2021 wird auf der sogenannten Hinteren Insel in Lindau eine Landesgartenschau stattfinden. Das Land Bayern fördert diese mit rund 5 Millionen Euro, 3 Millionen muss die Stadt Lindau selbst aufbringen. Doch da, wo bald „Natur in der Stadt“ gezeigt werden soll, ist derzeit noch ein Parkplatz für mehr als 600 Fahrzeuge.

Auf dem Karl-Bever-Platz sollen die Stellplätze durch ein großes Parkhaus ersetzt werden.
Auf dem Karl-Bever-Platz sollen die Stellplätze durch ein großes Parkhaus ersetzt werden. | Bild: Stadtverwaltung Lindau

200 davon fallen bereits ab Herbst weg. Darum soll am Karl-Bever-Platz ein Parkhaus – und möglicherweise auch ein Hotel – gebaut werden. Gegen das vom Gemeinderat beschlossene Parkhaus auf dem inselnahen Karl-Bever-Platz wird es jetzt allerdings am 10. November einen Bürgerentscheid geben. In den vergangenen Jahren gab es wegen etlicher Großprojekte, etwa den Neubau der Therme und des Bahnhofs, aber auch gegen das Parkhaus bei der Inselhalle bereits Bürgerentscheide in Lindau.

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In keinem anderen Bundesland gibt es derzeit so viele Bürgerentscheide wie in Bayern. In Lindau darf die Bevölkerung nach dem jüngsten Beschluss des Gemeinderats bereits am 10. November und nicht wie ursprünglich geplant erst am 1. Dezember über das geplante Parkhaus am Karl-Bever-Platz abstimmen.

2200 Unterschriften haben Pius Bandte und Michaela Dietenmeier von der Bürgerinitiative gegen das Parkhaus am Karl-Bever-Platz an den Lindauer Hauptamtsleiter Thomas Nuber (links) übergeben.
2200 Unterschriften haben Pius Bandte und Michaela Dietenmeier von der Bürgerinitiative gegen das Parkhaus am Karl-Bever-Platz an den Lindauer Hauptamtsleiter Thomas Nuber (links) übergeben. | Bild: Susanne Hogl

Grund zur Freude haben dabei die Initiatoren der Bürgerinitiative (BI), die rund 2200 Unterschriften (1700 wären notwendig gewesen) gegen das Parkhaus gesammelt haben und sich jetzt darüber freuen, dass der Gemeinderat die Frage der BI den Bürgern stellen wird: „Sind Sie dafür, den Karl-Bever-Platz von neuen mehrgeschossigen Baukörpern frei zu halten?“

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Dadurch, dass die Räte für die Frage votiert haben, gibt es keinen sogenannten Ratsentscheid mit einer Entscheidungsfrage. Zu diesem Mittel hätte die Stadt sonst greifen können. „Wir wollen keine weiteren Verzögerungen“, erklärte Lindaus Oberbürgermeister Gerhard Ecker (SPD) den Grund für die Entscheidung. Ecker selbst wird die Landesgartenschau nur noch als Besucher erleben, da er sein Amt im kommenden Jahr vorzeitig aufgibt und stattdessen in seiner Heimatstadt Augsburg für den Gemeinderat kandidiert.

Auf der sogenannten Hinteren Insel, rechts neben den Bahngleisen, soll auf dem bisherigen Parkplatz im Jahr 2021 die Landesgartenschau stattfinden.
Auf der sogenannten Hinteren Insel, rechts neben den Bahngleisen, soll auf dem bisherigen Parkplatz im Jahr 2021 die Landesgartenschau stattfinden. | Bild: Susanne Hogl

In einer hitzigen, ausgesprochen emotionalen Sitzung haben die 30 Räte aus zehn Parteien und Gruppierungen auch schon lebhaft den „worst case“ diskutiert. Der würde nämlich dann eintreten, wenn die Mehrheit der Bevölkerung gegen das Bauprojekt stimmen würde.

„Die Panikmache in Sachen parken ist überzogen“

„Die Panikmache in Sachen parken ist überzogen. Wir wollen Grün in der Stadt mit der Gartenschau aber auch mehr Platz für Autos„, sagte Mathias Kaiser von der Bunten Liste, die den Bürgerentscheid mit auf den Weg gebracht hat. Alexander Kiss, ebenfalls von den Bunten, erklärte: „Die Außenwirkung für Lindau ist übel – es wird nur noch über das Parken gesprochen.“

Mathias Hotz, der im kommenden Jahr Oberbürgermeister werden möchte, meinte dagegen, dass es um viele Existenzen gehen und Parkplätze für Besucher – und damit für den Handel und Gastronomie – dringend gebraucht werden.

Temporäre Parkplätze bei Lindauer Therme

Einen möglichen temporären Parkplatz könnte es eventuell bei der neuen Lindauer Therme geben, zumindest kann sich Investor Andreas Schauer das gut vorstellen. „Das ist keine schlechte Idee, ich bin offen für Gespräche und die rund 500 Parkplätze könnten auch schon ab März 2020 genutzt werden“, erklärte Schauer im Gespräch. So lange, bis voraussichtlich im Herbst kommenden Jahres die neue Therme eröffnet werden soll.

Auf den grün markierten Flächen soll 2021 die Landesgartenschau stattfinden.
Auf den grün markierten Flächen soll 2021 die Landesgartenschau stattfinden. | Bild: Stadtverwaltung Lindau

Nach Berechnungen der Verantwortlichen der Stadt Lindau soll die Gartenschau in der Zeit vom 20. Mai bis 26. September 2021 mehr als 300 000 Besucher in die Stadt locken. Aber auch Kay Koschka, Chef der Stadtplanung, gibt zu: „Die Insel und die Zufahrtstraßen in der Zeit freizuhalten wird schwer werden.“ An Spitzentagen sollen bis zu 4500 Besucher kommen, in Wassertrüdingen, wo in diesem Jahr die bayerische Landesgartenschau stattfand, waren es einmal sogar mehr als 8000.

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Den Besucheransturm hautnah erleben werden all jene Lindauer, die auf der Hinteren Insel wohnen und bislang noch nicht so recht wissen, was auf sie zukommt. „Wir haben bislang keine Informationen darüber, wie und ob für uns ein direkter Seezugang nach wie vor möglich sein wird und ob es für uns noch andere Einschränkungen geben wird“, sagt Anwohnerin Isis Schrank.

Nach Aussagen von Patricia Herpich von der städtischen Pressestelle sind gesonderte Eintrittskarten für Anwohner nicht geplant, denn: „Es gibt keine speziellen Anwohnerkarten. Auch bei anderen Gartenschauen gibt es keine Anwohnerkarten, außer die Anwohner wohnen direkt auf dem Gelände, was in Lindau nicht der Fall ist.“

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Allerdings werde in der Zeit der Landesgartenschau ein direkter Seezugang nicht mehr möglich sein, da das gesamte Gelände eingezäunt sein wird. Viele Lindauer und auch Touristen nutzen die Hintere Insel in den Sommermonaten als eine der wenigen kostenlosen Badestellen, zum Grillen und für Spaziergänge um die Insel. Doch bevor die Gartenschau kommt, stimmen die Lindauer jetzt erst einmal darüber ab, ob das Parkhaus vor der Insel gebaut wird oder nicht.