Stolze 3,3 Kilogramm brachte die Sitzungsvorlage auf die Waage, deren Inhalt schwer wog: Die Lindauer Stadträte stimmten in der vergangenen Woche mit deutlicher Mehrheit für den Bebauungs- und Flächennutzungsplan sowie für den Durchführungsvertrag für die Lindauer Therme, die die Stadt Lindau gemeinsam mit dem Überlinger Investor Andreas Schauer auf dem Gelände des Strandbades Eichwald bauen möchte. Schauer schätzt jetzt, da die Bauarbeiten erst im kommenden Jahr beginnen können, mit Mehrkosten von rund 6 Millionen Euro.

Insgesamt soll die Therme, die nach ihrer Fertigstellung die Größte am Bodensee sein wird, rund 34 Millionen Euro kosten, da sich der Baubeginn wegen des Bürgerentscheides verzögert hat und der Neubau erst im kommenden Jahr beginnen kann. Andreas Schauer erklärt die Mehrkosten wie folgt: "Die Ausschreibung für die Therme war im Jahr 2014, der Baubeginn ist jetzt erst 2018. Kalkuliert wurde das Objekt vor vier Jahren, der Baukostenindex rechnet mit einer jährlichen Steigerung von 4,8 Prozent bei den Spezialgewerken mit 16 17 Prozent." Die Stadt Lindau, die das Strand- und Freizeitbad sowie das Hallenbad finanzieren und betreiben wird, muss für das neue Bad rund 12,5 Millionen Euro zahlen. In der außerordentlichen Gemeinderatssitzung hatten die Lindauer Räte mit jeweils 20:6 Stimmen für den Bebauungs- und den Flächennutzungsplan gestimmt. Nun kann das zuständige Lindauer Bauamt die nötigen Genehmigungen dafür erteilen, diese sollen spätestens Anfang Oktober vorliegen.
 

So soll die geplante Lindauer Therme am Bodenseeufer in Lindau einmal aussehen. Der Baubeginn ist jetzt für das kommende Jahr geplant.
So soll die geplante Lindauer Therme am Bodenseeufer in Lindau einmal aussehen. Der Baubeginn ist jetzt für das kommende Jahr geplant. | Bild: Schauer & Co. GmbH

Wenn alles nach Plan läuft, dann sollen die Bagger im kommenden Jahr ins Strandbad Eichwald rollen. Eigentlich hatte Investor Schauer gemeinsam mit der Stadt Lindau geplant, dass die notwendigen Abrissarbeiten in diesem Jahr beendet sein würden, doch der Bürgerentscheid im Juli hatte die Arbeiten verzögert. Schauer rechnet jetzt damit, wenn es zu keinen weiteren Verzögerungen mehr kommt, dass die Therme und das städtische Hallenbad im Dezember 2020 eröffnet werden könnten. Das Strand- und Freibad soll im Sommer 2020 in Betrieb genommen werden. In der kommenden Badesaison soll im Strandbad Eichwald ein eingeschränkter Badebetrieb möglich sein, wobei nur im Bodensee geschwommen werden kann.
 

Wenn alles nach Plan läuft, dann sollen die Bagger im kommenden Jahr ins Strandbad Eichwald rollen.
Wenn alles nach Plan läuft, dann sollen die Bagger im kommenden Jahr ins Strandbad Eichwald rollen. | Bild: Susanne Hogl

Auch wenn der Bürgerentscheid eine deutliche Mehrheit für die Therme ergeben hat, will der Bund Naturschutz (BN) in Lindau gegen das Bad klagen. Nach Angaben des Lindauer BN-Vorsitzenden Erich Jörg wird die Klage derzeit vorbereitet. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung hatten sich die Lindauer BN-Mitglieder für den Klageweg entschieden, wenn auch mit etlichen Gegenstimmen. "Nachdem wir uns für die Klage entschieden hatten, sind 50 Mitglieder aus dem BN ausgetreten, es gab aber auch 36 Neueintritte", erklärte Erich Jörg im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Ob es durch die Klage des BN zu weiteren Verzögerungen kommen wird, hängt derzeit von der Art der Klage und der Entscheidung der zuständigen Gerichte ab.

Gelassen sieht man bei der Stadt Lindau der Klage der Naturschützer entgegen. Auch in der Gemeinderatssitzung hatten die verantwortlichen Experten in der vergangenen Woche bereits 55 Einwendungen gegen den Bau der Therme von Bürgern abgewendet. Die Kritik der Bürger hatte sich gegen die Verkehrsplanung, die Größe der Therme sowie Verstöße gegen den Natur- und Artenschutz gerichtet.

Geändert hat die Stadt nach mehrfacher Kritik die Bezeichnung "Thermalbad Lindau" – die vorläufig offizielle Bezeichnung des Bades lautet jetzt: "Therme und Freizeitbad, Eissporthalle". Der Begriff Thermalbad darf nur dann verwendet werden, wenn das Bad mit heißem Thermalwasser aus der Erde versorgt würde, was in Lindau aber nicht der Fall ist.

Die Therme

Das Bad selbst wird eine Fläche von 12 500 Quadratmetern haben mit 1800 Quadratmetern Wasserfläche, die Liegeflächen werden 18 000 Quadratmeter groß sein. Das Bad gliedert sich in vier Teile: das städtische Sport- und Familienbad mit Hallenbad, die Therme mit Vitalbad, das Strandbad Eichwald und eine Saunalandschaft mit 13 Saunen. Außerdem soll es auf dem Gelände ein Fitnesscenter sowie Gastronomie geben. Für das Familien- und Sportbad sind für zwei Stunden Eintrittspreise zwischen 3 bis 5,50 Euro geplant, für das Strandbad 2 bis 4 Euro. Eintrittspreise für die Therme ab 17,50 Euro, für die Saunalandschaft ebenfalls 17,50 Euro. (sh)

Es soll ein Vitalbad und 13 verschiedenen Saunen geben.
Es soll ein Vitalbad und 13 verschiedenen Saunen geben. | Bild: Schauer & Co. GmbH