Wollte man jemanden als Weltstar bezeichnen, dann Cecilia Bartoli. Sie ist die erfolgreichste Klassikkünstlerin und eine der populärsten Sängerinnen der Gegenwart. Zusammen mit dem argentinischen Countertenor Franco Fagioli war die „Ausstrahlungsweltmeisterin“ nicht im Opernhaus Zürich, ihrem Stammhaus, dem sie seit 30 Jahren verbundenen ist, sondern in der außergewöhnlichen Konzertreihe der „Klassik Sterne“ in Rheinfelden/Schweiz und Aarau zu erleben.

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Begleitet wurden die Starsolisten in einem attraktiven Repertoire des italienischen Barock von der Cappella Gabetta, einer exquisiten Schar handverlesener Barockmusiker. Im Stabat Mater von Pergolesi, einem der besten kirchenmusikalischen Werke aller Zeiten, waren die beiden Kastratenpartien mit Bartoli und dem Countertenor besetzt. Zu bewundern war bei beiden Sängern nicht nur die ebenmäßige Kunst der Verzierung und Phrasierung. Vielmehr beeindruckte die absolute Gleichmäßigkeit der Darstellung. Wie nicht anders zu erwarten, entsprach die Wiedergabe jenen Vorstellungen, die sich an solche Sängerpersönlichkeiten richten.

Voller Natürlichkeit und Wohlklang

Cecilia Bartoli singt mit voller Natürlichkeit, einem inneren Feuer und betörendem stimmlichem Wohlklang. Wie man in Pergolesis Schwanengesang hören konnte, vereint ihr Gesang jenen tief empfundenen Ausdruck in der melodischen Ausformulierung mit zart getönter Lyrik. Die Mezzosopranistin kann sich sowohl in die Koloraturen als auch in ein ganz zartes Piano begeben. Darin steht ihr der Argentinier mit dem unverwechselbaren Timbre seiner hohen Counterstimme nicht nach. So ereignet sich ein erfülltes Duettieren. Sowohl Bartoli als auch Fagioli kosten in den Duetten („Inflammatus“) jede Note aus, wobei die gebürtige Römerin sich in ihren solistischen Partien mit großer Inbrunst in Seufzer, Trauer und Schmerz direkt hineinlegt, wie das wohl nur italienische Künstlerinnen so emotional, aber ohne Larmoyanz können. Bewegend und berührend.

Unaffektiertes Singen

Bei Fagioli faszinieren der makellose Tonansatz und sein unaffektiertes Singen, das ganz auf die Kunst des Legatos vertraut. Man spürte die Einheit in der Tongebung und der musikalischen Auffassung zwischen ihm und Bartoli. Schon im ersten Teil hatten sich die Gesangsstars solistisch in Geistlichen Werken Vivaldis vorgestellt. Mit Riesenapplaus empfangen, betörte die Bartoli in dem berückenden „Domine Deus“ aus dem Gloria von Vivaldi, wobei sie im intimen Zwiegesang aufs Schönste mit der Solooboe von Diego Nadra korrespondierte.

Franco Fagioli sang schon den Solopart in Vivaldis längerem „Nisi Dominus“ mit Vitalität, klarer Linienführung und bravouröser Koloraturbrillanz. Barockgeiger Andrès Gabetta begeisterte mit seiner präzise aufspielenden Cappella zudem in einem Violinkonzert Vivaldis auch solistisch mit spieltechnischer Souveränität.