Vorarlberg/Allgäu – Jetzt steht fest: Das Tier, das vor drei Wochen auf einer Alpe in der Vorarlberger Gemeinde Hittisau drei Schafe gerissen hat, war ein Wolf. DNA-Analysen haben dies bestätigt. Der Vorarlberger Wildbiologe Hubert Schatz weiß aber derzeit noch nicht, ob es sich bei dem Tier um denselben Wolf handelt, der Anfang August im Oberallgäu fünf Kälber gerissen hatte.

Wildbiologe: Tier kommt aus Deutschland oder Böhmen

"Wir wissen jetzt, dass es ein Wolf war, aber nicht, ob es dasselbe Tier ist, das im Oberallgäu gesichtet worden ist", erklärte Schatz im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Fest stehe aber, dass der Wolf aus der sogenannten nördlichen Population stammt. "Damit haben wir den Nachweis, dass erstmals bei uns ein Wolf in Vorarlberg nicht aus der Schweiz oder Italien kommt, sondern ganz sicher aus Deutschland oder Böhmen", erklärt der Wildbiologe.

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Abklärung läuft, ob Vorarlberger Wolf mit Allgäuer identisch ist

Da die DNA-Analysen sowohl für den österreichischen, als auch für den Allgäuer Wolf im selben Labor gemacht werden, soll laut Schatz bald feststehen, ob es sich um ein oder zwei Tiere handelt. Sicher weiß man aber auch vom Allgäuer Wolf, dass er aus der nördlichen Population stammt.

Wölfe können am Tag bis zu 70 Kilometer laufen

Nach Angaben von Hubert Schatz ist der Wolf in Vorarlberg seit dem Vorfall vor rund drei Wochen nicht mehr gesichtet worden und hat wohl auch keine weiteren Nutztiere gerissen. Schatz gibt aber zu bedenken, dass Wölfe am Tag bis zu 70 Kilometer laufen können und das Tier unter Umständen schon in Tirol oder der Schweiz sein könnte, aber auch in Deutschland. In Vorarlberg war zuletzt vor drei Jahren ein Wolf gesichtet worden. Nach Angaben von Experten vermehren sich die frei lebenden Wölfe relativ stark, da sie keine natürlichen Feinde haben.

Landwirte in Oberallgäu fordern Abschuss des Wolfs

Der betroffene Landwirt in Hittisau ist vom Land Vorarlberg entschädigt worden. Mit einer Entschädigung nicht zufrieden ist dagegen der Bauer im Oberallgäu. Dort fordern Landwirte inzwischen, den Wolf abzuschießen, um weitere Schäden bei Nutztieren verhindern zu können. Die Behörden in Bayern verweigern derzeit die notwendige Abschussgenehmigung. Bei etlichen Alpabtrieben am Wochenende im Allgäu drohten Bauern damit, im kommenden Sommer ihre Tiere nicht mehr auf die hoch gelegenen Alpen zu bringen, wenn das Land nichts gegen die Wölfe unternehme. Nach Angaben aus Bayern soll demnächst ein Runder Tisch mit Vertretern aus Politik, Naturschutz und Landwirten stattfinden, um die Probleme zu klären.