Konstanz Museum wird zur Zeitmaschine: Kinder begeben sich auf die Spuren der Steinzeit

Das Steinzeitprojekt für Bildungshauskinder im Pfahlbaumuseum Dingelsdorf begeistert die Teilnehmer. Lokale Experten vermitteln den Kindern Wissen über die ferne Vergangenheit.

"Warum heißt die Steinzeit Steinzeit?", fragt der Oberdorfer Steinzeit-Experte Herbert Gieß in die Runde. Schon antworten die Bildungshauskinder fast wie aus einem Mund: "Weil viel aus Stein gemacht wurde." Gieß gibt den Mädchen und Jungen Imitate von Steinzeitmessern und Beilen in die Hände. Ganz vorsichtig begutachten sie die Werkzeuge. Milo staunt: "Wie die damals die Steine wohl in das Holz bekommen haben?"

Die Faszination wird von Minute zu Minute größer. Richtig gebannt lauschen die Kinder, als es um das Thema Steinzeit-Feuerzeug geht. Sophie weiß auch sofort: "Man braucht einen Feuerstein." Umgehend legt Herbert Gieß den benannten Gegenstand im Ausstellungsraum des Dingelsdorfer Pfahlbaumuseums auf den Boden. "Was brauchen wir noch? Zum Feuermachen sind drei Sachen nötig." An den Eisenstein denken die Kinder nicht, aber Zunder kennen sie bereits sehr wohl. "Der Zunderschwamm wächst an den Bäumen. Man macht die Schale ab; das ist fast wie Leder", erläutert Herbert Gieß. Cara nimmt den Zunder und kommentiert: "Das fühlt sich ja richtig kuschelig an." Dann stecken die Kinder die Köpfe zusammen, denn Herbert Gieß schlägt die Steine aufeinander. Tatsächlich: "Es gibt Funken", jubeln die aufmerksamen Kinder. Nach einigen Sekunden beginnt sogar der Zunder zu qualmen. "Und wenn wir jetzt draußen wären, könnten wir ein richtiges Feuer machen", meint Herbert Gieß.

Was er den Kindern allerdings nicht verrät: Hinter der Kunst des Feuerschlagens steckt viel Geduld und jede Menge Übung. Das Team des Dingelsdorfer Pfahlbaumuseums hatte sich seinerzeit getroffen, um sich das steinzeitliche Feuermachen anzueignen. "Vier Stunden lang haben wir es versucht, bis es endlich geklappt hat", lacht Herbert Gieß. Alle waren vom Ehrgeiz gepackt, denn: "Wir wollen ein lebendiges Museum und kein totes mit lauter verstaubten Objekten", erläutert der Fachmann. Workshops für Kinder und Erwachsene kennzeichnen das Konzept des kleinen, gefragten Museums in Dingelsdorf.

"Für uns ist das eine Bereicherung", stellt Britta Kaibach, Leiterin des Kinderhauses St. Nikolaus, fest. "Wir haben Experten vor Ort, die ihre Themen leben und spannend und interessant vermitteln." Das Können dieser Fachleute machen sich Kindergarten und Schule im Rahmen des Bildungshauses immer wieder gerne zu Nutze. In regelmäßigem Turnus gibt es themenspezifische Projekte, an denen Kindergartenkinder und Schüler in altersgemischten Gruppen teilnehmen. "Für jede Altersgruppe ist etwas dabei und das miteinander und voneinander Lernen steht im Vordergrund", so Kaibach, die aus Erfahrung anfügt: "Das wirkt sich auch auf das soziale und emotionale Verhalten der Kinder aus und gleichzeitig bauen sie ihre Kompetenzbereiche aus." So macht das Lernen richtig Spaß, denn an außergewöhnlichen Orten präge sich das neue Wissen noch besser ein. Vom Bienenprojekt, das im vergangenen Jahr bei Herbert Gieß zu Hause in Oberdorf stattfand, sprechen die jungen Teilnehmer noch heute mit Begeisterung. "Sie wollen unbedingt, dass es wiederholt wird", schmunzelt Britta Kaibach.

Währenddessen arbeiten Jonas, Konrad und Merlin hart an den Mahlsteinen. "Wir mahlen gerade das Korn. Dazu braucht es ganz schön Kraft", meint Jonas. "Wir machen nämlich Steinzeitmüsli." Dabei schaut er hinüber zu seinen Kameraden, die hochkonzentriert damit beschäftigt sind, mit Steinzeitmessern Äpfel zu schneiden und mit Steinen Nüsse zu knacken. Von der Ferne her sind Flötentöne und höchst seltsame Geräusche zu hören. Denn im Obergeschoss bastelt Dieter Brdiczka mit einer anderen Gruppe Steinzeit-Musikinstrumente, darunter Xylophon, Flöte und Schwirrhölzer. "Das Klangholz haben wir erst bemalt und dann eine Schnur daran gebunden", erklärt Leon, der gerade versucht, durch das Schwingen des Holzes einen Ton zu erzeugen. Bei Jonas klappt das schon prima. "Durch den Wind gibt es die Geräusche", sagt Jonas, der über das ganze Gesicht strahlt, weil er das Steinzeit-Instrument bereits vortrefflich beherrscht. Als Britta Kaibach dann zur Pause ruft, ist er gar nicht begeistert. Mit einem aussagekräftigen "Nöööö!" quittiert er die unliebsame Störung während seines wissenschaftlichen Experiments, das keine Unterbrechung duldet. "Pausen werden wohl von uns überbewertet", lacht Britta Kaibach.

Das Pfahlbaumuseum

Das Dingelsdorfer Pfahlbaumuseum im Dingelsdorfer Rathaus wurde im Jahr 2011 eröffnet. Kernstück der Ausstellung sind die Steinzeitfunde des Sammlers Herbert Gieß. Finanziert wird das Museum über den eigens gegründeten Förderverein, der aktuell 65 Mitglieder zählt. Wichtig ist dem Museumsvorstand die lebendige, lebhafte Wissensvermittlung, weshalb regelmäßig Vorträge, Filmvorführungen und Workshops angeboten werden. Schulen und Kindergärten aus Konstanz und weit darüber hinaus nehmen das Angebot gerne wahr. "Auch Kindergeburtstage und Geburtstage von Erwachsene im Museum gibt es immer häufiger", so Vorstandsmitglied Herbert Gieß. Das Pfahlbaumuseum ist derzeit montags und dienstags von 9 bis 12 Uhr sowie mittwochs von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Jeden ersten Sonntag im Monat gibt es von 14 bis 16 Uhr kostenlose Führungen durch die Ausstellung. Anmeldungen für Führungen und Workshops nimmt die Museumsleiterin Elisabeth von Gleichenstein unter (0 75 33) 5295 oder e.gleichenstein@gmx.de entgegen. (as)

Infos im Internet: www.pfahlbau-dingelsdorf.de

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