Vor der Kulisse der alten Stadtmauer in Laufenburg/Schweiz, quasi im Freien lediglich unter dem Glasdach des alten Gewächshauses der Gärtnerei Leuenberger, erlebten die Zuhörer am Samstagabend einen ganz speziellen Liederabend unter der Prämisse „moderne Musik“. In einem kontrastreichen Mit- und Nebeneinander waren in einer Uraufführung vertonte Gedichte des renommierten Laufenburger Schriftstellers Christian Haller zu hören.

Schriftsteller liest Gedichte zwischen Liedbeiträgen

Das Liedduo Brütsch & Engeli, mit dem in Laufenburg wohnhaften Tenor Tino Brütsch und dem Pianisten Benjamin Engeli, sowie Dominik Ostertag (Viola), ließen dabei auf sehr subtile Art in die Gefühlswelten des Schriftstellers Christian Hallers hineinspüren. Der Schriftsteller las zudem seine Gedichttexte zwischen den Liedbeiträgen.

Musikalische Hommage an Christian Haller

Die Idee zu den „Haller-Liedern“ entstand anlässlich des 75. Geburtstags des Autors Christian Haller, welcher im Februar gefeiert wurde. Tino Brütsch und Benjamin Engeli gelang mit dem Projekt eine musikalische Hommage an den renommierten Schriftsteller. Die zwei Musiker beauftragten zeitgenössische Schweizer Komponisten mit der Vertonung der Gedichte. Cyrill Schurch, Yvonne Troxler, Ruedi Debrunner, Thomas Fortmann, Silvan Loher, Edward Rushton, Balz Trumpy und Daniel Fueter haben Gedichte aus verschiedenen Schaffensperioden des Laufenburger Autors, jeder mit seiner ganz eigenen Klangsprache, vertont.

Klangliche Inszenierung

Der Züricher Komponist Daniel Fueter (*1949) wählte für seine Komposition die Form der Kantate. Unter dem Titel „Regentag – Kleine Kantate für Tenor und Klavier“ vereinte er drei Gedichte mit den Titeln „Auch Flechten sind Pflanzen“, „So nah am Stamm“ und „Die Amsel liegt da unterm leeren Gesträuch“ in einer schlichten klanglichen Inszenierung, welche die Konzentration auf Hallers unverwechselbare Sprache zuließ.

Eine Frau unter den Komponisten

Dem Komponisten war es ein Anliegen, den sparsamen Texten trotz ihrer Dichte, Raum für die Musik zu lassen, was ihm sehr eindrücklich gelungen ist. Die Pianistin und Komponistin Yvonne Troxler, die einzige Frau unter den Komponisten der „Haller-Lieder“, lebt und arbeitet in New York City. Geboren und aufgewachsen ist sie in der Schweiz. Yvonne Troxler wählte für ihre Komposition das Gedicht „Morgenfrühe“ aus. Ihr Bestreben war es, den Gegensatz von Wort und Sinn in Hallers Gedichten durch die Musik als Spannungsfeld zu reflektieren. Der Komponist Silvan Loher (*1986) stammt aus Schaffhausen. Für seine Vertonung hat er sich den Gedichtzyklus „Pappelallee“ ausgesucht. Er verarbeitet in seiner Komposition unter anderem Themen wie Vergangenheit, Gegenwart, Nostalgie, Veränderung und Zerstörung der Natur durch den Menschen, die ihn, wie er erklärt, in seiner Arbeit immer wieder beschäftigen und die auch in den Gedichten Hallers in diesem Zyklus zu finden sind.

Am Liederabend waren einige der Komponisten persönlich anwesend. Im Anschluss an die Uraufführung gab es in der Kultschüür die CD-Taufe. Die CD ist unter dem Label edition.vokalmusik.ch erschienen.