot im Schnabel.
Eine Rostgans hält im Strandbad in Bodman ein Stück Weißbrot im Schnabel. | Bild: Felix Kästle (dpa)

Rotwangen-Schmuckschildkröte

Unlängst ist diese Schildkrötenart am Rheinufer in Bad Säckingen gesichtet worden. Sie stammt ursprünglich aus dem südöstlichen Teil Amerikas. In den 1970er-Jahren konnte man die Rotwangen-Schmuckschildkröte in Zoohandlungen kaufen und entsprechend oft setzten Besitzer die Tiere, wenn sie ihnen lästig wurden, einfach aus. Mittlerweile kann man Schmuckschildkröten oft in den Teichen der Parkanlagen von Städten sehen. Der Import der Tiere ist deshalb verboten.

Dieses schöne Bild am Rhein bei Hohentengen machte unser Leserreporter.
Dieses schöne Bild zweier Rotwangen-Schmuckschildkröten am Rhein bei Hohentengen machte unser Leserreporter. | Bild: Wilfried Meier

Leserreporter Clemens Strüber schickte dem SÜDKURIER dieses Video einer Schildkröte im Rhein bei Kadelburg:

Video: Clemens Strüber

Asiatische Tigermücke

Diese Mückenart ist normalerweise in den süd- und südostasiatischen Tropen beheimatet. Momentan fehlen ihr noch 50 Kilometer bis zur Insel Reichenau.  Im Landkreis Waldshut ist sie bereits gesichtet worden. Auch im Nachbarlandkreis Lörrach wurde sie entdeckt. Bei diesem Insekt ist  besondere Vorsicht geboten: Laut einer Medienmitteilung des Waldshuter Landratsamts ist die tagaktive Stechmücke „sehr aggressiv und potenzieller Überträger von gefährlichen Krankheitserregern“. Genauer: Diese Mückenart kann das Dengue-, Chikungunya- oder möglicherweise auch des Zika-Virus übertragen.

Bild einer weiblichen Asiatischen Tigermücke beim Stechen. Das Insekt kann gefährliche Viren übertragen. Vor mehr als zehn Jahren tauchten erste Exemplare in Deutschland auf. Jetzt wurde das Tier erstmals im Kreis Waldshut gesichtet. Bild: dpa
Bild einer weiblichen Asiatischen Tigermücke beim Stechen. Das Insekt kann gefährliche Viren übertragen. Vor mehr als zehn Jahren tauchten erste Exemplare in Deutschland auf. Jetzt wurde das Tier erstmals im Kreis Waldshut gesichtet. Bild: dpa | Bild: James Gathany (dpa)