Spreitenbach Läuferin erkrankt nach Bussard-Attacke in Spreitenbach an der Hasenpest

Im März 2017 wurde eine Joggerin auf dem Heitersberg bei Spreitenbach von einem Mäusebussard angegriffen. Nach dem Angriff verschlechtert sich Zustand der Frau dramatisch. Lange tappen die Mediziner im Dunkeln, bis sie auf die Diagnose kamen.

Auf dem Heitersberg bei Spreitenbach im Schweizer Kanton Aargau griff ein Mäusebussard die Hobby-Läuferin an. Es war der Anfang einer Leidensgeschichte voller Schmerzen und Ungewissheit. Sie war nicht das einzige Opfer eines Mäusebussards.

Ein ganzes Jahr lang stehen die Laufschuhe unbenutzt im Keller. Erst diesen Frühling fängt die 42-Jährige aus Bergdietikon wieder an zu joggen. Den Heitersberg meidet sie jedoch. Dort, auf dem Höhenweg, griff sie am 7. März 2017 ein Mäusebussard an und steckte sie mit der Hasenpest an. Es dauerte mehrere Wochen, bis klar war, woran sie litt. Es waren Wochen, in denen die Frau unter heftigen Schmerzen litt.

"Es war, als fiele ein Sandsack auf mich"

Die Lehrerin erinnert sich genau an den Vorfall. Der Tag ist düster, es nieselt. Sie ist unschlüssig, überwindet sich dann aber doch, laufen zu gehen. Vom Hotel Hasenberg rennt sie in den Wald Richtung Egelsee, aus den Kopfhörern dröhnt Musik. Sie sieht und hört nicht, wie der Mäusebussard sie von hinten anfällt: "Es war, als fiele ein Sandsack auf mich. Ich bin wahnsinnig erschrocken."

Sie stolpert, fällt aber nicht hin. Der Vogel stößt sich sofort wieder ab. Sie fährt sich mit der Hand über den Hinterkopf. Blut findet sie nicht. Sie vermutet nichts Böses, kehrt aber um und läuft nach Hause. Was bleibt, ist eine Beule, auf der sich eine Kruste bildet.

Hohes Fieber und Gliederschmerzen

Die Schmerzen kommen sechs Tage später: hohes Fieber, starke Gliederschmerzen, dazu ein Schmerz links am Hals im Bereich der Lymphknoten. Sie geht zum Hausarzt, der eine Hirnhautentzündung vermutet. Drei Tage später wird sie ins Regionalspital Limmattal in Schlieren eingeliefert.

Der Verdacht der Ärzte: Virusinfektion der oberen Atemwege, geschwollene Lymphknoten hinter dem linken Ohr. Die Patientin erhält Schmerzmittel und Entzündungshemmer. Nach fünf Tagen verlässt sie das Spital auf eigenen Wunsch. Noch immer ist ihre Krankheit unerkannt. Von Heilung keine Spur.

Einen Monat später kommen Ärzte auf die Diagnose Hasenpest

Erst am 5. April kündigt sich Besserung an. Sie kommt deutlich geschwächt ins Kantonsspital Baden. Noch immer hat sie 40 Grad Fieber und Muskelschmerzen. Erstmals kommen Ärzte ihrem Leiden nun auf die Spur: Sie vermuten eine Tularämie, genannt Hasenpest. Auslöser sind nicht Viren, sondern ein Bakterium mit Namen Francisella tularensis.

Die Ärzte scheitern am Nachweis in einer Blutkultur, finden aber trotzdem einen Beweis: Ihr Blut enthält viele Antikörper gegen den Erreger. Sie erhält ein Antibiotikum. Endlich bessert sich ihr Zustand, das Fieber verschwindet. Nur die Lymphknoten schmerzen weiter. Es bildet sich ein eitriger Geschwulst, den die Ärzte aufschneiden. Erst jetzt genest sie komplett. "Ich habe mich recht schnell erholt", sagt sie. Im Herbst klingen auch die letzten Schwellungen ab.

Hasenpest in der Schweiz eine seltene Diagnose

Die Diagnose Hasenpest ist in der Schweiz selten. 2015 registrierte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) 50, 2016 56 Fälle. Die Krankheit werde aber häufiger, heißt es auf der BAG-Website. Wird sie nicht behandelt, endet sie in fünf bis 15 Prozent der Fälle tödlich. Mit der richtigen Antibiotikatherapie sinkt die Wahrscheinlichkeit zu sterben unter zwei Prozent.

Ihren ungewöhnlichen Fall schilderte ein Team von Infektiologen und Veterinären kürzlich im Schweizer Archiv für Tierheilkunde. Ungewöhnlich ist er deshalb, weil er fast einmalig ist: Die Wissenschaftler wissen von nur einer anderen Übertragung durch einen Mäusebussard-Angriff. Bemerkenswert: Dieser passierte am selben Ort. Drei andere Jogger wurden ebenfalls attackiert. Einer erkrankte danach an der Hasenpest. Auch ihm geht es wieder gut. Ob der Angreifer derselbe Vogel war, ist nicht bekannt.

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