Es ist eine traurige Nachricht, die der Natur- und Vogelschutzverein von Schweizer Rheinfelden am Sonntag auf seiner Website aufschalten musste: „Jungstörche auf dem Storchennestturm gestorben.“

Sie sind im am 20. April geschlüpft

Was sich vor Wochenfrist als Erfolgsgeschichte anzubahnen schien, „hat leider ein jähes Ende gefunden“, schreibt der Rheinfelder Storchenvater Stephan Kaiser. Die vier Jungstörche, die um den 20. April geschlüpft waren, seien sehr wahrscheinlich dem Regenwetter zum Opfer gefallen, mutmaßt er.

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Schon eine Woche zuvor ist ihm aufgefallen, dass ein Altstorch teilnahmslos am Horstrand stand. „Trotzdem bestand kaum Anlass zur Sorge“, schreibt er weiter. Die rund eine Woche alten Jungstörche sollten eigentlich von ihren Eltern gehudert werden und so in deren Körperwärme und Gefieder den „nicht so sehr intensiven Regen problemlos überstehen“. Als Kaiser dann aber letzte Woche in den Obertorturm stieg, von wo man einen guten Blick auf den Storchennestturm hat, stellte er mit dem Fernrohr fest, dass der Horst leer war.

Elternpaar schafft Nistmaterial herbei

Hoffnung besteht allerdings, dass auf dem Storchennestturm trotzdem noch Jungstörche großgezogen werden. Denn Kaiser beobachtete, dass das Elternpaar Nistmaterial herbeibrachte und es auf dem Horst verteilte. „Ebenfalls konnte eine Paarung der beiden beobachtet werden“, so Kaiser. „Dies ist nach der Eiablage eher selten.“ Er wage deshalb zu hoffen, dass es zu einem Nachgelege kommen könnte. Die Jungen würden dann allerdings erst im Juni schlüpfen, „und hätten wohl Mühe, rechtzeitig zum Wegzug ins Überwinterungsquartier genügend erstarkt zu sein“, schreibt Kaiser. „Wir lassen uns gerne positiv überraschen.“

Sorge auch um Tiere in Kaiseraugst

Mit Sorge hat auch Urs Wullschleger, Storchenvater von Kaiseraugst, dem letzten Wochenende entgegengeblickt. Die angekündigten Regenfälle, kombiniert mit den für die Jahreszeit viel zu kühlen Temperaturen, ließen ihn Böses ahnen. „Noch ist alles gut“, sagte Wullschleger am Montag zur Aargauer Zeitung. Bei seinen Rundgängen am Sonntag und Montag durchs Dorf sah er, dass die Elterntiere noch im Horst saßen, so die Jungtiere wärmten und vor dem Regen schützten.

Eine Lungenentzündung ist gut möglich

Entwarnung gibt Wullschleger aber noch nicht. „Warten wir einmal die nächste Nacht ab“, sagte er mit bangem Blick auf die Prognosen. Denn nach den Niederschlägen in den letzten Tagen blieb es kühl. Die Jungstörche sind erst vor fünf bis 15 Tagen geschlüpft und deshalb noch anfällig. „Es kann gut sein, dass sie sich übers Wochenende eine Lungenentzündung eingefangen haben“, sagt Wullschleger. Das wäre das sichere Todesurteil. Er wird den Störchen in den nächsten Tagen den einen oder anderen Besuch abstatten. Es bleibt jetzt nur eins, sagt er: „Hoffen.“ Gebrütet wird in Kaiseraugst auf neun von zehn Horsten. Wullschleger hofft, dass 15 bis 20 der Jungstörche überleben.

Schüler arbeiten am Projekt „Storchenforscher“

Besonders am Herzen liegen ihm dabei die vier Jungstörche beim Schulhaus. Nicht, weil er auf sie von seiner Wohnung einen direkten Blick hat (wie übrigens auf zwei weitere Horste), sondern weil eine Lehrerin mit ihrer dritten Klasse am Projekt „Storchenforscher“ von Storch Schweiz teilnimmt. Die Schüler schauen immer wieder zur Krone der Platane hoch, wo sich Mutter und Vater Storch um den Nachwuchs kümmern. „Die Schüler warten sehnlichst darauf, dass die Jungen beringt werden und sie ihnen Namen geben können“, sagt Wullschleger.