Rund 1800 Mitarbeiter von Novartis stellen im Fricktal Medikamente im Wert von mehr als 15 Milliarden Franken her. Das Novartis-Werk in Stein ist heute das wichtigste im weltweiten Produktionsverbund des Pharmakonzerns.

Die ersten Chemiefabriken in Basel wurden bereits 1859 gebaut. Damals konzentrierte sich die Produktion auf einige wenige Standorte mitten in der Stadt. Schon bald expandierten Firmen wie Ciba und Geigy rheinaufwärts nach Schweizerhalle BL und später ins Fricktal. Dort war der Begriff "Industrie" bis dahin ein Fremdwort, wie die "Basler Zeitung" einst schrieb. Heute ist das Novartis-Werk in Stein das wichtigste im weltweiten Produktionsverbund des Pharmakonzerns und schweizweit gesehen das größte seiner Art. Auf dem Boden der Fricktaler Gemeinde stellt der Pharmakonzern mehrere seiner umsatzstärksten Medikamente her. Darunter befinden sich etwa Krebsmittel wie Afinitor oder Tasigna sowie Arzneimittel gegen Augenkrankheiten (Lucentis) oder Multiple Sklerose (Gilenya). Allein mit diesen vier Präparaten erwirtschaftete Novartis 2016 einen Umsatz von über 8 Milliarden Franken. Rund 1800 Mitarbeiter aus rund 50 verschiedenen Nationen arbeiten in Stein, davon auch ein bedeutender Anteil an Grenzgängern aus Deutschland.

Das Werk wurde in der Vergangenheit kontinuierlich ausgebaut. Zuletzt nahm Novartis 2012 rund 500 Millionen Franken für einen Neubau für Medikamente in steriler und fester Darreichungsform in die Hand. Doch der Pharmakonzern investiert auch weiterhin in Stein. Die neuen Gebäude sollen den Standort stärken und die bestehenden Bauten nach und nach ablösen. Somit sei eher von einer Erneuerung als von einer Expansion die Rede, formuliert es ein Sprecher vorsichtig. Stein ist für Novartis zudem ein wichtiger Standort, was die Produktion neu lancierter Medikamente anbelangt. So wird hier das in der Entwicklung entworfene Herstellungsverfahren im größeren Maßstab getestet, sodass die neuen Präparate hier oder in anderen Werk im industriellen Maßstab produziert werden können. Das Fricktal wurde von der Basler Industrie erst in den 1950er-Jahren entdeckt. Ciba suchte damals aus Platzgründen einen Standort außerhalb der Stadt Basel. 1952 wurde sie in Stein fündig. Fünf Jahre später begannen die ersten zehn Mitarbeiter auf dem Areal. Auch Teile der Agrochemie-Forschung wurden in Stein angesiedelt, die sich heute im Besitz von Syngenta befindet. Novartis spaltete den Agrochemieteil im Jahr 2000 ab und brachte ihn an die Börse. Mittlerweile wurde Syngenta von Chemchina übernommen. Roche wurde in der Nachbargemeinde Sisseln fündig. Im Sommer 1967 eröffnete der Konzern hier die weltgrößte Vitamin-A-Fabrik. In der Folge wurden die Anlagen bis zum Verkauf der Vitaminsparte an die holländische DSM im Jahr 2003 mehrmals ausgebaut und modernisiert.