Wie von Zauberhand flogen ihre Finger über die Tasten des Flügels. Valentina Lisitsa ist als Pianistin weltweit auf den großen Konzertbühnen unterwegs, im Rahmen des "Festivals der Stille" begeisterte die gebürtige Ukrainerin die Zuhörer beim traditionellen "Kerzenkonzert" in der Kaiserstuhler Stadtkirche. "Freuen wir uns auf die Nocturnes von Frédéric Chopin in diesem magischen Ambiente mit dem ersten You Tube-Star der Klassik", kündigte Massimiliano Matesic die Künstlerin und das Programm des Abends an.

Getragen und ehrfurchtsvoll

Ganz sanft begann die Pianistin die Tasten zu berühren, sehr getragen und ehrfurchtsvoll ließ die Künstlerin die Musik erklingen. Der elegische wie auch lyrische Charakter der Klavierliteratur aus dem frühen 19. Jahrhundert wurde meisterlich inszeniert. Valentina Lisitsa spielte die Stücke aus der romantischen Epoche sehr langsam, sie legte ihre Seele in die Tastenanschläge des Flügels und verführte die Konzertgäste hinein in eine Nacht voll Musik. Auf einer Leinwand, die über der Pianistin und dem nachtschwarzen Flügel schwebte, könnten die Festivalgäste das virtuose Fingerspiel im Detail beobachten.

Hände schweben über Tasten

Teilweise entstand der Eindruck, die Hände der Pianistin schweben nur über die Tasten, als würde sie dem Instrument die Töne auf magische Weise entlocken oder wie die Samtpfötchen einer Katze über die schwarzen und weißen Hölzer huschen, um im nächsten Moment mit voller Kraft zu einem gigantischen Fortissimo zu wechseln. Als Sinnbild für die dunkle Seite der menschlichen Seele stehen die Kompositionen von Chopin, Lisitsa hat sie jedoch mit ihrer glanzvollen Darbietung mit Licht erfüllt. Die Pianistin wurde an der Lysenko Musikschule für hochbegabte Kinder in ihrer Heimatstadt in Kiew und am Musikkonservatorium ausgebildet, seit 1992 lebt die Musikerin in USA und startete dort ihre Karriere.

Viele junge Zuhörer

2007 stellte sie das erste Video auf die You-Tube-Plattform und erzielt seit dem 147 Millionen Klicks mit rund 350 000 Abonnenten. Zu ihrem Auftritt Kaiserstuhl kamen zahlreiche junge Zuhörer, einige reisten aus entlegenen Orten der Schweiz, aus Deutschland und aus Österreich an. Eine Gästegruppe kam extra aus Wien, um die Pianistin bei diesem Hautnah-Konzert live zu erleben. Nach tosendem Applaus ließ Lisitsa bei der Zugabe ihrem Temperament freien Lauf und haute mit vollem Elan nach einem fast zweistündigen Konzert in die Tasten – eine Gänsehaut lief der Zuhörerschar über den Rücken – mit ganzer Hingabe hatte sich die Künstlerin verausgabt.