Zur Grenze ins benachbarte Allgäu sind es nur wenige Kilometer. Dort soll ein Wolf erst kürzlich mehrere Kälber im Oberallgäu gerissen haben. Experten bezweifeln derzeit, dass dasselbe Tier jetzt in Vorarlberg unterwegs ist.

Bissspuren deuten auf Wolf hin

Hubert Schatz, Landeswildbiologe in Vorarlberg, der die toten Schafe untersucht hat, ist sich ziemlich sicher, dass die Tiere von einem Wolf gerissen wurden. „Die Bissspuren und die anderen Hinweise lassen vermuten, dass es sich um einen Wolf gehandelt hat“, erklärte Schatz im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Endgültige Klarheit müsse aber der DNA-Abgleich bringen, so Schatz weiter.

Analyse dauert mehrere Wochen

Die Analyse der Spuren könne aber einige Wochen dauern. Nach Angaben des Landeswildbiologen könne der DNA-Abgleich auch zeigen, ob es sich bei dem Wolf, der jetzt in der Nähe von Hittisau unterwegs sein dürfte, um dasselbe Tier wie im Allgäu handelt. „Ich denke, das wäre theoretisch möglich, da die Tiere bis zu 70 Kilometer am Tag zurücklegen können, aber eigentlich laufen die Wölfe nicht hin- und her“, so Schatz weiter.

Kein Grund zur Panik für Wanderer

Einen Grund zur Panik für Wanderer und Spaziergänger sieht der Wildbiologe nicht, trotzdem mahnt er zur Vorsicht: „ Ein Wolf ist ein Raubtier, das zwar in 99,9 Prozent aller Begegnungen mit Menschen wegläuft, aber ein Wolf ist und bleibt ein Raubtier und man sollte aufmerksam im Wald unterwegs sein“, erklärte er. Der Landeswildbiologe hält es auch für möglich, dass das Tier kein reinrassiger Wolf ist, beispielsweise Hundeblut in seinen Adern fließen könnte und das Raubtier deshalb möglicherweise weniger Furcht vor Menschen habe als ein reinrassiger Wolf.

Wölfe nicht immer menschenscheu

„Ein Wolf muss nicht zwingend menschenscheu sein, es kommt darauf an, wo er aufgewachsen ist. Es gab jetzt schon mehrere Jahre bei uns keinen Wolf mehr", so der Experte. Beim Land Vorarlberg ist man eigenen Angaben zufolge gerüstet: „Wir sind jedenfalls vorbereitet, ein Maßnahmenplan für das weitere Vorgehen ist bereits ausgearbeitet. Deshalb wurden die benachbarten Alpen von der zuständigen Fachabteilung des Landes kontaktiert und ersucht, das Vieh möglichst genau zu beobachten und in der Nacht an gesicherten Plätzen unterzubringen", wird der zuständige Landesrat Christian Gantner in einer Mitteilung des Landes Vorarlberg zitiert.