Die Badener Stadträtin Sandra Kohler ruft zur Gründung einer lokalen Währung auf – doch das Gewerbe reagiert mit Skepsis. Wenn über alternative Zahlungsmittel geschrieben wird, gehören derzeit Kryptowährungen wie dem Bitcoin die Schlagzeilen. Daneben werden aber auch regelmäßig alternative Lokalwährungen aus der Taufe gehoben, die im Prinzip Gutscheine mit Ablaufdatum sind. Die Idee: Da die Währung nur in der jeweiligen Region akzeptiert wird, profitiert die regionale Wirtschaft. Zudem verlieren die Alternativwährungen mit der Zeit an Wert, damit das Geld nicht gehortet oder für Spekulationen verwendet, sondern möglichst schnell ausgegeben wird.

Andere Städte als Vorbild

In Basel kann bereits seit rund zwölf Jahren mit dem NetzBon bezahlt werden, inzwischen in rund 140 Betrieben. 2015 kann in der Region am Genfer See der Léman hinzu, den es inzwischen auch elektronisch gibt. Derzeit sind Lémans im Gegenwert von 150 000 Franken im Umlauf, sie werden von 450 lokalen Firmen akzeptiert. Teilweise werden sogar die Löhne der Mitarbeiter in Léman ausbezahlt. Auch Bern mit dem Bonobo und Winterthur mit dem Eulachtaler verfügen über Alternativwährungen. Einige davon sind nicht an den Franken gekoppelt, was sie krisensicherer machen soll.

Stadträtin sieht Vorteile

Die Badener Stadträtin Sandra Kohler (parteilos) findet Alternativwährungen sinnvoll und ruft zur Gründung einer Währung für die Region auf. "Ein Badener Taler, so könnte die Währung heißen, hätte den großen Vorteil, dass er das lokale Gewerbe stärken würde. Auf diese Weise bleibt das Geld in der Region, erhöht die lokale Wertschöpfung und sichert Arbeitsplätze", sagt sie. Baden leide am Einkaufstourismus nach Deutschland und an der Nähe zu Zürich. "Eine lokale Währung wäre für Menschen in der Region eine gute Möglichkeit, sich für die Stadt und umliegende Gemeinden einzusetzen", so Kohler. Die Initiative zur Gründung der Währung sollte idealerweise aus der Bevölkerung kommen, doch würde sie ein Projekt unterstützen. "Ich wäre auf jeden Fall bereit, einen Teil meines Stadtratslohnes in der Lokalwährung zu erhalten statt in Franken."

Rechtlicher Graubereich

Die Hersteller von Alternativwährungen bewegten sich im rechtlichen Graubereich, selbst wenn es sich beispielsweise beim Eulachtaler im juristischen Sinne um einen Gutschein handelt, sagt Suzanne Ziegler, Professorin für Banking und Finance an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, gegenüber dem "Landboten": "Die Nationalbank hat in der Schweiz das Notenmonopol. Offensichtlich drückt sie bei kleinen Regionalwährungen mit sehr kleinem Umlaufvermögen beide Augen zu."

Geschäfte müssen mitziehen

Es gäbe bei der Umsetzung ohne Zweifel einige Knackpunkte, sagt Sandra Kohler. Damit sich die Währung etablieren könnte, müssten viele Geschäfte das Zahlungsmittel akzeptieren, auch außerhalb von Baden. Außerdem müsse in der Bevölkerung ein gewisser Lokalpatriotismus vorhanden sein. "Ich denke, diese Identität ist hier in der Region vorhanden."

Rückfall ins Mittelalter

Michael Wicki vom Gewerbeverband City Com äußert sich zurückhaltend: "Wir unterstützen den lokalen Detailhandel seit Jahren mit überall in Baden einlösbaren Gutscheinen. Für Gewerbe, Industrie und Dienstleister, die auch außerhalb der Stadt arbeiten, wäre eine solche Währung aber eher hinderlich." Er erachte es als Errungenschaft, dass sich die Schweiz auf eine Währung habe einigen können, sagt Wicki: "Verschiedene Währungen in verschiedenen Städten, das wäre ein Rückfall ins Mittelalter." Der Wille, sich für das lokale Gewerbe einzusetzen, sei lobenswert – nur stünden andere Maßnahmen weiter oben auf der Prioritätenliste. Sonntagsverkäufe, billige Parkplätze, eine busfreie Weite Gasse oder die Öffnung der schiefen Brücke für Autos hätten wohl mehr positiven Einfluss auf die Umsätze der Geschäfte, sagt Wicki.