Während auf der deutschen Seite noch immer um die Realisierung der Elektrifizierung der Hochrhein-Bahnstrecke gerungen wird, richtet nicht nur der Schweizer Geschäftsmann Matthias Schifferli aus Klingnau, wenige Kilometer von Waldshut-Tiengen entfernt, den Blick unter die Erde und vor allem in die Zukunft.

Denn der Ingenieur nimmt die Idee einer Super-Metro wieder auf. Sie soll unterirdisch Schweizer Großstädte miteinander verbinden. Und zwar in einem beinahe atemberaubenden Tempo. Denn die Strecke Basel-Zürich soll ein Hochgeschwindigkeitszug nach Schifferlis Plänen in nur zehn Minuten zurücklegen. Der Ball liegt nun beim Schweizer Bundesrat.

Die Idee einer Hochgeschwindigkeits-U-Bahn fasziniert die Schweiz seit Jahrzehnten. Dank einer unterirdischen Magnetschwebebahn, die mit einem Tempo von bis zu 500 Kilometern pro Stunde verkehren soll, könnten sich die Reisezeiten zwischen den Schweizer Ballungszentren in Zukunft massiv verringern. Die Strecke von St. Gallen nach Genf würde sich auf eine Stunde reduzieren. Zürich wäre von Bern oder Basel in rund zehn Minuten zu erreichen.

Traum einer Hochgeschwindigkeits-Metro hat Tradition

Bereits in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts träumte der Lausanner Bauingenieur Rodolphe Nieth den Traum einer schweizerischen Hochgeschwindigkeits-Metro. Von 1992 an wollte er ihn als Vizepräsident der Swissmetro AG verwirklichen. Das Projekt scheiterte jedoch an wirtschaftlichen und politischen Hindernissen. Die Aktiengesellschaft wurde schließlich 2009 liquidiert.

Die Pläne erhalten nun einen neuen Schub. Federführend ist der Klingnauer Matthias Schifferli (59). Er glaubt, dass sich die Voraussetzungen für ein solches Projekt inzwischen verbessert hätten und eine Realisierung keine Utopie mehr sei. „Damals sah man die Notwendigkeit eines zusätzlichen Verkehrsangebots als nicht gegeben“, sagt der Inhaber eines Bauingenieur-Büros.

Ein Blick ins Innere in einem virtuellen Querschnitt.
Ein Blick ins Innere in einem virtuellen Querschnitt. | Bild: Verein Swissmetro NG

Projekte wie die „Bahn 2000“, die „Neat“ oder die Ergänzung des Nationalstraßennetzes besaßen Priorität. Mittlerweile habe sich das geändert, sagt Schifferli. „Das Bevölkerungswachstum hat dazu geführt, dass unsere Bahn- und Straßeninfrastruktur an ihre Grenzen gelangt ist.“

Jetzt hängt es von der Schweizer Regierung ab

Zusammen mit einem Kollegen aus gemeinsamen Studienzeiten hat Matthias Schifferli vergangenen Sommer eine Interessengemeinschaft gegründet. Die Non-Profit-Organisation mit dem Namen „Swiss Metro NG“ (NG steht für Next Generation, also nächste Generation) will zusammen mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft dem Projekt zum Durchbruch verhelfen.

Namhafte Persönlichkeiten und Firmen haben ihr Interesse bekundet oder ihre Unterstützung angemeldet. Dazu zählen das Paul-Scherrer-Institut in Würenlingen (ebenfalls nur wenige Kilometer von Waldshut-Tiengen entfernt), die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) sowie mehrere Schweizer National- und Ständeräte.

Der weitere Fortgang hängt nun von der Schweizer Regierung ab. Im Rahmen der Vernehmlassung zum Ausbau der Bahninfrastruktur 2030/35 wird sie bis Ende 2018 ihre Botschaft ans Parlament verabschieden. Im Verpflichtungskredit über 170 Millionen Franken sollen 20 Millionen für eine Machbarkeits- beziehungsweise Zweckmäßigkeitsstudie reserviert werden.

Ab 2019 wird über den entsprechenden Ausbauschritt im Parlament beraten. Die Interessengemeinschaft um Matthias Schifferli hat das Departement von Verkehrsministerin Doris Leuthard über die Pläne informiert.

Die Hochrhein-Bahnstrecke

Etwas anders sehen die Weichenstellungen für die geplante Elektrifizierung der Hochrhein-Bahnstrecke aus. Frühestens 2025 könnten hier Elektroloks die Dieselloks ersetzen. Im Herbst des verganenen Jahres haben das Land Baden-Württemberg, der Landkreis Waldshut und die Deutsche Bahn eine Vereinbarung über die Finanzierung der weiteren Planung der Maßnahme unterzeichnet. Landrat Martin Kistler nannte das Jahr 2025 als realistische Zielgröße für die Inbetriebnahme der elektrifizierten Strecke.

Güter unter die Erde

Neben dem Hochgeschwindigkeits-Metro gibt es in der Schweiz auch Pläne für ein unterirdisches Tunnelsystem, um darin Waren zu transportieren. Der Aargauer Regierungsrat steht den Plänen für das unlängst vorgestellte unterirdische Tunnelsystem „Cargo sous terrain“ (Fracht unter die Erde) zwar positiv gegenüber. Der Kanton wird das privatwirtschaftliche Projekt aber wohl nicht unterstützen. Zwar zeigte sich der Aargauer Regierungsrat „grundsätzlich offen für visionäre Projekte“, die den Aargau als Technologiestandort positionierten. „Cargo sous terrain“ sei eine große Chance, die künftigen Güterverkehrsströme zu bewältigen.