Der Name Martin Luther ist eng mit dem Begriff der Reformation verbunden, wird teilweise sogar als Entsprechung benutzt. So lesen sich die Stationen seines Lebens eben auch wie die historische Entwicklung der Reformation. Von der Geburt in Eisleben, dem Thesenanschlag in Wittenberg bis zu seinem Tod in Mansfeld - wir haben Luthers Leben in zehn Stationen gegliedert. 

1. Geburt

ARCHIV - Das Geburtshaus des Reformators Martin Luther (1483-1546), aufgenommen am 22.09.2014 in Eisleben (Sachsen-Anhalt). Foto: Peter Endig/dpa (zu dpa «Sachsen-Anhalt: Wiege der Reformation mit vielen Luther-Orten» vom 07.07.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Das Geburtshaus des Reformators Martin Luther (1483-1546) in Eisleben (Sachsen-Anhalt). | Bild: Peter Endig (dpa-Zentralbild)

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben, im Landkreis Mansfeld-Südharz geboren. Dort lebte seine Familie sechs Monate, dann zogen die Luthers in das etwa zehn Kilometer entfernte Mansfeld. Dort verbrachte Martin Luther 14 Jahre seinse Lebens. Er hielt sich Zeit seines Lebens immer wieder in der Gegend auf, wo er schließlich auch am 18. Februar 1546 starb.
 

2. Studium in Erfurt

Eine junger Mann liest am Donnerstag (23.08.2001) in der Bibliothek des Augustinerklosters in Erfurt, die die theologisch-historische Büchersammlung von 65.000 Bänden des evangelischen Ministeriums beherbergt. Mit einer neuen Dauerausstellung, die voraussichtlich im Frühjahr 2002 eröffnet wird, möchte die evangelische Kirche an den Aufenthalt und das Wirken des Reformators Martin Luther (1483-1546) erinnern. 1505 war Martin Luther ins Augustinerkloster gekommen und lebte hier als Mönch bis zum Jahre 1511. dpa/lth (zu dpa 0254 und lth 123 vom 23.08.2001) |
Eine junger Mann liest in der Bibliothek des Augustinerklosters in Erfurt, die die theologisch-historische Büchersammlung von 65.000 Bänden des evangelischen Ministeriums beherbergt. 1505 war Martin Luther ins Augustinerkloster gekommen und lebte hier als Mönch bis zum Jahre 1511. | Bild: dpa

17 Jahre alt ist Martin Luther, als er 1501 nach Erfurt kommt. Zuvor absolvierte er seine Schulzeit in Mansfeld, Magdeburg und Eisenach. An der Erfurter Universität studierte Luther zunächst die sogenannten Sieben Freien Künste. Dazu zählten: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. Anschließend besuchte er Jura-Vorlesungen. Luthers Vater forcierte eine entsprechende Karriere des Sohnes und erhoffte sich für ihn eine Beamtenkarriere an einem Fürstenhof.

Dazu kam es jedoch nicht. Laut Legende, soll der junge Luther etwa 1505 auf einem Feld von einem Gewitter überrascht worden sein und dabei unter Todesangst gerufen haben: "Ich will Mönch werden!". Zwei Wochen später trat er in das Erfurter Augustinerkloster ein und begann seine geistliche Laufbahn.

1507 wird er im Erfurter Dom zum Priester geweiht.
 

3. Luther in Rom

Kinder spielen am 07.09.2015 im Oppio-Park in Rom in einem trockenen Brunnen am künftigen Martin-Luther-Platz. Früher mussten sich die Lutheraner in Rom verstecken, heute stehen die Zeichen auf Ökumene. Ein halbes Jahrtausend nach der Reformation wird in der Stadt der Päpste ein Platz nach Martin Luther benannt. Foto: Klaus Blume/dpa (zu dpa "Nach 500 Jahren: Ein Platz für Martin Luther in Rom" vom 09.09.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Im Oppio-Park in Rom befidnet sich der Martin-Luther-Platz. Früher mussten sich die Lutheraner in Rom verstecken, heute stehen die Zeichen auf Ökumene. Ein halbes Jahrtausend nach der Reformation wurde in der Stadt der Päpste ein Platz nach Martin Luther benannt. | Bild: Klaus Blume (dpa)

Etwa im Alter von 30 Jahren machte sich Martin Luther zu Fuß auf den Weg nach Rom, musste dazu auch die Alpen überqueren. Mit der Reise ging für ihn ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung. Seine Erwartungen wurden allerdings enttäuscht: Der Petersdom war eine Baustelle und Luther konnte mit eigenen Augen sehen, wie das Geld aus dem später von ihm angeprangerten Ablasshandel verbaut wurde.

1511 kehrte er enttäuscht zurück. In Bezug auf Rom ist ein Ausspruch Luthers überliefert: „Gibt es eine Hölle, so steht Rom darauf.“

 

4. Thesenanschlag in Wittenberg

Die Thesentür an der Schlosskirche von Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt), aufgenommen am 18.05.2017 mit einer Drohne. Der deutsche evangelische Kirchentag 2017 wird zum 500-jährigen Reformationsjubiläum vom 24. bis 28. Mai 2017 in Berlin und Wittenberg stattfinden. Zu dem Festgottesdienst zum Abschluss werden dann am 28. Mai in der Lutherstadt mehr als 200 000 Menschen erwartet. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Die Thesentür an der Schlosskirche von Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt). | Bild: dpa

Mit Ablassbriefen konnten Gläubige bei der Kirche einen Erlass ihrer Schulden erkaufen, jeweils im Verhältnis zur Höhe der bezahlten Summe. Luther war das zuwider. Schon auf seiner Romreise hatte er sich über den Umgang mit Geld innerhalb der Kirche empört. Etwa ein Jahr vor dem Thesenanschlag, 1517, begann Luther, gegen den Ablasshandel zu predigen.

Am 31. Oktober 1517 soll Luther schließlich seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an der Tür des Haupteinganges der Schlosskirche Wittenberg angebracht haben - der Zündfunke für die Reformation.


 

5. Thesendiskussion in Heidelberg

ARCHIV - Ansicht von Altstadt und Schloss in Heidelberg (Archivfoto vom 14.07.2005). Die Stadt Heidelberg umgibt ein Flair aus Romantik und Tradition. Die berühmten Sehenswürdigkeiten locken jedes Jahr gut drei Millionen Touristen an den Neckar. Aus der Stadt der Romantik wird aber auch zunehmend eine Stadt der Wissenschaft, lobt der Geschäftsführer der IHK Rhein-Neckar. Foto: Ronald Wittek dpa/lsw (zu lsw-Korr: "Neckarstadt Heidelberg im Wandel" vom 22.06.2006)  +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Altstadt und Schloss in Heidelberg. In der Universitätsstadt konnte Luther etwa ein halbes Jahr nach seinem Thesenanschlag in Wittenberg über das Thema diskutieren. | Bild: Ronald Wittek (dpa)

Etwa ein halbes Jahr nach Luther Thesenanschlag in Wittenberg hatte der Reformator die Möglichkeit, an der Heidelberger Universität seine Ansichten zu diskutieren. Die Professoren teilten jedoch Luthers Ansichten hinsichtlich der Rechtfertigung vor Gott nicht. Bei der Rechtfertigung geht es um die Frage, wie ein durch Sünden beschmutztes Verhältnis zwischen Mensch und Gott wieder in Ordung kommen kann. Bei den Studenten, die der Diskussion lauschten, fielen Luthers Thesen auf fruchtbaren Boden.

Unter den Zuhörern befanden sich einge Personen, die später als Reformatoren Bekanntheit erlangen sollten: Johannes Brenz, Martin Frecht, Martin Bucer, und Theobald Billican. Sie setzten die Reformation im Südwesten durch.

 

6. Vor dem Wormser Reichstag

Eine Szene, die den Reformator Martin Luther vor dem Reichstag in Worms zeigt, ist am 13.02.2017 in Worms (Rheinland-Pfalz) als Teil des Luther-Denkmals im Heylshofpark zu sehen. 1521 weigerte sich der Mönch Martin Luther auf dem Reichstag in Worms, seine als aufrührerisch bezeichneten Lehren zu widerrufen. Das Datum gilt als ein wichtiges Datum der Reformation. Foto: Uwe Anspach/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Eine Szene, die den Reformator Martin Luther vor dem Reichstag in Worms zeigt, ist in Worms (Rheinland-Pfalz) als Teil des Luther-Denkmals im Heylshofpark zu sehen. 1521 weigerte sich der Mönch Martin Luther auf dem Reichstag in Worms, seine als aufrührerisch bezeichneten Lehren zu widerrufen. Das Datum gilt als ein wichtiges Datum der Reformation. | Bild: Uwe Anspach (dpa)

1520 vollzog Luther den endgültigen Bruch mit der Kirche, indem er eine Bannandrohungsbulle des Papstes und einige Schriften der Scholastik und des kanonischen Rechts verbrannte. In der Bulle, einer Urkunde des Papstes, wurden 41 Sätze Luthers verdammt und man setzte ihm eine Frist von 60 Tagen, um sich zu unterwerfen - ansonsten drohe ihm der Kirchenbann, also der Ausschluss. Mit einer weiteren Bulle, dem Decet Romanum Pontificem, wurde Martin Luther schließlich am 3. Januar 1521 exkommuniziert.

Durch die Unterstützung einiger deutschen Fürsten erhielt Luther allerdings die Möglichkeit, vor dem Wormser Reichstag und Kaiser Karl V. eine letzte Verteidigungsrede zu halten.

Dort erklärte Luther, wohlwissend, dass das seinen Tod bedeuten könnte, dass er seine Ansichten nicht widerrufen könne. Sein Ausspruch: "Hier stehe ich und kann nicht anders", fiel dabei nicht. Vielmehr sagte er: "Gott helf mir! Amen."

Darauf reagierten Fürsten und Kaiser mit dem Wormser Edikt, womit nicht nur Luthers Schriften verboten wurden, der Reformator wurde auch vogelfrei erklärt.
 

7. Auf der Wartburg

Die Wartburg in der Morgensonne, aufgenommen am 11.04.2017 in Eisenach (Thüringen). Ein originalgetreuer Nachbau von "Luthers Reisewagen" wird am selben Tag von Handwerkern auf der Wartburg aufgebaut. Der etwa 4,20 Meter lange und 2,60 hohe Wagen wirbt im Burghof vor dem Palas für die nationale Sonderausstellung "Luther und die Deutschen", die am 4. Mai öffnet. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Auf der Wartburg in Eisenach (Thüringen) blieb Luther inkognito bis März 1522. Hier übersetzte er die Bibel ins Deutsche. | Bild: dpa

Auf der Rückreise vom Wormser Reichstag wurde Luther entführt. Kurfürst Friedrich der Weise hatte den Überfall inszeniert, um den mit Kirchenbann und Wormser Edikt belasteten Reformator zu schützen. Viele glaubten damals sogar, er sei umgebracht worden. 

Er wurde daraufhin in der Wartburg einquartiert und lebte dort etwa bis 1522 unter dem Namen "Junker Jörg". Zum Ende seines zehnmonatigen Aufenthalts übersetze er in wenigen Wochen das Neue Testament ins Deutsche. Dabei übersetzte er nicht wortgenau, sondern versuchte den Sinn der biblischen Aussagen ins Deutsche zu übertragen. Dafür erschuf er einige Worte neu, wie etwa: "Feuertaufe", "Schandfleck" oder "Machtwort".


 

8. Heirat mit Katharina von Bora

Zwei Cranach-Gemälde, die Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora zeigen, betrachtet am Dienstag (04.03.2003) eine Frau in der neuen Dauerausstellung des sanierten und teilweise neu gestalteten Lutherhauses in Wittenberg. Die Exposition der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Lutherhalle, die am Donnerstag (06.03.2003) eröffnet wird, zeigt neben den historischen originalen Gegenständen von Luther auch viele neu angkaufte Kunstwerke und Gegenstände aus der Lutherzeit. Das ehemalige Wohnhaus des Reformators Martin Luther (1483-1546) war zuvor innerhalb von rund zwei Jahren für fünf Millionen Euro umfassend saniert und im Oktober 2002 wieder eröffnet worden. Fotografin: Waltraud Grubitzsch dpa/lah |
Zwei Cranach-Gemälde, die Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora zeigen, sind in der Dauerausstellung des sanierten und teilweise neu gestalteten Lutherhauses in Wittenberg zu sehen. | Bild: dpa

Katharina von Bora war eine Ordensschwester und sächsische Adelige. Sie wurde von ihrem Vater in das Augustiner-Chorfrauenstift Brehna, wo sie lesen und schreiben lernte. Dort kam sie auch in Kontakt mit Luthers ersten Schriften. Davon inspiriert entschied sie sich, gemeinsam mit einigen anderen Ordensschwestern, den Stift zu verlassen. Sie baten Luther um Hilfe, der ihnen einen Wagen schickte, auf dem sie sich versteckten und fliehen konnten. Sie fürchteten sich, nach Hause zurückzukehren und wurden von Luther an Männer vermittelt, die sie heirateten und bei denen sie leben konnten.

Luther selbst heiratete schließlich 1525 Katharina von Bora. Sie kümmerte sich um Luthers Länderein und betrieb zu Zeiten, als die Pest grassierte, ein Hospiz, in welchem sie Kranke pflegte. Luther und Bora lehnten beide den Zölibat ab und sahen die Ehe nicht als ein Sakrament an. Die Hochzeit eines Mönches und einer Nonne erschien vielen Zeitgenossen allerdings wie eine schwere Sünde.

Käthe, wie Luther seine Ehefrau nannte, wurde zu einer wichtigen Person in seinem Leben. Sie beherbergte Studenten und sorgte so für ein finanzielles Einkommen. Luther selbst sagte über sie: "Dass der Teufel meiner nicht habhaft werden konnte, ist wohl allein meiner Käthe zu verdanken." Die beiden hatten zusammen sechs Kinder. 

 

9. Auf der Coburger Veste

ARCHIV ++ Blick auf die Veste Coburg am 26.11.2014 in Coburg (Bayern). Die Burg wurde erstmals 1056 urkundlich erwähnt. Heute gehört sie zu den touristischen Aushängeschildern Oberfrankens. Die vom demografischen Wandel gebeutelte Region verliert weniger schnell an Bevölkerung als prognostiziert. Foto: Daniel Karmann/dpa (zu dpa "Oberfranken schrumpft deutlich langsamer als vorhergesagt" vom 24.01.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
In der Coburger Veste suchte Martin Luther wärend des Augsburger Reichstages Zuflucht. Dort wollten Luthers Anhänger den evangelischen Glauben reichsrechtlich anerkennen lassen. | Bild: Daniel Karmann (dpa)

1530 fand in Augsburg ein Reichstag statt. Kaiser Karl V. wollte vor allem die Problematik des nahenden Türkenheeres ansprechen und die Probleme in Glaubensfragen besprechen. Luther, der immer noch als vogelfrei galt, konnte sich nicht nach Augsburg wagen und suchte Zuflucht in der Coburger Veste. An seiner statt reiste sein Freund Philipp Melanchthon zum Reichstag. Er hatte den Glauben Luthers und seiner Anhänger in einem Glaubensbekenntnis zusammengefasst. Ziel war es, den protestantischen Glauben reichsrechtlich anerkennen zu lassen. Luther hielt in dieser Zeit ständigen Briefkontakt zu Melanchthon.

Die Hoffnungen der Protestanten wurden in Augsburg jedoch enttäuscht. Der Kaiser verbot die evangelische Predigt und forderte die Teilnahme der Protestanten an der Fronleichnamsprozession. Die deutsche Version der "Confessio Augustana", dem schriftlichen Glaubensbekenntnis der Protestanten, wurde am 25. Juni 1530 vom sächsischen Kanzler und Rechtsgelehrten Christian Beyer verlesen und schließlich an Karl V. übergeben.

10. Tod

Das Bahrtuch (r) in dem Sterbezimmer des Museums «Luthers Sterbehaus» und die Schlafkammer (l), aufgenommen am 30.01.2014 in Eisleben (Sachsen-Anhalt). In dem Museum wird über das Leben des Reformators Martin Luther (1483-1546) informiert und seine Schlafkammer gezeigt. Foto: Peter Endig/dpa (zu dpa «Tod und Sterben - Neues Luther-Museum lockt auch junge Besucher» vom 31.01.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Das Bahrtuch (rechts) in dem Sterbezimmer des Museums "Luthers Sterbehaus" und die Schlafkammer (links) in Eisleben. | Bild: Peter Endig (dpa-Zentralbild)

Am 18. Februar 1546 starb Martin Luther in Eisleben. Er hatte sich dorthin begeben, um Streitigkeiten zwischen Mansfelder Fürsten zu schlichten. Schon länger hatte der Reformator mit einem Herzleiden zu kämpfen. Nach seinem Tod wurde er nach Wittenberg überführt und dort in der Schlosskirche bestattet. Bis 1545 hatte Luther in Wittenberg noch Vorlesungen gehalten und gepredigt.