Bregenz – Sein Schreibtisch hat schon dem Großvater gehört. Groß, wuchtig und aus dunklem Holz steht er im Büro in der Talstation. "Der Großvater hat ihn nicht viel genutzt, er war viel unterwegs. Er hat immer gesagt: Ich arbeite mit dem Kopf, nicht mit dem Hintern auf einem Stuhl", sagt Thomas Kinz. Er ist Vorstand der Pfänderbahn, wie vor ihm sein Vater Hubert und Großvater Ferdinand Kinz. In diesem Jahr wird das 90-jährige Bestehen der Pfänderbahn gefeiert.

Ferdinand Kinz war Rechtsanwalt, Operntenor, Landesjägermeister, Reichstagsabgeordneter, Sparkassendirektor und 23 Jahre lang Bürgermeister von Bregenz. Er initiierte mit seinen Brüdern Otto und Alfred die Pfänderbahn-Aktiengesellschaft. Das Land Vorarlberg, die Gemeinden Bregenz, Lindau und Lochau sowie Privatleute machten mit. Die Bahn sollte das Berghotel und das Restaurant "Pfänderdohle" besser zugänglich machen. "Mein Urgroßvater hatte das Hotel gekauft. Es lief nicht gut, die Gäste mussten zu Fuß mit Mauleseln hochlaufen", sagt Kinz. Den heutigen Wanderweg legte der Urgroßvater als Transportweg für Ochsenkarren an. Schon er hatte über eine Bahn nachgedacht. Mit Elektrotechnik-Pionier Friedrich Wilhelm Schindler entwarf er Pläne für eine elektrische Zahnradbahn. "Das Gelände ist sehr schwierig, es ist ein Konglomerat aus Kiesgeröll und Sandstein, kein Fels", sagt Kinz. Erst mit dem Ersten Weltkrieg kam der technische Durchbruch: "Der Südtiroler Luis Zuegg entwickelte das Prinzip der gespannten Seilbahn. Die braucht weniger Stützen." So wurden in den Dolomiten die Stellungen im Krieg versorgt. Dieses Prinzip nutzte die Pfänderbahn.

Heute befördert die Bahn bis zu 80 Personen in sechs Minuten Fahrzeit auf den Gipfel des 1054 Meter hohen Pfänders.
Heute befördert die Bahn bis zu 80 Personen in sechs Minuten Fahrzeit auf den Gipfel des 1054 Meter hohen Pfänders. | Bild: Corinna Raupach

Vier Stützen hatte die Originalbahn. Maultiere, Männer und Ochsenkarren schleppten Betonsäcke und Stahlteile den Berg hinauf, bis zu 300 Personen arbeiteten am Berg. Die Herausforderungen für Planer, Architekten und Ausführende waren enorm: Sie konnten auf keinerlei Erfahrungen oder Vorschriften zurückgreifen. "Der Architekt für die Stationen musste etwas entwerfen, das es noch gar nicht gab", sagt Kinz. Für das Fundament der ersten Stütze mussten die Arbeiter tiefer graben und mehr Beton verarbeiten als geplant. "Die Stütze wurde 'Millionenloch' genannt, sie hätte fast die Finanzierung zum Kippen gebracht", sagt Kinz. Im ersten Betriebsjahr stand die Bahn 60 Mal still. Trotzdem brachte sie 1927 100 000 Fahrgäste auf den Pfänder.

1933 trat die "Tausendmarksperre" in Kraft: Die Nationalsozialsten verfügten, dass deutsche Urlauber an der Grenze zu Österreich eine Ausreisegebühr von 1000 Reichsmark zahlen mussten – eine Wirtschaftssanktion, die grenznahe Ausflugsziele besonders betraf. Stammgäste aus Lindau und Friedrichshafen blieben aus. Mit dem Juliabkommen hob Deutschland 1936 die Sperre auf, 1938 wurde Österreich annektiert. Die Ausflügler kamen zurück und zusätzlich Teilnehmer an Aktionen der NS-Freizeitorganisation "Kraft durch Freude".

Ferdinand Kinz erlebte diesen Wiederaufschwung nicht mehr, er starb 1935 während der Jagd an einem Schlaganfall. Er hinterließ den 14-jährigen Ferdinand Anton und den zwölfjährigen Hubert, Thomas Kinz' Vater. Nach dem Tod der Mutter zwei Jahre später ließen die beiden sich von der Großmutter bekochen und gingen weiter zur Schule. "Sie kümmerten sich um den Familienbesitz", erzählt Kinz. "Wenn Entenjagd war, nahm mein Vater das Gewehr mit in die Schule und ging in der großen Pause Enten schießen." Die Bahn leitete Bürgermeister Matthias Wachter, dann Sepp Luger, Techniker, Künstler und Schwiegersohn von Mitgründer Alfred Kinz.

Die Tragseile der Firma Austria Draht erreichen 1926 den Bahnhof Bregenz. Bilder: Pfänderbahn/Corinna Raupach
Die Tragseile der Firma Austria Draht erreichen 1926 den Bahnhof Bregenz. Bilder: Pfänderbahn/Corinna Raupach | Bild: Pfänderbahn
Der Bau der Talstation 1927 – die Pläne für die Stationen entwarf der Architekt und Baurat Willibald Braun.
Der Bau der Talstation 1927 – die Pläne für die Stationen entwarf der Architekt und Baurat Willibald Braun. | Bild: Pfänderbahn

Den Krieg überstand die Bahn intakt, bis auf eine Beschädigung des Tragseils durch einen Granatsplitter. Auch die Besucherzahlen blieben konstant. 1947 übernahm Ferdinand Anton Kinz Pfänderhotel und Pfänderdohle. Er gründete zum 50. Jubiläum der Bahn den Wildpark, in dem Rotwild, Steinböcke, Mufflons und Murmeltiere leben. Sein Sohn Ferdinand betreibt heute die Restaurants auf dem Pfänder.

Hubert Kinz studierte nach russischer Kriegsgefangenschaft Jura und Politikwissenschaft und wurde Rechtsanwalt und Vize-Bürgermeister von Bregenz. 1953 übernahm er den Vorstand der Pfänderbahn. Unter seiner Ägide fand der Umbau im Winter 1994/95 statt: zwei Stützen statt vier, barrierefreie Zugänge, Spielbereiche im Einstiegsbereich. "Für den Transport der Schulterstücke – die sind elf Meter breit – mussten wir die Straße neu befestigen", sagt Thomas Kinz, der den Umbau als Architekt betreute. Seit 2001 ist er Vorstand der Pfänderbahn. Er fühlt sich den Traditionen seiner Familie verbunden.

"Bei uns gibt es Natur und Genuss, nicht einen Event nach dem anderen", sagt er. Einen Tagungsraum mit Panoramablick auf der Bergstation kann er sich noch vorstellen. Die Naturverbundenheit führt er als nachhaltiges Management weiter. Er legt Wert auf kurze Wege und arbeitet mit regionalen Firmen und Zulieferern zusammen. Die AG investiert stetig in Sicherheit und Technik. "Aber wenn etwas funktioniert und gut ist, behalten wir es." So wie seinen Schreibtisch.

Mit einer Ansprache von Bürgermeister und Bahnvorstand Ferdinanz Kinz würde die Pfänderbahn am 20. März 1927 feierlich eröffnet.
Mit einer Ansprache von Bürgermeister und Bahnvorstand Ferdinanz Kinz würde die Pfänderbahn am 20. März 1927 feierlich eröffnet. | Bild: Pfänderbahn

Gestern und heute

Am 20. März 1927 wurde die Pfänderbahn als dritte Seilschwebebahn Österreichs eröffnet. Von Juni 1926 bis März 1927 dauerte der Bau. Sie ersetzte den Transport mit Ochsenkarren zwischen Bregenz und den Gaststätten auf dem 1054 Meter hohen Pfänder. Dabei überwindet sie 606 Höhenmeter. Sie wurde mehrfach überarbeitet und im Winter 1994/95 komplett neu errichtet. 1974 brannte das Pfänderhotel ab, an seiner Stelle steht das Restaurant Berghaus Pfänder. 1935 entstand der erste Skilift, 1977 kam der Alpenwildpark hinzu, 1998 das Pfänderbahn-Museum. Im ersten Jahr verzeichnete die Bahn 200 000 Beförderungen, heute sind es rund 600 000. Seit Bestehen nutzten fast 36 Millionen Gäste die Bahn. Heute befördern zwei Kabinen bis zu 80 Personen in sechs Minuten Fahrzeit auf den Gipfel. Die Bahn fährt täglich zwischen 8 Uhr und 19 Uhr.