An Ort und Stelle waren auch Polizeibeamten und ein privater Sicherheitsdienst. Der BUND Naturschutz Lindau konnte seinerseits die Klage gegen den Bau und die Fällarbeiten erst nach der Veröffentlichung des Baubauungsplans beim dafür zuständigen Augsburger Verwaltungsgericht einreichen. Sowohl die Verantwortlichen der Lindauer Stadtverwaltung als auch Investor Andreas Schauer wussten, dass die Zeit gegen sie arbeitet: Denn nach dem 28. Februar sind ohne aufwendige Sondergenehmigungen keine Baumfällarbeiten mehr möglich. 16 Bäume, darunter auch sehr alte Eichen, wurden bereits gefällt. Fünf weitere hätten noch gefällt werden sollen, doch die bleiben nach Angaben von Jürgen Widmer, Pressesprecher der Stadt, jetzt erst einmal stehen.

Auch beim Verwaltungsgericht in Augsburg sieht man trotz der bereits eingegangenen Klage des BUND Lindau keinen Grund zur Eile. "Die Entscheidung darüber, ob die Bäume gefällt werden dürfen, wird weder heute noch morgen fallen, da die Bäume wohl erst einmal stehen bleiben", erklärte Stefan Eiblmaier, Pressesprecher des Verwaltungsgerichts. Nach Angaben der Münchner Rechtsanwältin Lisa Eberlein, die den Lindauer BUND vertritt, gab es im Vorfeld keine juristische Möglichkeit, um die Baumfällarbeiten zu verhindern: "Die Kläger haben das richtige und übliche Rechtsmittel gegen eine Baugenehmigung eingelegt. Mit einem derart zwischen Stadt und Bauherrn abgekarteten Spiel muss man normalerweise in Deutschland nicht rechnen." Weiter äußerte die Anwältin in einer schriftlichen Stellungnahme an diese Zeitung Folgendes: "Die Kläger wollten eine richterliche Entscheidung auf der Grundlage des grundgesetzlichen Gebotes des effektiven Rechtsschutzes. Dass dieses Grundrecht durch Aushändigen der Baugenehmigung an einem Samstag um 7 Uhr ausgehebelt wurde, ist der eigentliche Skandal. Welchem Bürger wurde schon einmal ein solcher Service einer Behörde gewährt?"

Der Überlinger Investor Andreas Schauer versteht die Aufregung nur teilweise: "Keiner fällt gerne Bäume und ob die am Samstag oder am Montag gefällt werden, das spielt doch keine Rolle. Wir haben das Bad, so gut es geht, um die Bäume herum geplant und das Baufeld stand schon 2011 fest. Da hätten die Gegner schon gegen die Ausschreibung klagen können", erklärte Schauer im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Nach Angaben von Schauer waren sowohl Polizei als auch der BUND und dessen Anwältin über die Baumfällarbeiten informiert. Außerdem sagt Schauer: "Wir sind Generalunternehmer und bauen kein Luxusbad, sondern ein Bad für alle Bürger."

Beim Augsburger Verwaltungsgericht muss jetzt in den kommenden Wochen darüber entscheiden werden, ob die Klage gegen den Bau der Therme, eingereicht vom BUND Lindau, zugelassen wird. Möglich ist auch, dass noch weitere Klagen vonseiten der Anwohner eingereicht werden.