Endlich wieder sommerliche Temperaturen – werden sich die meisten auf die kommenden Tage in den Pfingstferien freuen und schon darauf hoffen, bald in den Bodensee springen zu können. Die Verantwortlichen des Lindauer Landratsamts beschäftigt hingegen noch der Winter: Sie haben kürzlich in einem vierseitigen Schreiben an die Stadt Lindau Tipps und Hinweise gegeben, wie der städtische Winterdienst zukünftig besser klappen könnte. Hintergrund waren die großen, zum Teil auch ausgesprochen schweren Schneemassen, die im Lindauer Stadtgebiet Anfang Januar für Chaos und Schulausfälle gesorgt hatten.

Selbst für Räumfahrzeuge gab es in den schmalen Gassen der Lindauer Altstadt auf der Insel Anfang Januar kaum ein Durchkommen.
Selbst für Räumfahrzeuge gab es in den schmalen Gassen der Lindauer Altstadt auf der Insel Anfang Januar kaum ein Durchkommen. | Bild: Susanne Hogl

Eigentlich hätten die Lindauer Kinder am 7. Januar wie alle anderen nach den Weihnachtsferien wieder in die Schule gehen sollen. Aber: Am Wochenende hatte es besonders im Stadtgebiet Lindau fast pausenlos geschneit und die Schneemassen türmten sich fast einen Meter hoch. Auf Drängen der Stadt hoben das Landratsamt und das zuständige Schulamt die Schulpflicht zuerst für den Montag und dann gleich noch für zwei weitere Tage auf. Dem Winterdienst der Stadt war es aufgrund der schweren Schneemassen nicht gelungen, alle Schulwege und Straßen zu räumen, sodass auch die Stadtbusse nicht fahren konnten.

Eine Gasse in der Lindauer Altstadt vier Monate später.
Eine Gasse in der Lindauer Altstadt vier Monate später. | Bild: Susanne Hogl

Das dies in erster Linie am Winterdienst der Stadt lag, wollen die Verantwortlichen des Landratsamts Lindau, allen voran Oliver Waller, zuständig für Kommunale Angelegenheiten und Nahverkehr, jetzt festgestellt haben. „Nichtsdestotrotz besteht hinsichtlich Organisation und Durchführung des Winterdienstes Handlungsbedarf, den die Große Kreisstadt Lindau (Bodensee) selbst erkannt hat und dem sie durch die Gründung der Arbeitsgruppe Winterdienst begegnet. An dieser Stelle werden von dieser Seite Hinweise und Anregungen vorgebracht, die bei der künftigen Arbeit der vorgenannten Arbeitsgruppe Berücksichtigung finden sollten.

Der Streueinsatz hat hierbei so rechtzeitig zu beginnen, dass der Schutz entsprechend gewährleistet wird. Wir geben hierbei aber dringend zu bedenken, dass es im Falle länger anhaltender Schneefälle geboten sein kann, über die vorgegebenen Zeiten hinaus räumen und zu streuen, da sich ansonsten über die Nachtzeit erhebliche Schneemengen ansammeln, die dann nur noch mit erheblich größerem Aufwand beseitigt werden können,“ heißt es in dem Schreiben.

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Bei der Stadt Lindau sieht man die Hinweise des Landratsamts gelassen. „Wir haben eine Arbeitsgruppe Winterdienst gegründet und werden verschiedene Lösungen prüfen. Es ist jedoch nicht so einfach, sich, wie gefordert, Hilfen von anderen Gemeinden zu holen, da es ja meistens nicht nur im Lindauer Stadtgebiet schneit“, gibt Pressesprecher Jürgen Widmer zu bedenken. Nach Angaben von Danny Hemkens, bei der Stadt zuständig für den Winterdienst, waren am 5. und 6. Januar alle Fahrzeuge und Mitarbeiter fast rund um die Uhr im Einsatz.

Der Lindauer Hafen im Januar unter einer dicken Schneeschicht.
Der Lindauer Hafen im Januar unter einer dicken Schneeschicht. | Bild: Susanne Hogl

Im Brief des Landratsamts heißt es dennoch weiter: „Wir empfehlen, in vergleichbaren künftigen Lagen frühzeitig Kontakt mit der Straßenmeisterei Lindenberg aufzunehmen, um gegebenenfalls Unterstützung von dort zu erhalten. Entgegen Ihrer Ausführungen waren nach unseren Informationen dort gewisse Kapazitäten frei, die hätten angefordert werden können. Eine Kontaktaufnahme zur Unterstützung bei den Räumarbeiten war soweit hier bekannt, erst am 10.01.2019 erfolgt. Auch hinsichtlich der Arbeitszeitregelungen wird angeregt, einen Austausch mit der Straßenmeisterei zu suchen und/oder sich fachlich entsprechend beraten zu lassen.“

Der Lindauer Hafen, wo jetzt wieder viele Boote ein- und ausfahren, war im Januar tief verschneit.
Der Lindauer Hafen, wo jetzt wieder viele Boote ein- und ausfahren, war im Januar tief verschneit.

Das Landratsamt stellt in seinem Brief auch fest, dass die Zuständigen bei der Stadt auf Wetterwarnungen für das besagte Januarwochenende zu spät reagiert hätten und deshalb zukünftig mit privaten Bauunternehmen und Landwirten zusammenarbeiten sollen. Außerdem sollen entlang engen Straßen Parkverbote bei Schneefall ausgesprochen werden, um den Räumfahrzeugen ein besseres Durchkommen zu ermöglichen.

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Besondere Kritik übt das Landratsamt an der dreitägigen Aufhebung der Schulpflicht, die nur für das Stadtgebiet Lindau gültig war. „Ein Ereignis, das es in den letzten 20 bis 25 Jahren in der Form nicht gegeben hat. In diesem Zusammenhang bitten wir nochmals zu berücksichtigen, dass die Anordnung der Aufhebung der allgemeinen Schulpflicht im Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Schulamtes liegt, welches eine einheitliche Regelung für den Landkreis oder Teile hiervon anordnet“, so Oliver Waller. Von der Gründung der Arbeitsgruppe Winterdienst versprechen sich die Verantwortlichen des Landratsamtes eine „deutliche Verbesserung“.