Leere Schaufenster in der Innenstadt: Im Zentrum von Baden (zehn Kilometer Luftlinie von Waldshut, 19 000 Einwohner) warten zahlreiche Läden auf neue Betreiber. Die Stadt sei für Autofahrer als Einkaufsort zu wenig attraktiv, lautet eine Erklärung für die Situation.

Ein Mittwochnachmittag um 15.05 Uhr, Stadtturmstraße in Baden: Die Parkuhr ist abgelaufen, der Kontrolleur klemmt eine 40-Franken-Buße unter den Scheibenwischer eines Volvos. Zwischen 35 und 70 Knöllchen verteilt er pro Tag. Weil derzeit viele Ladenlokale leerstehen und Gewerbe und Politik über die Attraktivität der Einkaufsstadt diskutieren, wird nun auch die Parkplatz- und Bußenpolitik der Stadt zum Thema.

Die Badener CVP-Großrätin Marianne Binder schrieb in einem Leserbrief an die dortige Lokalzeitung: "Hört man sich in den Badener Läden und Restaurants um, klagen die Kunden wie teuer es sei, in Baden zu parkieren. Wenn man bedenkt, mit welchen Schwierigkeiten und Umsatzeinbußen das Gewerbe der Innenstadt seit mehr als drei Jahren kämpft, sollte die Stadt nicht noch Parkplatzgebühren erheben, die sich knapp mit denjenigen von Manhattan messen lassen."

Im Februar 2017 hat die Stadt die Gebühren bei Einzel-, Sammel- und zentralen Parkuhren erhöht. Teils wurden die Ticketpreise um die Hälfte angehoben, teils aber auch verdoppelt. Die höheren Tarife haben ihre Wirkung nicht verfehlt: Die Erträge der offenen Parkplätze sind 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf neu 1,22 Millionen Franken angestiegen. Hinzu kommen Parkgebühren von 3,05 Millionen Franken von den Parkhäusern.

Marianne Binder: "Die Frage muss doch sein: Wie bringen wir die Leute dazu, in Baden einzukaufen?" Wenn man die Stadt als Einkaufsstandort fördern wolle, müsse man innovativ sein. Binder könnte sich vorstellen, dass einen kleinen Gutschein für die Parkgebühren erhält, wer in der Stadt einkauft. In Baden geschehe seit einiger Zeit eigentlich das Gegenteil: Die Parkuhren würden intensiv kontrolliert. "Es ist einfach nicht gastfreundlich, wenn permanent kontrolliert wird."

Viele Leute würden dann nach Wettingen fahren oder nach Spreitenbach, wo die Parkplätze wesentlich günstiger sind. "Baden ist doch eine schöne Stadt und das Gewerbe ist ja nicht untätig", sagt Binder. "Aber etwas mehr Geschäftssinn und Gastfreundlichkeit von Seiten der Stadt wären wünschenswert." Ganz anderer Meinung ist Badens Verkehrspolitiker Jürg Caflisch (SP). Er befürwortet die Parkplatzpolitik der Stadt: "Die Parkgebühren sind nicht in Baden zu hoch, sondern beispielsweise in Spreitenbach deutlich zu tief."