Liechtenstein (hog) Schwerer Betrug, Verstöße gegen das Ausländergesetz, Zuhälterei, Geldwäsche, Besitz und Konsum von Kokain – in all diesen Punkten wurde am Montag ein ehemaliger Liechtensteiner Politiker, früheres Vorstandsmitglied der Telecom Liechtenstein, vor dem Landgericht in Vaduz für schuldig befunden. Im Juli war im Haus des Ex-Politikers ein illegales Bordell ausgehoben worden. Richter Anton Eberle setzte die achtmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung aus.

Der Angeklagte gestand lediglich den Besitz und den Konsum von Kokain ein. Die Polizei hatte in seinem Haus Reste davon gefunden. In allen anderen Anklagepunkten plädierte der 60-Jährige auf nicht schuldig. Auf die Frage nach seinem Beruf gab der Ex-Politiker an, er sei Frührentner. Er habe eine Zeit lang Sozialhilfe bezogen und dann von seiner Rente gelebt. Genau dies wurde ihm jetzt zum Verhängnis, da er, wie der Richter ihm vorwarf, in seinem Wohnhaus an drei thailändische Prostituierte über mehrere Monate Zimmer zu stark überhöhten Preisen vermietet hatte, diese Einnahmen beim Sozialamt aber verschwieg. Nach Ausführungen von Richter Anton Eberle kassierte der 60-Jährige von den Thailänderinnen zwischen 500 und 600 Euro pro Woche für Zimmer in seinem Haus. Er selbst habe zeitweise im Wohnzimmer gelebt. Der Angeklagte erklärte vor Gericht, vom Beruf der drei Frauen gewusst zu haben, mit diesem jedoch nichts zu tun gehabt zu haben. Er habe nur "ab und zu etwas Geld von den Frauen bekommen", aber keine feste Miete.

Kennengelernt hatte er die Frauen teilweise bereits 2016 in einem einschlägigen Etablissement in der benachbarten Schweiz. Auf die Frage des Richters, ob er davon ausging, dass sich die Frauen legal in der Schweiz aufhielten und dies automatisch auch für Liechtenstein gelte, bejahte er dies. "Ich dachte, auch bei uns kann ich Gäste bis zu drei Monaten bei mir wohnen lassen", gab der 60-Jährige als Begründung an. Er habe den Frauen Zimmer angeboten, da er sich im Vorfeld seines 60. Geburtstags im April 2017 in seinem großen Haus einsam gefühlt habe. Die Staatsanwältin warf ihm vor, dass er bei seinem Bildungsniveau durchaus über die Gesetze seines Heimatlandes besser informiert sein müsste.

Nach der dreistündigen Verhandlung verkündete Richter Anton Eberle das Urteil und verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, die er drei Jahre zur Bewährung aussetzte. Möglich wäre nach liechtensteinischem Recht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren gewesen. Das Urteil begründete der Richter mit der Aussage, der Verurteilte habe seine Lebensumstände geändert. Er stellte ihm deshalb eine günstige Sozialprognose aus. Der Anwalt des Ex-Politikers machte vom liechtensteinischen Recht Gebrauch und will nach vier Tagen Bedenkzeit mitteilen, ob sein Mandant das Urteil so akzeptiert.