Sehnsüchtig erinnere ich mich manchmal an die gute alte Zeit, da sie noch existierten: die Tante-Emma-Läden, urige Bäckerstuben und Metzgersbetriebe, Kolonial- und Eisenwarenkrämer und andere, mit lauter Dorforiginalen besetzte Verkaufsstuben. Es war zu jener Zeit ein sehr persönliches Einkaufserlebnis, voller sozialem Austausch und ohne Hektik. Doch diese Zeiten wurden längst verdrängt. Großverteiler und später Discounter begannen, das tägliche Ritual umzukrempeln – mit schwerwiegenden Folgen für kleine Detailhandelsbetriebe, denen gewaltige Umsätze verloren gingen.

Explodierender Einkaufstourismus im süddeutschen Raum

Natürlich, auf Schweizer Seite war auch der Einkaufstourismus stets ein Thema. Doch man arrangierte sich damit, wenn auch zunehmend Zähneknirschend. Bis zum sogenannten „Frankenschock“ 2015. Der Wechselkurs brach damals regelrecht zusammen und konnte nur durch massive Intervention der Schweizerischen Nationalbank SNB einigermaßen aufgefangen und stabilisiert werden. Die Folgen waren gravierend: Der Einkaufstourismus explodierte förmlich, in Scharen fielen die Schnäppchenjäger wie eine Heuschreckenplage über den süddeutschen Raum her.

Einige Städte kollabierten zeitweise regelrecht unter der Blechlawine aus der Schweiz. Währenddessen die Händler südlich des Rheins lange Gesichter machten und ratlos nach Lösungen für die Kompensation der weggebrochenen Umsätze suchten. Auch die Abschaffung der grünen Zettel für die Mehrwertsteuer-Rückerstattung war beidseits des Rheins ein großes Thema. Eigentlich nachvollziehbar, denn die Einkaufstouristen verursachen ja auch infrastrukturelle Kosten, die gedeckt sein müssen. Und gleichzeitig würde dadurch das Preisgefälle etwas verringert, was den Anreiz, im günstigeren Ausland zu kaufen, etwas mindern würde. Doch an dieses heiße Eisen traute man sich nicht.

Das Internet und Corona – schwierige Mischung für kleine Läden

Längst kam jedoch weiteres Ungemach auf die Kleinhandelsbetriebe zu: das Internet. Jährlich wuchs dieses Segment um relativ stabile zehn Prozent an. Und genau diese fehlten Jahr um Jahr zusätzlich bei den kleinen Läden. Und jetzt kam auch noch Corona. Auf einen Schlag stand alles still. Selbst jene bestellten nun im Netz, die sich bislang dagegen gesträubt hatten.

In Bad Zurzach haben wir in den nächsten Jahren die Chance, aufgrund der sich im Bau befindlichen Ost-Umfahrung, radikal umzudenken und dem Zentrum neues Leben einzuhauchen. Doch dafür müssen die Gassen attraktiver und neue Plätze geschaffen werden. Denken Sie mal nach, wo Sie sich im Urlaub gerne aufhalten: auf der gemütlichen Piazza, mit Kaffees, Ateliers und unter Bäumen spielenden Kindern, oder an der Durchgangsstraße mit Lärm und Feinstaub? Und genau dieses Ambiente gilt es, auch in unseren Zentren wieder zu schaffen. Ich freue mich, dass wir bei uns in Bad Zurzach genau dies anpeilen können. Der Weg dort hin wird nicht einfach. Aber ich bin überzeugt: Es wird toll!

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