Vorarlberg – Die einen hoffen, dass es möglichst bald losgeht, die anderen wollen den geplanten Markt des schwedischen Möbelkonzerns Ikea in der Vorarlberger Gemeinde Lustenau auf jeden Fall verhindern. Am 27. Mai wird es eine Volksabstimmung darüber geben, ob Ikea nach Lustenau kommen soll oder nicht. Die Frage, die die rund 16 500 Stimmberechtigten mit Ja oder Nein beantworten können, ist folgende: "Soll die Marktgemeinde Lustenau die Firma Ikea durch entsprechende Flächenwidmung, trotz zu erwartendem Mehrverkehr, ansiedeln?"

Die Vertreter der Bürgerinitiative Lebenswertes Lustenau legen großen Wert darauf, nicht als Kritiker des Unternehmens Ikea gesehen zu werden. Ihnen gehe es um eine Aufwand-Nutzen-Rechnung und darum, dass ihre Gemeinde weiterhin lebenswert bleibe. Der Ikea-Konzern selbst wartet erst einmal ab. Barbara Riedl, PR-Managerin von Ikea Austria, bittet um Verständnis, "dass wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr zu diesem Thema sagen können als bereits gesagt. Wir haben in der Vorwoche einen offenen Brief an die Bürger von Lustenau geschickt." Neben dem zweiseitigen Brief, in dem sich der Konzern erstmals direkt an die Einwohner wandte, wurde ein vierseitiger Brief direkt an die Bürgerinitiative geschickt.

Hintergrund ist die Tatsache, dass der Konzern seit 25 Jahren nach einem Standort in Vorarlberg sucht. Fündig wurden die Schweden schließlich in Lustenau. Dort gibt es etwa vier Kilometer vom Dornbirner Messezentrum entfernt ein rund 20 000 Quadratmeter großes Grundstück, das nach Angaben des Lustenauer Bürgermeisters Kurt Fischer schon seit Jahren eine Widmung als Standort für ein Einkaufszentrum hat. Ikea hat mit Zustimmung des Gemeinderats und unter aufschiebenden Bedingungen das Areal gekauft und will dort eine Verkaufsfläche von rund 10 000 Quadratmetern schaffen.

Die Mitglieder von Lebenswertes Lustenau befürchten, dass es auf der Dornbirner Straße, die bereits von vielen Autofahrern genutzt wird, zu einem Verkehrskollaps kommen könnte. "Die Zahlen, die unsere Bürgerinitiative als Maßstab nimmt, sprechen von mindestens 4500 Autos mehr am Tag. Diese Zahl wurde auch vom Bürgermeister und von der Landesregierung so bestätigt", erklärt Simone Grabher, Sprecherin der Bürgerinitiative. Ikea selbst geht von anderen Zahlen aus: Der Konzern hat einen lokalen Verkehrsexperten die Situation untersuchen lassen und kommt zu dem Schluss, dass durch die Ansiedlung des Möbelhauses lediglich zwei Prozent mehr Verkehr entstehen dürften, was 3800 Autos entspreche.

Das sieht der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer ähnlich: "Ich bin sicher, dass der Verkehr auch ohne Ikea nicht viel weniger werden würde, es gibt jetzt schon viel Verkehr, durch die Grenze zur Schweiz, durch Transit und Besucher, die nach Dornbirn oder weiter nach Deutschland fahren." Fischer hofft, dass durch die Ikea-Ansiedlung neben 240 Arbeitsplätzen und mehr Gewerbesteuereinnahmen weitere Synergieeffekte für seine Gemeinde entstehen könnten. "Wir sind für Ikea, weil es da ganz eindeutige Zahlen gibt: Lustenau hat 18 000 Quadratmeter Verkaufsflächen. Zum Vergleich: Dornbirn hat 106 000. Wenn Ikea nicht kommt, dann versinken wir in die völlige Bedeutungslosigkeit und werden ein Ort nur für den Durchgangsverkehr", befürchtet Fischer. Er gibt auch zu bedenken, dass das Gelände bei Weitem nicht so begehrt sei, wie die Mitglieder der Bürgerinitiative glaubten: "Es gibt nicht gerade viele Firmen, die für die Flächen hier Schlange stehen."

Das sehen die Vertreter der Bürgerinitiative nicht so. Sabine Grabher sagt: "Wir wissen von einigen Unternehmen, die an diesem Filetstück der freien Lustenauer Grundstücke interessiert sind. Diese wurden bis dato aber immer abgewiesen, da sich die Gemeinde hier anscheinend einen Handelsbetrieb wünscht, obwohl etwa vier Kilometer weiter östlich der große Messepark ist."

Jetzt kommt es zur Volksabstimmung. Der Bürgermeister will auf der Homepage der Gemeinde laufend über den Stand in Sachen Ikea informieren, "sachlich und neutral", wie er betont.

Projekt Ikea

Seit 1966 hat es in Vorarlberg auf Landesebene zwei Volksabstimmungen und auf Gemeindeebene 34 gegeben. In Lustenau gab es die letzte Volksabstimmung vor 20 Jahren. Sollten sich die Lustenauer gegen die Ansiedlung aussprechen, wird es hier kein Ikea geben.

Falls die Ikea-Niederlassung kommt, soll sie eine Verkaufsfläche von rund 10 000 Quadratmetern haben und für 240 Arbeitsplätze sorgen. Nach Angaben der Gemeinde Lustenau geben die Bewohner der Region 50,7 Millionen Euro jährlich in Deutschland aus, davon 8 Millionen Euro für Möbel.

In der weiteren Region gibt es Ikea-Niederlassungen im schweizerischen St. Gallen, in Ulm und in Innsbruck in Tirol sowie ab Ende 2019 in Memmingen an der A 96. Der Markt hier wird eine Verkaufsfläche von 47 700 Quadratmetern haben. Ikea wird 100 Millionen Euro investieren und 300 Mitarbeiter beschäftigen.