Zweiter Prozesstag vor dem Landgericht in Kempten: Angeklagt ist ein 34-jähriger Mann, der im Juni des vergangenen Jahres in Weißensberg bei Lindau eine 22-jährige Frau zuerst vergewaltigt und später getötet haben soll. Ohne sichtbare Emotion sitzt der vorbestrafte Mann auch am zweiten Prozesstag scheinbar regungslos nur rund fünf Meter von den Eltern der getöteten jungen Frau entfernt, die in dem auf drei Tage angesetzten Prozess vor dem Kemptner Landgericht als Nebenkläger auftreten. Der Vorsitzende Richter ist Günther Schatz.

Hatte der 34-Jährige am ersten Verhandlungstag versucht, die Tötung der jungen Frau als Unfall darzustellen, kam am Dienstag der Lindauer Kripobeamte Thomas Röhl zu Wort, der die Ermittlungen nach dem gewaltsamen Tod geleitet hatte. "Als ich in die Wohnung kam, war der Notarzt noch da. Ich konnte aber sehen, dass am Hals der jungen Frau Spuren waren, die von einer Strangulation stammen konnten", erklärte der Polizeibeamte.

Rasch war den ermittelnden Beamten auch klar, dass der Fundort der toten Frau nicht der alleinige Tatort gewesen sein konnte. Am selben Abend war auch die Ex-Freundin des Angeklagten und Nachbarin der Getöteten zur Lindauer Polizei gekommen und äußerte die Vermutung, dass ihr Ex-Freund mit der Tötung der Nachbarin etwas zu tun haben könnte. Der Angeklagte hatte kurz nach der Tat seine Ex-Freundin an deren Arbeitsplatz aufgesucht und ihr erzählt, dass er "Scheiß gemacht habe und verschwinden" müsse. Laut Thomas Röhl habe sich die Ex-Freundin bei der Polizei nur begrenzt kooperativ gezeigt und wollte ihr Handy nicht freiwillig abgeben.

Röhl, der den Angeklagten auch ausführlich verhört hatte, nachdem dieser sich gestellt und nach Deutschland zurückgekehrt war, gab an, dass der 34-Jährige alle Fragen ausführlich und teilweise sehr detailgetreu beantwortet habe. Zu Wort kam am gestrigen Dienstag auch der Angeklagte selbst, der seine gescheiterte Schullaufbahn und seinen Berufsweg schilderte, der immer wieder von langer Arbeitslosigkeit geprägt war. Nach Angaben des 34-Jährigen sei er durch den Tod seiner beiden Schwestern, die kurz nacheinander starben, aus der Bahn geworfen worden. "Es ging mir schlecht und ich habe zu viel Alkohol getrunken", erzählte der 34-Jährige.

Gutachter der Uni Erlangen waren in ihren Untersuchungen allerdings zu dem Schluss gekommen, dass der Angeklagte keine Spuren von Drogen oder Tabletten über einen längeren Zeitraum konsumiert haben dürfte. Seiner Aussage nach habe er am Tattag eine geringe Menge Schnaps und einen nicht näher definierten Tablettenmix eingenommen.

Der Prozess vor dem Landgericht Kempten wird am 5. Juni fortgesetzt, dann soll auch das Urteil fallen. Die Anklage lautet auf Mord und Vergewaltigung.