Gerhard Ecker (SPD), der sein Amt als Lindauer Oberbürgermeister noch bis März 2020 ausübt, ist schon jetzt um seine Nachfolge besorgt. Derzeit gibt es fünf Kandidaten, die sich um das Amt des Oberbürgermeisters bewerben. Doch der Amtsinhaber hält nur einen davon für geeignet, wie er den Bürgern in einem persönlichen, handgeschriebenen Brief mitteilt. Dieser kommt allerdings nicht bei allen gut an.

Handgeschriebener Brief ohne persönliche Ansprache

Unter dem Betreff „Oberbürgermeisterwahl im März 2020“ richtete Gerhard Ecker vor wenigen Tagen einen handgeschriebenen Brief an alle Lindauer, allerdings ohne irgendeine Form der persönlichen Ansprache zu wählen.

Lindaus Oberbürgermeister Gerhard Ecker (SPD) gibt seinen Bürgern jetzt schon eine Wahlempfehlung für seine Nachfolge.
Lindaus Oberbürgermeister Gerhard Ecker (SPD) gibt seinen Bürgern jetzt schon eine Wahlempfehlung für seine Nachfolge. | Bild: Susanne Hogl

Zu Beginn des Briefes schreibt Ecker: „Wie auch Ihnen, ist es mir wichtig, das weitere Schicksal Lindaus an der Stadtspitze in guten Händen zu wissen. Sie haben mir erklärt, wie sehr Sie mein Engagement für die Entwicklung Lindaus in den letzten Jahren zu schätzen wissen.“ Umso größer sei bei ihm die Freude gewesen, als sich die städtische Juristin Claudia Halberkamp um seine Nachfolge beworben habe.

Mit Kai Kattau bewirbt sich ein zweiter Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung

Mit Kai Kattau bewirbt sich noch ein weiterer Mitarbeiter Eckers, der Leiter der Garten- und Tiefbaubetriebe (GTL), um den Posten. Ihn und die anderen Kandidaten hält der Amtsinhaber aber offenbar für „weniger geeignet“. Im Wortlaut heißt es dazu in dem Brief, der an etliche Lindauer Haushalte verteilt worden war: „Angesichts verschiedener, nach meiner Wahrnehmung erheblich weniger geeigneter Gegenkandidaten, wird es für sie (Claudia Halberkamp, Anmerkung der Redaktion) nicht einfach, die OB-Wahl im März 2020 zu gewinnen.“

Der handgeschriebene Brief, den OB Gerhard Ecker an alle Lindauer gerichtet hat.
Der handgeschriebene Brief, den OB Gerhard Ecker an alle Lindauer gerichtet hat. | Bild: Susanne Hogl

Claudia Halberkamp: „Fühle mich geehrt“

Auch Nachfrage des SÜDKURIER meinte SPD-Mitglied Claudia Halberkamp zu dem Brief: „Ich fühle mich geehrt, das unser Oberbürgermeister, der für Lindau in den vergangenen Jahren Grandioses geleistet hat, mir zutraut, die Stadt in eine weiterhin gute Zukunft zu führen.“

Nicht alle ihre Mitbewerber um das erste Amt in Lindau glauben allerdings, dass Ecker Claudia Halberkamp mit der Wahlempfehlung einen guten Dienst erwiesen hat.

Daniel Obermayer: „Zum Glück nicht für mich geworben“

So meint Daniel Obermayer, der für die Bunte Liste bereits zum zweiten Mal als OB-Kandidat antritt: „Zum Glück hat er nicht für mich geworben.“ Auf Unverständnis stößt der handgeschriebene Brief Eckers, den er auch mit seiner Dienstdurchwahl versehen hat, auch bei Mathias Hotz.

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Matthias Hotz: „Warum hat er so einen Brief geschrieben?“

Der Jurist tritt für die Junge Alternative an und ist Stadtratsmitglied in Lindau. Er erklärte, er verstehe nicht, warum der amtierende OB so einen Brief verfasst habe.

Claudia Alfons: „Finde ich einfach unangemessen“

Die Juristin Claudia Alfons, ebenfalls unabhängige Kandidatin, meinte dazu: „Ich verstehe nicht, warum Dr. Ecker den Brief zu diesem Zeitpunkt verfasst hat. Ich denke, es gibt in Lindau derzeit wichtigere Themen, wie beispielsweise die Suche nach Alternativen zum abgelehnten Parkhaus. Den Brief finde ich einfach unangemessen.“ Die gebürtige Lindauerin arbeitet derzeit noch als Referentin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz in Berlin.

Stadtsprecher: „Der Brief ist ernst gemeint“

Stadtsprecher Jürgen Widmer verteidigte den Brief seines Chefs und stellte fest: „Der Brief ist ernst gemeint und der OB ist immer so lange im Büro, da macht die Dienstnummer am meisten Sinn.“ Ob und wem der Brief des amtierenden Oberbürgermeisters nutzen oder nicht nutzen wird, müssen letztendlich im kommenden Jahr die Wähler entscheiden.