Im Landkreis Konstanz kamen die Ausläufer des Erdbebens vielen bekannt vor: Im November hatte es im Hegau eine Serie von Erdbeben gegeben, die schwersten, mit Epizentrum unter dem 8500-Einwohner-Ort Hilzingen, erreichten Stärken von 3,0 und 2,6 auf der Richterskala. In der Konstanzer Innenstadt war das Schweizer Beben von Montagabend stellenweise deutlich spürbar: Mehrere Sekunden lang vibrierten Fußböden, Decken und Wände. „Paradies hat gerade gewackelt“, schrieb etwa ein Facebook-User einer Gruppe, die sich über das Stadtgeschehen austauscht, über den Stadtteil Paradies.

Nachdem sich in mehreren Landkreisen Bürger bei der Polizei erkundigt hatten, setzte das Polizeipräsidium Konstanz einen Tweet ab: „Erdbeben spürbar bis in die Landkreise Konstanz und Bodenseekreis, noch keine Schäden gemeldet.“ Auch am Dienstagnachmittag waren laut Bernd Schmidt, Pressesprecher der Polizei in Konstanz, keine Schäden bekannt.

Im Bodenseekreis: Auch wenn das Beben in Überlingen und Umgebung deutlich zu spüren war, gab es keinerlei Schäden oder Notrufe, teilt das Polizeirevier Überlingen mit. Auch bei der Stadtverwaltung sind keine Meldungen im Zusammenhang mit dem Erdbeben eingegangen. Dasselbe Bild in Owingen: Laut Bürgermeister Henrik Wengert gab es auch in seiner Gemeinde keinerlei Probleme.
In Teilen des Landkreises Sigmaringen war das Beben ebenfalls zu spüren, Anrufe besorgter Bürger gab es indes keine, teilt die Polizei in Meßkirch und in Pfullendorf mit.

Anders beim Polizeipräsidium Tuttlingen: Laut einem Sprecher meldeten sich dort fünf besorgte Bürger per Telefon. Der Polizeisprecher, der in Mühlheim a.d.D. wohnt, gibt sein eigenes Erlebnis des Bebens wieder: „Es hat bei uns gerumpelt und mein Junior kam runter und fragte, was los ist.“ Im östlichen Bodenseekreis und in der Kreisstadt Friedrichshafen haben vereinzelt Leser das Erdbeben am Montagabend wahrgenommen. Die Schilderungen auf SÜDKURIER-Facebookseiten reichen von „nichts gemerkt“ bis zu „relativ stark“. Besorgte Anrufe gingen in Friedrichshafen weder bei der Polizei noch bei der Feuerwehr ein, wie Polizeisprecher Fritz Bezikofer und Stadtbrandmeister Louis Laurösch auf Anfrage berichteten.



Am Hochrhein war das Schweizer Beben deutlich zu spüren. Zeugen berichten von wackelnden CD-Ständern, klirrenden Schüsseln in den Schränken und dem typischen Vibrieren im Boden. Während in anderen Orten Anrufe bei der Polizei eingegangen seien sollen, griffen die Waldshut-Tiengener nicht zum Telefon. Paul Wißler, Sprecher der Polizei in der Doppelstadt: „Das Erdbeben wurde polizeiintern gemeldet. Rückmeldungen aus der Bevölkerung blieben allerdings aus. Es ist auch zu keinem Einsatz gekommen.“ Dementsprechend seien dem Polizeisprecher auch keine Schadensmeldungen bekannt. Ihm persönlich sei, wie nicht wenigen Anderen in der Region, das Beben gar nicht aufgefallen: „Meine Frau hat es aber gespürt. Das scheint von den Menschen abzuhängen.“

Im Schwarzwald: Das Erdbeben war im Raum Villingen stärker und in Schwenningen wie etwa auch in St. Georgen offenbar nur in bestimmten Stadtabschnitten zu spüren, berichteten Leser am Montagabend auf der Facebookseite des SÜDKURIER. Die Reaktionen der Menschen fallen dabei höchst unterschiedlich aus. Viele sorgten sich sehr vor einem stärkeren Nachbeben.

In Bad Dürrheim, Tuningen, Brigachtal sowie in den Villinger Ortschaften Rietheim und Pfaffenweiler berichten Bürger von deutlichen Wahrnehmungen wie etwa „einem Schlag“ oder „einem deutlichen Ruck“. Andere geben an, „das ganze Haus habe richtig gewackelt". Aus Bräunlingen berichtet eine Frau, bei ihr habe der Schrank vibriert. Aus Niedereschach schreibt eine Dame, „es war, wie wenn jemand eine Türe zugeschlagen hat“.

Paradox: Bei vielen Paaren war es so, dass ein Partner die Erschütterung deutlich spürte und der andere überhaupt nicht, obwohl beide in derselben Wohnung waren. Übereinstimmend wird angegeben, dass die unheimliche Erdbewegung etwa zwei bis drei Sekunden angedauert habe. Viele Leser waren sich auch unsicher, ob sie sich das Ganze nur eingebildet haben könnten. Den sofortige Erfahrungsaustausch auf der Facebookseite des SÜDKURIER empfanden sehr viele Bürger als sehr hilfreich und auch als beruhigend, nachdem klar war, dass es lediglich Ausläufer aus der Schweiz waren, die in der Region Schwarzwald-Baar zu spüren waren.

Am 3. September 1978 erschütterte das bis heute schwerste Beben, ausgehend vom Zollernalbgraben, die weitere Region. Schwer betroffen war die Gemeinde Tailfingen bei Balingen. 275 Millionen Mark hoch war der Sachschaden damals. Um 6 Uhr morgens hatte hier die Erde massiv gebebt. Auf der Richterskala wurde diese Erschütterung mit 5,7 gemessen.

Deutschland gilt international als ruhigeres Erdbebengebiet. Dennoch wurden in den vergangenen Jahren etwa im Raum Villingen-Schwenningen die Bauvorschriften für Statiker verschärft. Hauptauslöser war allerdings der Einsturz eines Eishallendachs unter Schneelast in Bayern.