Sieben der 30 Stadträte durfte nicht mitstimmen, da sie selbst oder Verwandte auf der Insel Unterkünfte vermieten. Geplant ist jetzt, im Laufe eines Jahres einen Bebauungsplan für die Insel zu erstellen und zu prüfen, wo und ob noch weitere Ferienwohnungen möglich sind. Grund für die Maßnahme waren die 26 neu eingereichten Anträge bei der Stadt für weitere Ferienunterkünfte.

Wer als Tourist auf die Lindauer Insel kommt, hat die Qual der Wahl in Sachen Ferienwohnungen. Vom Schiff, das im Lindauer Hafen vor Anker liegt (107 Euro pro Nacht) bis zur Wohnung mit Seezugang: Die Auswahl ist groß. Offiziell gibt es auf der Lindauer Insel mit seinen knapp 3000 Einwohnern in 61 Häusern nachweislich Ferienwohnungen oder Zimmer zu mieten. In manchen Straßenzügen auf der historischen Insel ist es schon jetzt gerade im Winter fast gespenstisch ruhig und viele Häuser sind dunkel. Beispielsweise "In der Grub" sind es mehrere Häuser, die unmittelbar nebeneinander liegen und fast nur noch aus Ferienwohnungen bestehen. Nicht so einfach ist es dagegen, auf der Lindauer Insel eine bezahlbare Mietwohnung zu finden. Selbst der größte städtische Vermieter, die Lindauer Wohnungsgesellschaft (GWG), bietet auf ihrer Internetseite derzeit keine freie Wohnungen an. Im Eigentum der GWG sind derzeit rund 1700 Wohnungen.

Wer auf der Lindauer Insel wohnen möchte, der muss oft tief in die Tasche greifen. Für eine Dreizimmerwohnung, oft auf Grund der Insellage ohne Keller und andere Abstellmöglichkeiten, sind Preise zwischen 1300 bis 1500 Euro keine Seltenheit. Die Chefs großer Lindauer Unternehmen wie Conti, Liebherr oder Xomox haben oft Probleme, Personal zu bekommen, weil gerade Familien durch die hohen Mietpreise abgeschreckt werden. Darum gibt es auf die Insel, auf der früher rund 6000 Menschen lebten, jetzt nur noch 3000 Einwohner und Familien werden immer weniger. Dies stellte auch Kay Koschka, Leiter der Lindauer Stadtplanung, fest: "Wir brauchen mehr Wohnraum auf der Insel. In der Insel-Grundschule waren im Schuljahr 2001/2001 noch 120 Kinder, im laufenden Schuljahr sind es nur noch 75." Auch kleine Bäckereien, Handwerksbetriebe und Einzelhändler schließen, da die Touristen nur zu bestimmten Jahreszeiten kommen und einkaufen. Wem auf der Lindauer Insel ein Haus gehört, oder wer eines kauft, finanziert die aufwendige Sanierung der meist denkmalgeschützten Häuser immer häufiger dadurch, dass Ferienwohnungen im Haus fest eingeplant werden. Dies war bislang auch ohne weiteres möglich, da nach einem Beschluss aus dem Jahr 2001 Ferienwohnungen immer dann planungsrechtlich zulässig waren, wenn das Mischverhältnis von Gewerbe und Wohnen gewahrt war. Dies soll jetzt durch den geplanten Bebauungsplan, der zunächst exemplarisch nur für die Insel gelten soll, geändert werden.

Nach Angaben der Stadtverwaltung ist bekannt, dass auf der Insel in mindestens 61 Gebäuden Ferienwohnungen oder Privatzimmer angeboten werden. Ein kurzer Blick ins Internet zeigt aber rasch: Es sind wohl viel mehr, aber die gibt es eben nicht offiziell. "Wir wissen natürlich nur von den genehmigten Wohnungen und haben weder die Zeit noch das Personal, alle zu kontrollieren. Wenn wir von einer nicht genehmigten Vermietung erfahren, dann werden wir natürlich tätig", erklärte Kay Koschka im Stadtrat.

Alleine über die offizielle Seite des städtischen Touristenbüros gibt es Dutzende von Ferienwohnungs-Angeboten. Auf der beliebten Buchungsplattform "Airbnb" sind auf der Lindauer Insel 43 Angebote für Zimmer und Wohnungen zu finden. Jetzt soll ein Expertenteam im Laufe eines Jahres untersuchen, wo und ob auf der Insel noch weitere Ferienwohnungen möglich sind. Bis der neue Bebauungsplan steht, gilt erst einmal ein Stopp für weitere Ferienunterkünfte. "Es gilt natürlich der Bestandsschutz, aber wir wollen die Insel quartiersweise betrachten und dann entscheiden, wo Ferienwohnungen verträglich sind und wo nicht", so Stadtplaner Kay Koschka. Wenn der Plan für die Lindauer Insel steht, sollen nach Aussagen der Stadtverwaltung auch die anderen Stadtteile unter die Lupe genommen werden und möglicherweise auch von dem neuen Bebauungsplan betroffen sein. Ob sich die Maßnahme auf den Wohnungsmarkt positiv auswirkt, wird sich wohl frühestens in einem Jahr zeigen.

Situation auf der Insel

Auf der historischen Lindauer Insel leben derzeit auf einer Fläche von 68 Hektar rund 3000 Einwohner, früher war es 6000. Der Stadt liegen 26 neue Anträge für Ferienwohnungen vor, die jetzt erst einmal nicht genehmigt werden.

In 61 Häusern auf der Insel gibt es offizielle Ferienwohnungen. Nicht mitgerechnet sind dabei Zweitwohnungen, die meist auch als Ferienwohnungen genutzt werden. Durch den geplanten Bebauungsplan sollen auf der Insel wieder mehr Mietwohnungen möglich sein. Dazu soll die Insel in so genannte Quartiere eingeteilt und individuell geprüft werden, wie die Mischung aus gewerblicher Nutzung und Wohnraum gewichtet ist. (hog)

Regelungen anderer Städte in der Region

  • In Zeiten von Wohnungsnot suchen einige Kommunen am Bodensee nach Instrumenten, mit denen sie den Ausbau von Ferienwohnungen, Gästezimmern und Privatvermietungen über Internetportale wie Airbnb kontrollieren oder gar stoppen können. In Konstanz beispielsweise dürfen reguläre Wohnungen nur noch während sechs Wochen im Jahr als Ferienappartements vermietet werden. Der Gemeinderat hat die Regelung, die bisher bis zu sechs Monate im Jahr erlaubte, in seiner Sitzung im Oktober 2017 verschärft. Damit hat Konstanz eine der strengsten Satzungen gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum im Land bekommen. Eine Änderung der erlassenen Regeln war beantragt worden, weil immer mehr Wohnraum dem normalen Markt entzogen und kurzfristig zum Beispiel über Netzwerke wie Airbnb vermietet wurde.
  • Zweckentfremdungsverbot: Das Gesetz über das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum (ZwEWG) wurde 2013 von der Landesregierung erlassen und dient der Bekämpfung von örtlichem Wohnraummangel. Gemeinden können eine Satzung zur Zweckentfremdung festlegen – und so die Umwandlung von Bestandswohnungen in Ferienunterkünfte, Arztpraxen, Kanzleien und so weiter genehmigungspflichtig machen. Eine Zweckentfremdung liegt aber auch dann vor, wenn Wohnraum länger als sechs Monate leer steht. Eine solche Satzung gibt es neben Konstanz in Tübingen, Stuttgart, Freiburg und Karlsruhe und ist immer auf fünf Jahre befristet. Die Gemeinde muss nachweisen können, dass Wohnungsnot besteht. (rau/sab)