Zurzibiet – Mit dem Ausfall der Blöcke 1 und 2 des AKW Beznau sah sich das Fernwärmenetz Regionale Fernwärme unteres Aaretal (Refuna) im Dezember 2015 erstmals seit ihrem Bestehen vor über 30 Jahren seiner beiden Wärmequellen "beraubt". Als Ersatz mussten die mit Öl betriebenen Reserveheizwerke einspringen. Die Abschaltung der beiden Atommeiler hat gezeigt: Die Refuna wird in Zukunft auf neue Energieträger angewiesen sein.

"Mit der absehbaren Stilllegung der Reaktoren in der Beznau wird die Energiequelle des Fernwärmenetzes versiegen", sagt Refuna-Verwaltungsratspräsident Kurt Müller. Die Refuna hat auf die veränderten Bedingungen inzwischen reagiert. Neben der Wärme aus der Kantonalen Verbrennungsanlage (KVA) Turgi steht mit dem Holzheizwerk nun die erste eigene CO 2-neutrale Wärmequelle zur Verfügung. Ein bestehendes Holzheizwerk wurde in Döttingen umgebaut.

Ab Oktober dieses Jahres bietet die Refuna nun Fernwärme aus dieser Quelle an. Diese Woche wurden die Kunden informiert. "Die ersten Rückmeldungen waren sehr positiv", sagt Kurt Müller. Das Angebot stosse auf reges Interesse. Betrieben wird das Heizwerk durch die Mühlebach Energieholz AG. Die Kapazität des Werks in Döttingen wird allerdings nicht ausreichen, um den Bedarf der über 2500 Refuna-Kunden zu decken. Das Volumen reicht vorerst nur für 600 Haushalte. Daher sollen in den nächsten Jahren weitere Wärmequellen erschlossen werden.

Bereits heute bezieht die Refuna bei Bedarf und Möglichkeit via Fernwärme Siggenthal Abwärme aus der KVA Turgi, deren Zukunft allerdings ungewiss ist. Gedeckt werden könnte der benötigte Energiebedarf durch ein zusätzliches Holz-Heizwerk.

Die Pläne hierfür liegen bei der Refuna griffbereit. Ein Areal stünde, sollte das entsprechende Projekt bei Bevölkerung und Politik auf Zustimmung stossen, zum Kauf. Die Voraussetzungen für den Bau eines Holz-Heizwerks wären laut Refuna vielversprechend. In den Aargauer Wäldern fallen 600 000 Kubikmeter Holz an, die eine sinnvolle Verwendung in der Region suchen, heisst es in einer Mitteilung. "Gemäß unserer Philosophie einer möglichst hohen regionalen Wertschöpfung ist unser Holzheizwerk eine ökologisch sinnvolle und verlässliche Wärmequelle", so Geschäftsleiter Kurt Hostettler.

Ob ein entsprechendes Projekt auch in der Bevölkerung den nötigen Rückhalt hätte, muss sich zeigen. Vor gut zehn Jahren bestanden bereits einmal Pläne für einen grossen Holzheizofen im unteren Aaretal. Der Energiekonzern Axpo beabsichtigte auf dem Granella-Areal in Würenlingen eine Anlage zu errichten.

Mit 52 Megawatt Leistung wäre das grösste seiner Art in der Schweiz entstanden. Das Vorhaben scheiterte schliesslich am Widerstand aus der Bevölkerung. Kurt Müller betont, dass die beiden Projekte nicht miteinander zu vergleichen seien.

Die Nutzung stand damals im Zusammenhang mit dem möglichen Bau von Beznau 3. Inzwischen zeichnet sich nach der Volksabstimmung über die Energiestrategie 2050 das Ende der Kernenergie ab. Damit droht auch das Ende der bisherigen Versorgung des Fernwärmeanbieters aus Döttingen. Entsprechend werden die Refuna und ihre Kunden auf neue Hauptwärmequellen angewiesen sein.