Die bedeutende Impressionistensammlung der Familie Brown-Boveri hängt meist im großen Galerieraum der Villa Langmatt in Baden in der Schweiz. Nun ist alles anders: Die Meisterwerke sind in die kleineren Privaträume der Familie im ersten Obergeschoss gewandert. Dort sind jetzt Werke von Claude Monet, Auguste Renoir, Paul Cézanne, Camille Pissarro und vielen anderen neu gehängt und oft in überraschendem Blickwinkel zu sehen. Da die Impressionisten immer von den Schwankungen des Lichts zu verschiedenen Tageszeiten fasziniert waren, erhielt die neue Ausstellung den Titel „Gegenlicht“.

"Die Hafeneinfahrt von La Rochelle" von Pierre-August Renoir ist im Obergeschoss zu sehen.
"Die Hafeneinfahrt von La Rochelle" von Pierre-August Renoir ist im Obergeschoss zu sehen. | Bild: Rosemarie Tillessen

Doch damit nicht genug: Der rührige Museumsdirektor Markus Stegmann hat unter den zeitgenössischen Künstlern den deutschen Maler Norbert Bisky (48) ausgesucht, der – wie die Impressionisten auch – mit Licht und Bewegung arbeitet. Seine Werke sieht man jetzt zeitgleich unter dem Titel „Fernwärme“ im großen Galerieraum im Erdgeschoss, dazu in der Bibliothek und im nahe gelegenen Badehaus im Park. Und es gibt noch einen direkten Bezug zu den Impressionisten der Familie Brown: Der Maler hat sich intensiv mit historischen Fotos der Familie Brown befasst und sie – frei von den Vorlagen – in einige seiner eigenen Bilder einbezogen. Und er hat dabei Gemeinsamkeiten zwischen beiden Familien entdeckt, etwa die Homosexualität.

In dem Bild "Dschungelcamp" spielt Norbert Bisky mit drei Vorlagen aus historischen Fotos der Familie Brown.
In dem Bild "Dschungelcamp" spielt Norbert Bisky mit drei Vorlagen aus historischen Fotos der Familie Brown. | Bild: Rosemarie Tillessen

Bisky war Meisterschüler von Georg Baselitz und gehört heute zu den international bekannten Künstlern seiner Generation. Er malt in überhellen, teils stark bunten Ölfarben, die er gelegentlich wie Aquarelle mit Terpentin „verwässert“. Seine Figuren sind meist junge Männer und wirken heldenhaft mit scheinbar schönen, kraftvollen Körpern wie etwa in dem großformatigen Bild „Iconoclasts“.

Verstörendes auf den zweiten Blick

Erst auf den zweiten Blick entdeckt man in aller Popart-Farbigkeit Surreales oder auch Verstörendes: Menschen fliegen durch die Luft, ein Mann legt sich eine Schlinge um den Hals oder Wölfe reißen sich gegenseitig oder werden gerissen. Dieses Motiv gehört zum Triptychon „Craving“, was so viel wie Sehnsucht bedeutet und in dem er dramatisch den Tod seines Bruders verarbeitet hat. Eine spannende, aber auch irritierende Ausstellung. Umso genussvoller wirkt der Wechsel ins Obergeschoss zu den Impressionisten mit ihrer lichtdurchfluteten Farbigkeit.

"Die Erbsenernte" von Camille Pissarro können Besucher der Villa Langmatt bewundern.
"Die Erbsenernte" von Camille Pissarro können Besucher der Villa Langmatt bewundern. | Bild: Rosemarie Tillessen

Öffnungszeiten: Beide miteinander verbundenen Ausstellungen in der Villa Langmatt in Baden sind bis 9. Dezember dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr und am Wochenende von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Am 19. September um 12.15 Uhr findet ein Gespräch mit Norbert Bisky und Markus Stegmann statt. Der Katalog kostet 38 Franken.