"Natur in der Stadt": Unter diesem Motto möchte Lindau in drei Jahren Gastgeber für die Gartenschau auf der Insel sein. Doch dort, wo bald schon Blumen und malerische Beete die Besuchermassen anlocken sollen, ist derzeit Lindaus größter Parkplatz untergebracht – nämlich am Ende der Insel, auf dem künstlich angelegten Areal der so genannten Hinteren Insel. Wenn ab Ende 2019 die Vorbereitungsarbeiten für die Gartenschau beginnen, sollte kurz vor der Seebrücke auf dem Karl-Bever-Platz ein Hotel samt Tiefgarage durch einen Investor errichtet sein. So lautete der Plan. Doch dies scheitert jetzt an verschiedenen Faktoren, weshalb die Verantwortlichen der Stadt unter großem Zeitdruck eine Übergangslösung finden müssen.

Hotelbau-Vorhaben dürfte schwierig werden

Zwar gibt es eine Mehrheit im Stadtrat, die an den Plänen für ein Hotel mit 120 Betten samt Tiefgarage mit 700 Stellplätzen, gebaut von einem Investor, festhält. Doch inzwischen ist klar, dass das Vorhaben, das die Stadt Lindau europaweit ausschreiben muss, an etliche Auflagen gebunden ist, um letztendlich auch wirklich rechtssicher zu sein. Doch zu den Auflagen, die unter anderem die genaue Zahl der Stellplätze und der Zimmer vorschreiben, gibt es keine gültigen Beschlüsse.

Stadtplaner Kay Koschka ist sicher, dass die Tiefgarage nicht mehr rechtzeitig bis zur Gartenschau fertig werden würde, weshalb ein Ersatz händeringend gesucht wird. Außerdem rechnen die Verantwortlichen der Stadt schon jetzt mit einer weiteren Bauverzögerung, da sie davon ausgehen, dass es wohl einen Bürgerentscheid wegen des Hotels samt Tiefgarage geben dürfte.

Im Stadtrat gab es auch immer wieder Vorschläge, bis zum Abschluss des Investorenwettbewerbs und einem möglichen Baubeginn für Hotel und Tiefgarage übergangsweise dort ein Parkdeck zu errichten. Doch laut Berechnungen ist das viel zu teuer und könnte dann zudem die Bauarbeiten des Investors behindern.

Debatte um Schinderwiese beginnt

Jetzt gibt es Vorschläge für mögliche Übergangsstellplätze: Genannt wurde von einigen Stadträten auch eine große Wiese (Schindlerwiese), die direkt am See, neben dem Karl-Bever-Platz, liegt. Doch die darf laut einem gültigen Stadtratsbeschluss nicht bebaut oder anderweitig genutzt werden. Auch die Verantwortlichen des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Lindau haben für die Nutzung der Wiese als Parkplatz ihre Bedenken angemeldet. Die Bunten, Lindaus größte Fraktion im Stadtrat, fänden es zynisch und "frech", eine Wiese für eine Gartenschau zum Parkplatz umzuwidmen.

Außerdem wurde die Schindlerwiese erst mit großem Aufwand im vergangenen Jahr mit neuen Bäumen bepflanzt und mit einem kleinen Bachlauf versehen. Trotzdem will Lindaus Oberbürgermeister Gerhard Ecker, unterstützt vom Chef der Stadtgärtnerei, auch diese Option in einer geplanten Arbeitsgruppe prüfen lassen. Die Gruppe soll aus Vertretern der Stadtverwaltung und Mitgliedern des Stadtrats bestehen. Stadtrat und Ex-Oberbürgermeister Jürgen Müller wirft dem Amtsinhaber deswegen vor, unglaubwürdig zu sein – und hält es für das Beste, die Gartenschau am besten gleich ganz abzusagen.

Dringend benötigte Wohnungen

Falls es dazu kommen sollte, wäre das Aus für die Gartenschau möglichweise auch das Aus für ein weit wichtigeres Projekt. Denn auf der Hinteren Insel soll auf dem Gelände der Gartenschau dann nach und nach ein neues Quartier für dringend benötigte Wohnungen entstehen. Jetzt muss jedoch zuerst in einer Arbeitsgruppe geprüft werden, ob als Übergangslösung verschiedene zusätzliche Parkplätze auf der Insel, bei Firmen, Schulen und auf Werksgeländen genutzt werden könnten. Bis es soweit ist, dass ein möglicher Ersatzparkplatz gefunden ist, werden sich in den Sommermonaten und an schönen Wochenenden nach wie vor die Besuchermassen von und auf die Insel stauen.

Parkplätze

Unter dem Motto "Natur in der Stadt" wird in Lindau 2021 auf der sogenannten Westlichen Insel die Gartenschau ausgerichtet. Bis Jahresende 2019 müssen deshalb 500 Ersatzparkplätze für den Seeparkplatz gefunden werden, da dort die Gartenschau stattfinden wird. Auf dem Seeparkplatz bleiben noch 150 von insgesamt derzeit 665 Parkplätzen bestehen. Im Inselkern gibt es derzeit 594 Stellplätze und weitere 398 im Parkhaus bei der Inselhalle. Direkt vor der Insel, auf dem Karl-Bever-Platz, stehen 271 Stellplätze zur Verfügung, auf dem Park-and-Ride-Platz Blauwiese 287. Der Gesamtbestand 2018 liegt bei 2215 Stellplätzen ab 2019 sind es nur noch 1700. In einer Arbeitsgruppe sollen jetzt Möglichkeiten für weitere Parkplätze für eine Übergangszeit diskutiert werden. (hog)