700 Sitzplätze gibt es im Lindauer Stadttheater und die waren am Montagabend alle belegt und auch die Stehplätze wurden knapp: Grund dafür war das einzige Aufeinandertreffen der drei Männer, die am kommenden Sonntag Oberbürgermeister in Lindau werden möchten. Neben Amtsinhaber Gerhard Ecker (SPD) ist das der Unternehmer und Stadtrat Oliver Eschbaumer von der Bürger-Union Lindau und der Ingenieur Daniel Obermayr, der für die Bunte Liste antritt. Spannend ist der kurze Wahlkampf auf jeden Fall: Denn Oliver Eschbaumer war bis vergangenes Jahr für die CSU im Stadtrat und ist nach wie vor deren Mitglied. Nach parteiinternen Querelen gründete er zusammen mit zwei ehemaligen CSU-Stadträten die Bürger-Union Lindau. Als Oberbürgermeister-Kandidat wurde er allerdings von der FDP und der Lindau Initiative nominiert. Dafür freute und bedankte sich Amtsinhaber Gerhard Ecker (SPD) über die Unterstützung der CSU-Stadträte und der ebenfalls CSU-nahen Jungen Aktiven.

"Schön wenn wir die Inselhalle gehabt hätten, da würden 300 Besucher mehr Platz finden", sagte Oliver Eschbaumer und hatte den Applaus auf seiner Seite. Die Inselhalle, die nach Auskunft von Lindaus OB-Ecker "wahrscheinlich Ende März fertig sein wird", entpuppte sich als Streitthema Nummer 1. Eschbaumer warf dem Amtsinhaber vor, sich nicht rechtzeitig selbst um die Großbaustelle mit einem Gesamtvolumen von fast 60 Millionen Euro gekümmert zu haben. Ecker räumte zwar Versäumnisse ein, wollte aber trotzdem keine näheren Angaben über die voraussichtlich endgültigen Kosten der Inselhalle machen. "Weder ich noch sonst wer hat die Zahlen", erklärte Ecker. Daniel Obermayr erhofft sich, dass die neue Inselhalle nicht nur für hochrangige Tagungen, sondern auch von den Bürgern genutzt werden kann.

Das zweite Dauer-Streitthema war die Parksituation in Lindau. Da in den kommenden Jahren der Parkplatz auf der hinteren Insel mit mehr als 500 Jahren wegen der Landesgartenschau wegfällt, muss ein anderer inselnaher Parkplatz geschaffen werden. So soll kurz vor der Insel ein bestehender Parkplatz durch eine Tiefgarage und einen Hotelneubau ersetzt werden. "Ich werde Widerstand leisten, wenn auf den Karl-Bever-Platz ein Parkhaus stehen soll. Ich halte ein sinnvolles Park-and-Ride-System für wesentlich umweltverträglicher", erklärte Daniel Obermayr. Uneinig waren sich Oliver Eschbaumer und Gerhard Ecker über die notwendige Anzahl der Stellplätze: Eschbaumer pochte auf die laut Gutachten notwendigen 780 Stellplätze, Ecker wollte sich nicht auf eine exakte Zahl festlegen lassen. Außerdem kritisierte Eschbaumer das vom Stadtrat beschlossene Investorenmodell für das Hotel und die Tiefgarage und wünscht sich das die Stadt die Tiefgarage selbst betreibt. Dem hielt Ecker entgegen, dass die Stadt durch den Erbbauzins höhere Einnahmen machen könne als durch Parkgebühren. Sicher ist aber schon jetzt, dass Ecker im Falle einer Widerwahl im Sommer 2019 entscheiden will ob er bis 2024 weitermacht oder sein Amt vorzeitig niederlegt. Eschbaumer hat am Montag bekräftigt, dass er sich 2020 zur Wiederwahl stellen wird, da er den Weg frei machen möchte dafür, dass in Lindau der Stadtrat und der Oberbürgermeister nach mehr als 50 Jahren wieder gemeinsam gewählt werden können. Obermayr tritt als einziger Kandidat für die gesamte Legislaturperiode von sechs Jahren an. Am Sonntag haben dann die Lindauer die Wahl. Die Anzahl der ausgegebenen Briefwahlunterlagen liegt bereits höher als vor sechs Jahren. Falls es zu einer Stichwahl kommen sollte, wird diese am 4. Februar stattfinden.